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Enzyklika:Lob für leidenschaftlichen Appell aus Deutschland

Für viele hat der Papst mit der neuen Enzyklika den richtigen Ton getroffen.
Christopher Olah, Mitgründer der KI-Firma Anthropic, bei der Präsentation der Enzyklika von Papst Leo XIV.
Datum:
31. Mai 2026
Von:
Severina Bartonitschek und Johannes Senk

Zur Präsentation hatte der Vatikan einen führenden KI-Pionier geladen: Christopher Olah ist Mitgründer des kalifornischen KI-Unternehmens Anthropic und hat auf dem Markt, den der Papst in seiner Enzyklika kritisiert, Milliarden verdient. Der 33-jährige Tech-Pionier gab sich bei seinem Wortbeitrag selbstkritisch.

Jedes KI-Labor sei Anreizen ausgesetzt, die im Widerspruch zum ethisch Gebotenen stünden, so Olah. Darum brauche es Außenstehende, die Kritik üben und vor Risiken warnen. Der Kirche könne dabei eine wichtige Rolle zukommen, um den Blick auf die Herausforderungen zu lenken, die mit dem Fortschritt von Technologie einhergehen. Ihre Stimme werde etwa gebraucht, wenn es um drohende Arbeitsplatzverluste durch KI gehe.

Die Kirche in Deutschland nahm das Lehrschreiben mit großer Zustimmung auf. Es handle sich um „ein wegweisendes Dokument für die Menschlichkeit“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer. Leo XIV. habe Leitplanken für einen vernünftigen Umgang mit der KI aufgezeigt. Besonders würdigte der Hildesheimer Bischof den Vorstoß, für Digitalisierung und KI einen Ethikkodex zu schaffen, der auf sozialer Gerechtigkeit basiere. Es brauche eine international verbindliche rechtliche Ordnung: „Wir erleben auch in Deutschland, wie Algorithmen Quantität stärker belohnen als Qualität und Wahrhaftigkeit, wie in Zeiten polarisierter öffentlicher Debatten die Demokratie unter Druck gerät.“

Als „starkes Zeichen für eine Kirche, die die Herausforderungen der Gegenwart erkennt und sich konstruktiv einmischt“ würdigte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, die Enzyklika. Eine der stärksten Aussagen sei: „Wir können KI nicht als moralisch neutral betrachten.“ Der Deutsche Caritasverband sieht das Schreiben zuallererst als Friedensbotschaft. „Der Appell des Papstes ist unüberhörbar: Wir sind gefordert, den Ausbeutungs-Dynamiken entgegenzutreten und den Armen und Vulnerablen eine Stimme zu geben und ihre Perspektive ernstzunehmen“, erklärte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. „Es geht darum, eine Kultur und Räume menschlicher Begegnung zu erhalten.“

Auf https://kurzlinks.de/KIED gibt es die deutsche Übersetzung der Enzyklika.