Leserreise:Im farbenfrohen Land der vier Meere

Stein gewordene Zeugen einer bewegten Geschichte, verknüpft mit den Namen bedeutender Herrscher und bekannter Heiliger, besonders intensiv leuchtendes Weiß, Gelb, Blau und Grün sowie typische Gerüche und Geschmacksrichtungen – diese Eindrücke dürften den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „Paulinus“-Leserreise nach Apulien besonders nachhaltig vor Augen bleiben. Das Land wirkt wie ein großes Geschichtsbuch und ist dabei aktuell so lebendig, anregend und farbenfroh.
Zunächst empfangen allerdings ein himmlisches Mausgrau und kühler Wind die Gäste aus dem Bistum Trier, die in aller Frühe von Luxemburg in den Süden Italiens gestartet sind. Umso herzlicher fällt der Empfang durch Reiseleiterin Grazia D’Alessandro aus. Temperamentvoll, kompetent und anschaulich vermittelt sie umfangreiches Wissen und vor allem ihre innige Liebe zu den Orten und Menschen, den Besonderheiten und Köstlichkeiten des östlichsten Teils Italiens.
Eine originelle Art der Steuereinsparung
400 Kilometer lang und im nördlichen Teil gerade mal 80 Kilometer breit ist Apulien mit seinen sechs Provinzen. Unter einer großen Vielzahl von Highlights sind die lustigen Trulli ein Magnet für Touristen und – wie die Gruppe live erleben konnte – für Filmteams aus aller Welt.
1400 der weiß-schwarzen Zipfelmützenhäuser prägen das Stadtbild von Alberobello und erzählen von Einfallsreichtum beim Steuersparen: Um keine Abgaben an die Regierung zahlen zu müssen, errichteten die Bewohner ab dem 17. Jahrhundert runde Steinhütten in Trockenbauweise. Die waren flugs ab- und später wieder aufgebaut. Heute sind sie feststehend, leuchten strahlend weiß, sind oft innen zu besichtigen, werden als Ferienwohnungen oder Geschäftshäuser genutzt.
Sporn und Absatz Italiens in ihrer ganzen Vielfalt
Reiseveranstalter Lloyd-Reisen Bremerhaven hat alles getan, den Gästen die ganze Vielfalt von Stiefel-Sporn und -Absatz vorzustellen. Durch verwinkelte Gassen, über denen typischerweise meist Wäsche im Wind flattert, begeistern die Städte Trani und Ostuni, Otranto und Bitonto. Auch Gegensätze werden sichtbar: Während die griechische Gründung Taranto gerade erst touristisch erschlossen wird, leuchtet das völlig zu Recht als das „Florenz des Südens“ bezeichnete Lecce mit seinem berühmten Kalkstein besonders strahlend weiß.
Weiße Häuserfronten umrahmt vom leuchtenden Blau von Himmel und Meer – und dazu das vielstimmige „Volare“, mit dem die Gruppe in Polignano a Mare Einzug hält. Eines der wohl bekanntesten Lieder Italiens hat Domenico Modugno, Sohn der Stadt, zu Weltruhm geführt.
Und dann dieses Castel del Monte. Rund 800 Jahre nach seiner Erbauung durch Stauferkönig Friedrich II. hat es nichts von seiner Wirkung verloren. „Diese mittelalterliche Burganlage fasziniert mich schon lange, und ich wollte immer mal hin“, sagt Karl-Heinz Ley-Lorig begeistert.
Die an und auf Bergkuppen errichteten Städte hinterlassen bei Dr. Norbert Schöndorf besondere Eindrücke. Angesichts dieser Städte mit ihren alten Kirchen und gewaltigen Kathedralen werde man „als Menschlein sehr demütig“, formuliert Luzia Harr. Ein Gefühl, das auch für die Castallana-Grotte zutrifft. Kein Wunder, dass sich erste Entdecker im tiefst gelegenen Teil der fast hundert Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhlen in der Hölle wähnten. Heute faszinieren in bestens erschlossenen Gängen Formen und Farben der zahllosen Stalaktiten und Stalagmiten.
Apulien sei das „Land der vier Meere“, informiert Grazia und ergänzt die bekannte Liste von Mittelmeer, Adria und Golf von Tarent um „das Meer der Olivenbäume“. Das leuchtende Grün oft mehrere hundert Jahre alter Bäume ist eine der Farben, die auf den Wegen begleiten. Umso erschreckender der Blick auf dürre, grau-grüne und offensichtlich schwer geschädigte Olivenhaine im Süden des Landes. Das Bakterium Xylella vernichtet seit rund zehn Jahren 22 Millionen Bäume und die Existenzen von Olivenbauern.
In eindrucksvollen Kathedralen feiert die Gruppe Gottesdienste, den letzten am Grab des heiligen Nikolaus in Bari. „Von ihm können wir uns inspirieren lassen, den Osterglauben in Wort und Tat, besonders in Taten der Nächstenliebe zu leben“, lädt Dr. Volker Malburg, geistlicher Begleiter der Reise, ein. „Die seltene Gelegenheit, an diesem Ort Messe feiern zu können, ist für mich Höhepunkt der an Eindrücken reichen Leserreise“, fasst Malburg zusammen, was alle empfinden.