Caritas-Präsidentin:Sozialarbeit und Stehvermögen

Sie ist eine Kämpferin und nimmt auch vor dem Papst kein Blatt vor den Mund. Die Ordensschwester Katharina Ganz tritt seit vielen Jahren für mehr Rechte von Frauen in der Kirche ein und erlangte damit bundesweite Bekanntheit. Für sie ist klar: „An der Frauenfrage entscheidet sich die Zukunft der katholischen Kirche.“ Das begründete sie auch in ihrem Buch „Frauen stören“.
Von 2012 bis 2025 war Ganz Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen mit Niederlassungen in Deutschland, Südafrika und den USA. Am 8. Juli wurde die promovierte Theologin und Sozialpädagogin in Freiburg zur neuen Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes gewählt. Sie tritt im Februar die Nachfolge von Eva Maria Welskop-Deffaa (67) an, die die Caritas seit 2021 leitete.
Immer wieder sorgt Ordensfrau Ganz für Schlagzeilen, etwa 2019 bei einer Papst-Audienz in Rom für die Leiterinnen von Frauenordensgemeinschaften aus aller Welt. Dort sprach sie den Papst mit „Bruder Franziskus“ an und sagte ihm, man dürfe die Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden können, nicht nur aus der Geschichte und der Dogmatik heraus beantworten. Der Papst antwortete mit dem Verweis auf die Offenbarung, die Katholiken zu respektieren hätten, und dem unvollendeten Satz „Aber wenn eine von Ihnen eine andere Kirche gründen will ...“. Ganz nahm es erst mit Humor, bewertet es heute aber als „knallende Ohrfeige“.
Ganz: Frauen müssen die Machtfrage stellen
Weniger Paternalismus und Bevormundung, das ist ihr Credo. In einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte Ganz 2019: „Kommunikation in der katholischen Kirche geschieht asymmetrisch von oben nach unten. Und die Deutungshoheit über das, was Kirche ist, haben ausschließlich geweihte Männer. Also müssen Frauen die Machtfrage stellen.“
Schwester Katharina ist Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Beim Synodalen Weg zur Zukunft der Kirche in Deutschland wirkte sie unter anderem im Frauen-Forum mit.
Nach der Schule studierte sie Theologie in Würzburg, wo sie mit feministischer Theologie in Berührung kam, und bald auch Sozialpädagogik: „weil ich sehr bald gemerkt habe, als Frau in der Kirche brauchst du ein zweites Standbein“. Während des Studiums führte ein Praktikumsjahr Ganz in eine Missionsstation französischer Ordensleute in der Zentralafrikanischen Republik. Eine Zeit, die sie prägte. Dort entdeckte sie die franziskanische Spiritualität für sich: „mitten in der Welt zu sein, bei den Armen und nicht zurückgezogen in einem Kloster zu leben“. 2002 trat sie in Würzburg bei den Oberzeller Franziskanerinnen ein.
Sie arbeitete zunächst mehrere Jahre als Sozialpädagogin im Antonia-Werr-Haus des Ordens für Frauen in Krisensituationen. Dort begleitete sie unter anderem Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Später leitete sie das Bildungshaus im Kloster Oberzell und wurde 2013 zur Leiterin, zur Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen gewählt.
Wille ist immer ihr starker Motor gewesen
„Ich bin immer ins kalte Wasser geworfen worden, und oft war ich überfordert“, sagt sie rückblickend. „Aber ich bin an den Aufgaben gewachsen.“ Ganz hat Stehvermögen. „Von den geistigen Fähigkeiten ist der Wille immer mein starker Motor gewesen.“ Als sie im Sommer 2025 das Amt der Generaloberin abgab, nahm sie sich eine Auszeit und pilgerte in Italien auf den Spuren des heiligen Franziskus. Es sei ihr auch um ein bewusstes Loslassen der eigenen Macht gegangen, erzählte sie in einem Podcast im März.