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Außerordentliches Konsistorium :Gewaltlosigkeit und Dialog

Zwei Tage haben die Kardinäle mit Leo XIV. über aktuelle Krisen der Welt und die Rolle der Kirche beraten. Das letzte Wort hatte der Papst, und das war streckenweise visionär.
Gottesdienst mit Papst Leo XIV. zur Eröffnung des außerordentlichen Konsistoriums am 26. Juni im Petersdom.
Datum:
5. Juli 2026
Von:
KNA

Papst Leo XIV. beendete das zweite außerordentliche Konsistorium seiner Amtszeit mit hoffnungsvollen Visionen für die Zukunft der Kirche. Vor mehr als 170 Kardinälen aus allen Erdteilen sagte der Papst am Abend des 27. Juni im Vatikan, angesichts von Kriegen und Konflikten könnten Christen dazu beitragen, die Spirale von Rache und Gewalt zu durchbrechen.

Krieg sei mehr als ein Konflikt zwischen Staaten, er entspringe einer Kultur der Macht. Dem müsse die Kirche eine Kultur des Dialogs und der Gewaltfreiheit entgegensetzen. Diese gelte es theologisch weiter zu vertiefen und zu entwickeln, sie entspreche dem Auftrag des Evangeliums. Die Kirche solle den gewaltsamen Konflikten nicht aus dem Weg gehen, dürfe aber die Logik der Gewalt nicht übernehmen. Gefragt sei eine „neue Kultur des Gemeinwohls“.

Die Kirche müsse immer mehr so werden wie die Botschaft, die sie verkünde. Auf dieser Basis könnten notwendige kirchliche Strukturreformen Früchte tragen. In einer von Polarisierung gezeichneten Welt werde auch die Art und Weise, wie die Kirche ihre Dialoge führe, Teil ihrer Verkündigung.

Kein Parlament und kein Kongress

Nach den Erfahrungen der letzten Beratungsrunden der Kardinäle werde der eigentliche Sinn der Konsistorien deutlicher. Sie seien „kein Parlament und kein Kongress, in dem Meinungen und Interessen sich durchsetzen“, sondern eine Erfahrung der Einheit im Dienst des gemeinsamen Auftrags. Dieser Stil müsse für die ganze Kirche gelten.

2027 werde er ein weiteres außerordentliches Konsistorium einberufen, das Datum stehe aber noch nicht fest. Der Papst betonte, es gehe darum, als Kirche einen neuen Stil des Zuhörens und der Entscheidungsfindung zu lernen.

Bei Synodalität gehe es nicht um die Frage, wer die Macht zur Entscheidung habe, so der Papst, sondern darum, wie die Kirche ihren von Jesus gegebenen Auftrag erfülle. Die Kardinäle rief Leo XIV. auf, den Weg synodaler Beratung und Entscheidungsfindung mit Überzeugung zu begleiten. Die Kirche solle in einer Weise wachsen, die dem Evangelium entspreche.

Zuvor hatten die Kardinäle am Nachmittag des 27. Juni über das synodale Beratungsprinzip diskutiert, das seit einigen Jahren in der katholischen Kirche verstärkt propagiert wird. In der Debatte wurde auch die Frage nach dem Sinn des langen und breiten synodalen Prozesses in der katholischen Kirche gestellt, der seit Jahren andauert und von manchen als beschwerlich und umständlich empfunden wird.

Nachdenken über tiefe Risse der Gegenwart

Beim Konsistorium dominierte offenbar eine kulturpessimistische Sicht der Kardinäle auf die Gegenwart – verbunden mit der Hoffnung auf eine neue, konstruktive Rolle der Christen. Dies ging aus einem am 27. Juni vom vatikanischen Presseamt verbreiteten Zwischenbericht hervor. Demnach stand auch in der dritten von vier Beratungsrunden bei den etwa 180 im Vatikan versammelten Kardinälen das „Nachdenken über eine Deutung der tiefen Risse unserer Zeit“ im Vordergrund.

Überwiegend kritisch fiel auch die Beschreibung der Folgen Künstlicher Intelligenz aus. Sie wurde von den Kardinälen als „Herausforderung“ an das christliche Menschenbild benannt. Dieses setze voraus, dass Lebewesen beim Namen genannt und nicht auf Zahlen oder statistische Häufigkeiten reduziert werden.
Grundlage der Debatten war die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV., die am Pfingstmontag vorgestellt worden war.