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Menschenhandel:Manchmal reicht eine Umarmung

Menschenhandel trifft vor allem Frauen und Mädchen. Die Opfer landen oft in der Prostitution, werden willenlos gemacht und ausgebeutet – ein Thema, mit dem sich der jüngste „TheoTalk“ der Katholischen Erwachsenenbildung in Trier befasst hat.
Nelly Seidel beim Theo Talk
Datum:
6. Juni 2026
Von:
Rolf Lorig

Trier. „Ihr seid die Einzigen, die uns Menschlichkeit bringen. Wir werden sonst nur als Fußabtreter benutzt.“ Der Satz macht die Dankbarkeit der Prostituierten im Raum Bonn gegenüber dem überkonfessionellen Verein „Mission Love“ deutlich. Dessen Vorsitzende, Nelly Seidel, erlebte in einem Mädchen- und Frauenhaus in Indien das oft unfassbare Leid der Betroffenen. Ein Leid, das es auch in Deutschland gebe, wo viele Frauen in der Zwangsprostitution lebten, mit psychischen und physischen Verletzungen. Ein Leid, das „Mission Love“ lindern will.

„Die Augen verraten ganz viel. Oft sind sie tieftraurig.“

Dabei setzt man in erster Linie  auf Aufklärung. Der Verein hat nur 16 Mitglieder, insbesondere Frauen. Die Ehrenamtlichen sprechen gezielt junge Männer an: „Wenn Euch der Weg in diese Häuser führt, schaut den Frauen in die Augen. Die verraten ganz viel. Und sie sind oft tieftraurig.“

Seit 2017 sucht die gebürtige Bonnerin den Kontakt zu den Prostituierten im Rotlichtmilieu. Gespräche mit den Frauen haben ihr den Schutzbedarf aufgezeigt: „Eigentlich sollte die Liberalisierung des Prostitutionsgesetzes 2002 die Frauen besser schützen und ihre Selbstbestimmung sicherstellen. Tatsächlich aber hat es den Markt zur sexuellen Ausbeutung erleichtert.“ 

Betroffen seien vor allem junge Frauen aus armen Ländern in Ost-Europa, die unter falschen Versprechen nach Deutschland gelockt würden. Oft seien daran sogar Familienangehörige beteiligt: „Mit ihrem guten Aussehen sollen die Frauen bei uns Geld verdienen und ihre Familie zuhause finanziell unterstützen.“ 

Das böse Erwachen komme vor dem Grenzübertritt, wo die Begleiter der Mädchen deren Pässe einsammeln würden: „Ihre Papiere sehen die Frauen dann jahrelang nicht wieder.“ Am Zielort kämen sie in billige Hotels, wo mit Schlägen und Vergewaltigungen der brutale Alltag beginne. „Das ist der Moment, in dem oft die Psyche zum ersten Mal gebrochen wird.“

Ein häufiger Wunsch: „Bitte, betet für mich!“

Die Arbeit von „Mission Love“ hat viel mit Vertrauen zu tun. Denn die Prostituierten mussten schmerzhaft lernen, dass Ehrlichkeit gefährlich ist. So brauche es Zeit, bis wieder Vertrauen da sei: „Erst wenn sie merken, dass wir weder Druck ausüben noch sie verraten, öffnen sie sich.“ Komme es zu vertraulichen Gesprächen, tauche nicht selten ein Wunsch auf: „Bitte, betet für mich!“ Weshalb an Ort und Stelle dann oft auch gemeinsam gebetet werde. 

Doch wie reagieren ihre sogenannten „Beschützer“ darauf? Nelly Seidel hat mit dieser Frage gerechnet. Denn es ist für Frauen außerhalb des Gewerbes nicht einfach, Bordelle zu betreten und mit den dort Tätigen ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam mit einigen Vereinsmitgliedern habe sie den Türsteher eines der Häuser angesprochen und um ein Gespräch mit dem Chef des Hauses gebeten. Die Männer habe das Anliegen überrascht, aber auch zum Nachdenken geführt: „Wenn ihr meinen Frauen guttut, könnt ihr alle 14 Tage zu einer bestimmten Zeit kommen“, habe der Chef gesagt – aber auch deutlich gemacht, dass die Besuche jederzeit wieder enden könnten. Aber: „Heute besuchen wir sechs Clubs in der Region.“ 
Für die Frauen seien diese Kontakte eine starke menschliche Zuwendung: „Manchmal reicht eine Umarmung, und dann weinen sie, weil sie nach langer Zeit wieder spüren, wie es ist, einfach ihrer selbst wegen umarmt zu werden.“ 
Fragt man Seidel nach Erfolgen, fällt die Antwort eher bescheiden aus. Einigen wenigen Frauen habe man bei ihrem Ausstieg helfen können. Doch das sei eher die Ausnahme denn die Regel.  
Das Engagement kostet alle Beteiligten viel Kraft. „Aber wir können Gottes Licht bringen; Hoffnung, Beziehungen aufbauen, zuhören, begleiten. Und wir erleben immer wieder, dass Gott auch in dieser Dunkelheit wirkt. Das verändert die Frauen – und uns.“ 

Info

Bei der letzten Veranstaltung der KEB-Reihe vor der Sommerpause spricht Dr. Kathrin Baumeister am 17. Juni ab 19 Uhr im Kegel- und Bowlingcenter Heiligkreuz (Karlsweg 5) über die Bedeutung der Kuriengärten („Private Erholungsorte oder mehr?“). Nähere Infos unter www.keb-trier.de im Internet.