Zum Inhalt springen

Katholikentag:In Austausch gekommen

Der Katholikentag in Würzburg hat eine Kirche zwischen Debatten und Hoffnung gezeigt. Tausende suchten Austausch, Glauben und Gemeinschaft – auch mit außerkirchlichen Akteuren.
Teilnehmer halten Katholikentags-Schals hoch beim Abschlussgottesdienst am 17. Mai in Würzburg.
Datum:
24. Mai 2026
Von:
Hannah Krewer

Das Christentreffen mit 74.000 Besucherinnen und Besuchern zeigt: Auch wenn die Kirche in der Gesellschaft an Bedeutung verliert, sind es noch immer viele, die dort ihren Glauben leben und den Austausch mit Gleichgesinnten suchen. In diese Richtung deutete auch das Leitwort des Katholikentags 2026. „Hab Mut, steh auf!“, sollte einem verbreiteten Gefühl von Ohnmacht etwas entgegensetzen, hieß es zuvor vielfach. Zahlreiche Themen wurden unter genau diesem Motto verhandelt. So warnten mehrere Bischöfe und Politiker vor Extremismus, Radikalisierung und Spaltung in der Gesellschaft. 

Bei allen Diskussionen wirkte die Stimmung der Besucher durchaus ermutigt und fröhlich – selbst dann, wenn mal wieder eine Halle überfüllt war und die Menschen umsonst in der langen Schlange gestanden hatten. Beim Katholikentag in Würzburg trafen Welten aufeinander. Zum einen zeigte sich etwa beim Besuch der Kirchenmeile am Mainufer das ganze Spektrum katholischen Lebens: Marienverehrer und Reformgruppen, Jugendkirchen und Senioreninitiativen, katholische Orden und christliche Reiseveranstalter – insgesamt rund 200 Gruppierungen und Verbände. Ergänzt durch nichtkirchliche und nichtchristliche Akteure.

Trotz Unterschieden gemeinsame Anliegen

In Würzburg trafen auch die innerkirchliche und die außerkirchliche Welt aufeinander. Viele Veranstaltungsorte lagen in der Innenstadt, Katholikentagsbesucher und Einkaufsbummel-Ausflügler liefen bunt durcheinander. Auf Podien sprachen auch Gäste, die weder kirchlich noch religiös geprägt sind. Gemeinsame Anliegen fanden sich trotzdem. So forderten etwa Würzburgs Bischof Franz Jung und Grünen-Politikerin Ricarda Lang, in der Politik mehr mit Menschen zu sprechen als über sie. Dies gelte besonders für vermeintlich schwache Gruppen. Lang nannte die Kirche dabei eine Verbündete – genau wie Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD), NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Klimaaktivistin Luisa Neubauer und andere Prominente aus Politik und Gesellschaft.

Auch über Reformen debattierte der Katholikentag, unter anderem mit Kardinal Mario Grech aus dem Vatikan, der für eine „Symphonie der Gemeinschaft“ in der Kirche warb. Er betonte, Synodalität dürfe nicht als Machtkampf oder bloße Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip verstanden werden, sondern als gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist.

Der Katholikentag bot neben allen Debatten viel Platz für spirituelle Formate – auch ungewöhnlicher Natur. Beim lauten Heavy-Metal-Gottesdienst etwa hielt es mehr als 400 Besucher kaum in der Kirchenbank – vom vierjährigen Kind bis zur über 90-Jährigen.

Spirituelle Angebote sorgten für überfüllte Säle

Nicht nur dort war spürbar, wie wichtig den Besuchern ihr Glaube ist und wie viele Menschen er trotz Kritik an der Kirche begeistert. Ob Taizé-Andacht oder Bibelgespräche mit Benediktinerpater Anselm Grün – zahlreiche spirituelle Angebote sorgten für überfüllte Kirchen und Säle und „Halle überfüllt“-Schilder lange vor dem eigentlichen Beginn.

Was bleibt? Abgesehen von Ermutigung und einer katholischen Selbstvergewisserung vielleicht die Erkenntnis, dass Katholiken- und Kirchentage noch immer ein Format sind, bei dem Kirche und Politik sowie Kirche und Gesellschaft in den Austausch kommen können. Das zeigt der Besuch der vielen Gäste aus Kirche und Gesellschaft – vom katholischen Bundeskanzler bis zum atheistischen Podcaster.