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Service:Den Schulweg üben

Sicher zur Schule und zurück kommen – das ist keine Selbstverständlichkeit. Kinder fühlen sich vom Straßenverkehr oft überfordert – erst recht, wenn sie mit dem Fahrrad fahren. Was Eltern und Lehrer tun können.
Ein Kind mir gelbem Rucksack fährt Fahrrad, davor geht eine Frau
Datum:
4. Aug. 2026
Von:
Angelika Prauß

Nach den Sommerferien beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt – egal, ob sie in die Grund- oder weiterführende Schule kommen. Der Schulweg kann dabei zur Herausforderung werden. Denn der Straßenverkehr wird immer dichter und komplexer.  

Laut ADAC-Stiftung ist vor allem der Weg zur Schule bei den 6- bis 14-Jährigen mit Risiken verbunden, wie eine Umfrage unter Lehrkräften im Frühjahr ergab. Im Jahr 2024 verunglückten dem nach 27.260 Kinder dieser Altersgruppe im Straßenverkehr; 13 Prozent der Unfälle passierten zwischen 7 und 8 Uhr morgens.  

Zeit für Mobilitätsausbildung 

Leise E-Fahrzeuge, auf Gehwegen parkende Paketwagen, eilige Radfahrer – schon Erwachsene müssen sich auf der Straße konzentrieren. Kinder können damit erst recht überfordert sein und finden sich oft nur unzureichend zurecht. Fast jedes zweite Kind (47 Prozent) leidet laut der Umfrage unter erheblichen Aufmerksamkeitsdefiziten im Straßenverkehr. Vor allem Grundschüler hätten Probleme, etwa Entfernungen einzuschätzen und Gefahren zu erkennen.   

Ein Grund, warum beispielsweise Martin Jennes für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Fahrradkurse in Bonner Grundschulen anbietet: Die Kinder werden spielerisch an das Rad fahren herangeführt. 13 Unterrichtsstunden sind dafür laut Lehrplan für Viertklässler vorgesehen – rechtzeitig, bevor sie dann nach dem Sommer an eine andere Schule wechseln. 

Es gilt, nicht den schnellsten, sondern den sichersten Weg zu finden, damit die Kinder sicher zur Schule kommen. 

Martin Jennes, ADFC

Durch das Training entwickeln sie Routinen, die sicheres Verhalten im Straßenverkehr ermöglichen. Es sei aber ein Irrtum von Eltern zu glauben, dass die Kinder nach der bewerteten Abschlussfahrt nun fit für den Straßenverkehr seien. Deshalb sieht der Experte auch die Eltern in der Pflicht. Sie sollten schon in den Schulferien morgens mit den Kindern zur neuen Schule radeln, mögliche Gefahrenstellen analysieren und alternative Routen suchen. Es gilt, nicht den schnellsten, sondern den sichersten Weg zu finden, damit die Kinder sicher zur Schule kommen.“ 

Ohnehin haben Kinder laut Jennes „eine andere visuelle Wahrnehmung“. Eigentlich klar, denn: „Sie sind viel kleiner.“ Auch könnten sie bestimmte Reize noch nicht einsortieren – etwa, ob ein Auto von links oder rechts kommt, oder unbekannte Verkehrsgeräusche. Dies führe vor allem bei Anfängern schnell zu einer Reizüberflutung. Lehrkräfte wünschen sich deshalb auch in weiterführenden Schulen mindestens fünf weitere Unterrichtsstunden pro Jahr für Mobilitätsbildung.  

Gefahren in den Blick nehmen  

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Bonn-Beuel wurde 2024 als fahrradfreundlichste Schule Deutschlands ausgezeichnet. Es gibt dort unter anderem den Arbeitskreis Schulweg, der mögliche Gefahren in den Blick nimmt – aktuell ist es die Änderung der Verkehrsführung durch einen umgeleiteten Radweg. Solche Änderungen können Heranwachsenden Probleme bereiten, „wenn die gewohnten Routinen nicht mehr da sind“, beobachtet der IGS-Mobilitätsbeauftragte Thomas Jänen. Die neuen Fünftklässler lernen ihren Schulweg gleich zu Schuljahresbeginn bei einer Theorie- und Praxisschulung kennen. Sie absolvieren dabei auch einen Radparcours mit dem ADFC-Experten Jennes. Für ihn ist diese Schule eines der wenigen Beispiele, „wo die Kinder für das Fahrradfahren gut geschult werden“.