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Liebfrauenkirche:Kirche, Synagoge und Geld

Rechtzeitig vor Ostern ist das Gerüst am Westportal der Kirche Liebfrauen abgebaut worden. Die Restaurierung ist abgeschlossen – vorerst zumindest.
Pfarrer  Dr. Markus  Nicolay vor dem restaurierten Westportal der Trierer Liebfrauenbasilika.
Datum:
18. Apr. 2026
Von:
Luca Peranni

Trier. Nach der Restaurierung erstrahlt das Tympanon des Westportals der Liebfrauenkirche in neuem Glanz. Doch selbst ungeschulten Augen von Passanten dürfte auffallen: Hier fehlt etwas. Mit dem für die Restaurierung aufgebauten Gerüst sind auch die Figuren an beiden Seiten verschwunden. Die Gruppe, zu der das kontroverse Paar Ecclesia und Synagoge gehört, wurde für die Arbeiten am Portal eingelagert, und das wird sie vorerst bleiben. 

Man benötige eine Denkpause, erklärt Pfarrer Dr. Markus Nicolay. Grund dafür sei jedoch nicht die Debatte um die Figur Synagoge, die als antijudaistische Darstellung gesehen wird, sondern die nach wie vor mangelnden Kenntnisse über den ursprünglichen Zustand der Skulpturen. Die mittelalterlichen Statuen waren in der französischen Revolution zerstört worden. Von ihnen gibt es keinen bildlichen Nachweis. Seither gab es neun Rekonstruktionsversuche – mit durchwachsenem Ergebnis. 

Forschungsprojekt wäre notwendig

Eigentlich bräuchte es ein weiteres Forschungsprojekt, das sich gezielt mit der Gruppe auseinandersetzt. Dafür fehlen der Pfarrei jedoch die Mittel. Erst wenn klarer sei, welche Statuen in welcher Anordnung an das Portal gehören, wolle man sie wieder aufstellen. „Dafür brauchen wir aber eben diese Denkpause“, betont Nicolay.
Schon nach dem Zweiten Weltkrieg standen eine zeitlang keine Statuen an der Pforte. „Wir tun jetzt also nichts Undenkbares, sondern stellen einen Zustand her, wie er 40 Jahre lang funktioniert hat.“ Bei den bisherigen Statuen handelt es sich um Kopien aus Beton. Die Originale befinden sich zu einem Teil im Museum am Dom und zum anderen im Bode Museum in Berlin und können dort weiterhin besichtigt werden.

Wir tun jetzt nichts Undenkbares, sondern stellen einen Zustand her, wie er 40 Jahre lang funktioniert hat.

Pfarrer Dr. Markus Nicolay

Der ursprünglich gesteckte Finanzrahmen für die Arbeiten am Westportal von etwa 300.000 Euro sei auch eingehalten worden. Bereitgestellt wurden diese Mittel von der Pfarrei Liebfrauen selbst, durch das Bistum Trier, die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz und die Stiftung Manfred-und-Christa-May. Das Land Rheinland-Pfalz habe einen Förderantrag über 50.000 Euro für das Weltkulturerbe abgelehnt, informiert Nicolay. Das Land begründet dies auf „Paulinus“-Anfrage mit der finanziell angespannten Haushaltssituation. „Wir sehen selbstverständlich die große Bedeutung der Liebfrauenkirche als Teil der Welterbestätten in Trier, hatten aber damals aufgrund zahlreicher finanzieller Bindungen keine andere Möglichkeit“, erklärt Landeskonservator Dr. Markus Fritz-von Preuschen. 

Ein weiterer Problempunkt ist laut Nicolay, dass die Arbeit in der Pfarrei im Wesentlichen von Ehrenamtlichen getragen werde. Es sei nicht möglich, einer Einzelfrage so viel Aufmerksamkeit zu geben, wie es in diesem Fall nötig wäre. Eine zusätzliche Stelle müsse jedoch, wie auch ein Forschungsprojekt, finanziert werden. „Das ist so unabsehbar für uns, dass wir momentan sagen: Wir schaffen das nicht.“ Da es auch in anderen Kirchen der Pfarrei ungelöste Baustellen gebe, habe man entschieden, diese Frage hintenanzustellen. „Es ist nicht die schönste Lösung, aber mehr kriegen wir momentan nicht hin.“

Näheres

Restaurator DDr. Thomas Lutgen stellt am Donnerstag, 7. Mai, 19 Uhr, in der Dominformation die Ergebnisse der Restaurierung vor. Hier gibt es Näheres und die Möglichkeit zur Anmeldung.