Musiktherapie:SOS-Tipp gegen Schmerzen

Musik wirkt nachweislich gegen Schmerzen: Laut der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft kann sie Verspannungen lösen und den emotionalen Umgang mit Schmerz verändern. Darüber hinaus wirkten sich musikbasierte Interventionen positiv auf Stress- und Angstniveaus, Müdigkeit, physiologische Reaktionen und negative Gedanken aus, sagt Alexander Wormit, der klinische Musiktherapie an der SRH University of Applied Sciences Heidelberg lehrt.
Studien mit chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten hätten gezeigt, dass aktive Auseinandersetzung mit Musik den größten positiven Einfluss habe: etwa wenn Betroffene „ein Instrument spielen oder sich mit Liedtexten beschäftigen“. Ebenso habe eine einzige Musiktherapiesitzung eine spürbare Schmerzreduktion gezeigt, wenn gesungen wurde oder die Teilnehmenden sich musikgestützt „auf Gedankenreise“ begeben hätten, so Wormit.
Besonders gut geeignet seien solche Übungen für Menschen, die Schwierigkeiten haben, mit ihren Emotionen umzugehen. „Menschen, die sich nicht öffnen können oder sich schlecht spüren, sind häufig erstaunt über ihren unmittelbaren Gefühlsausdruck bei musiktherapeutischen Anwendungen“, sagt der Wissenschaftler.
Schmerzgeplagte könnten diese heilsame Kraft auch alleine, ohne therapeutische Begleitung für sich einzusetzen versuchen, um akute Schmerzschübe besser zu bewältigen oder negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. Wormit empfiehlt dafür eine Übung aus seiner Praxis: „Betroffene wählen zunächst ein Bild, das positive Gefühle stimuliert.“ Das könne beispielsweise ein Erinnerungsfoto aus dem Urlaub oder ein Bild aus der Natur sein.
Dieses „Wohlfühlbild“ betrachtend, spiele man dann dazu ein selbstgewähltes Musikstück ab. Wichtig dabei: Der positive Effekt sollte sich innerhalb von ein bis zwei Minuten einstellen. „Falls die Übung nicht hilft oder nicht guttut, besser beenden“, rät Wormit.
Ein weiterer Tipp des Experten: „Eine Playlist mit bevorzugter Musik zusammenstellen und synchrone Bewegungen dazu ausführen – mit dem Fuß tippen, nicken oder im Takt gehen. Auch das kann schon helfen. KNA