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Donald Trump:Beispielloser Tabubruch

Donald Trump glaubt, das Oberhaupt der Katholiken abkanzeln zu können – und verbreitet ein Bild, das ihn selbst als Heiland zeigt. Diese Vermessenheit könnte ihn Rückhalt unter seinen Wählern kosten.
Leo XIV. auf dem Flug nach Algerien vor Journalisten,
Datum:
19. Apr. 2026
Von:
Bernd Tenhage

Ein Bild kann mehr sagen als tausend Worte. So auch die mit Künstlicher Intelligenz generierte Darstellung des US-Präsidenten, die Donald Trump nach seinen Tiraden gegen Papst Leo XIV. kommentarlos auf Truth Social veröffentlichte. Die KI-Montage zeigt Trump in weiß-roten Gewändern als göttlichen Heiler der Nation. Seine Hände strahlen gleißendes Licht aus. Die rechte Hand berührt die Stirn eines Mannes, der in einem Krankenhausbett liegt. Um das Bett herum sind Figuren zu sehen, die ehrfürchtig zu Trump aufblicken. Im Hintergrund ragt die Freiheitsstatue auf. Kampfjets durchschneiden den Himmel, Weißkopf-Seeadler schweben darüber; Feuerwerk explodiert vor einer wehenden US-Flagge.

Trump postete das Bild keine Stunde, nachdem er Papst Leo XIV. als „schwach bei der Kriminalitätsbekämpfung“ und „furchtbar in der Außenpolitik“ attackiert hatte. Später legte er nach und erklärte: „Ich bin kein Fan von Papst Leo.“ Der aus den USA stammende Leo XIV. hatte sich in den vergangenen Wochen immer eindringlicher gegen den Iran-Krieg ausgesprochen – zuletzt mit einem lautstarken Protest gegen Trumps Drohung, im Iran eine ganze Zivilisation auszulöschen. „Das ist wahrhaftig nicht hinnehmbar“, erklärte der Papst.

Trump: KI generiertes Bild von sich im Papstgewand

In seinem langen Post auf Truth Social am 12. April schrieb Trump unter anderem, er wolle keinen Papst, „der denkt, es sei in Ordnung, dass der Iran Atomwaffen besitzt“. 

Leo XIV. übte im ersten Jahr seiner Amtszeit Zurückhaltung gegenüber einem US-Präsidenten, dem 55 Prozent der US-Katholiken 2024 ihre Stimme gegeben hatten. Das änderte sich mit der Militäraktion in Venezuela und dem US-Angriffskrieg gegen den Iran. Eine Woche nach der Entführung Nicolas Maduros warnte der Papst in einer Rede vor Diplomaten im Vatikan, dass sich „ein Eifer für den Krieg ausbreite“ – und dass die Norm, die es Nationen verbiete, mit Gewalt die Grenzen anderer zu verletzen, „vollständig untergraben“ werde.

In den Tagen um Ostern beklagte der Papst, wie die christliche Mission durch den Wunsch verzerrt worden sei, andere zu dominieren: „Das ist dem Weg Jesu Christi völlig fremd.“ Bei einem Friedensgebet im Petersdom am 11. April warnte er vor einem Allmachtswahn, der „zunehmend unberechenbar und aggressiv“ werde.

Die Kritik des Papstes verfehlte ihre Wirkung nicht. Verstärkt wurde sie durch drei US-Kardinäle, die im CBS-Programm „60 Minutes“  den Iran-Krieg verurteilten. Washingtons Kardinal Robert McElroy erinnerte daran, dass es sich nach katholischer Lehre nicht um einen gerechten Krieg handele: „Dies ist ein Krieg der Wahl.“

Leo XIV. selbst widersprach dem Versuch, die christliche Botschaft zu instrumentalisieren. Gott höre nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen, sagte er am Palmsonntag und zitierte den alttestamentlichen Propheten Jesaja: „Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut.“

„Herabsetzende Worte über den Heiligen Vater“

Die Reaktionen in den USA auf Trumps Blasphemie fielen scharf aus. Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, erklärte, er sei „bestürzt, dass der Präsident solch herabsetzende Worte über den Heiligen Vater gewählt hat“. Leo XIV. selbst sagte am 12. April auf dem Flug zu Beginn einer Afrika-Reise, er habe „keine Angst vor der Trump-Regierung oder davor, laut die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Denn genau dafür bin ich hier.“ Er wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen.