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Kirchenbauwerke:Wiener Baumeister in der Provinz

Die Bauten des Architekten Clemens Holzmeister zeichnen sich durch räumliche Klarheit und Einfachheit der Formen aus. In Brotdorf und Merchingen stehen zwei Kirchen von ihm, deren Bedeutung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei einer Führung hervorgehoben hat.
Außenansicht des Gotteshauses in Brotdorf
Datum:
19. Sept. 2026
Von:
Ruth Müller

Merzig. Welche Verbindung besteht zwischen den Kirchen der Stadtdörfer Brotdorf und Merchingen, moderner Sakralarchitektur und Weltstar Curd Jürgens? Die überraschende Antwort: Prof. Clemens Holzmeister. Der österreichische Architekt (1886–1983) war der Schwiegervater des Schauspielers, vor allem aber einer der prägenden Kirchenbaumeister seiner Zeit. Holzmeister verstand es, Gotteshäuser so zu konzipieren, dass sie „im Dorf bleiben“ – eingebettet in ihre Umgebung, modern und dennoch vertraut im Ausdruck. Seine weltweiten (Sakral-)Bauten zeichnen sich darüber hinaus durch räumliche Klarheit und eine Einfachheit der Formen aus.
Auch St. Agatha (1928) in Merchingen und St. Maria Magdalena (1932) in Brotdorf gehören zu den eindrucksvollen Beispielen seiner Architektur. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) lud im August unter dem Motto „Zwischen Tradition und Moderne“ in beide Gotteshäuser ein. Zum Auftakt führte Prof. Markus Otto, Leiter und Ortskurator der DSD in Saarbrücken, in die Arbeit der Stiftung ein, und Regine Eichholz, die ebenfalss dem Ortskuratorium angehört, stellte die spannende Biografie Holzmeisters vor. 

In Merchingen übernahm Willibald Wächter, Vorsitzender des Clemens-Holzmeister-Kreises, die Führung, in Brotdorf Küster Hermann Josef Heinz. Beide erläuterten architektonische Konzepte, die Baugeschichte sowie die denkmalpflegerische Bedeutung der beiden Kirchen. Wer beide Führungen besuchte, merkte schnell: Die Bauwerke sind Geschwister, jedoch längst keine Zwillinge. Die Frage, wie Holzmeister – der etwa bedeutende Häuser wie das Große Festspielhaus in Salzburg oder das Krematorium in Wien entwarf – an Aufträge für zwei Dorfkirchen im Saarland kam, wurde ebenfalls beantwortet. Der Wiener hatte das seinem Halbbruder zu verdanken, der in Hermeskeil lebte und Verbindungen zum damaligen Brotdorfer Pfarrer hatte. Für Brotdorf war zunächst ein anderer Architekt aus Mainz vorgesehen.

In Merchingen entstand ein Neubau. Holzmeister wollte ein Gebäude schaffen, das sich ins Dorf einfügt, es prägt und doch dessen Schlichtheit bewahrt. Ein zentrales Element ist die Lichtführung: Durch die Gestaltung zieht das Licht den Blick zum Altar.

In Brotdorf fand Holzmeister eine andere Situation vor. Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert sollte weiterbestehen, aber erweitert werden, da die Bevölkerung stark gewachsen war. Holzmeister integrierte daher Apsis und Westturm in den Neubau. Das frühere Kirchenschiff wurde zum Chorraum, während ein neuer Gemeinderaum entstand. Besonders gelang ihm der Kontrast zwischen den verputzten Resten des alten Baus und dem unverputzten Kalksandstein des Neubaus. 

Innehalten beim Übergang vom Alltag in das Sakrale

Auch in Brotdorf spielt Licht eine zentrale Rolle: Es fällt durch einen Schacht auf den erhöhten Altar, sodass die unbeleuchtete Restkirche im mystischen Dunkel bleibt. Der Eingang ist verwinkelt gestaltet, damit der Übergang vom Alltag in den sakralen Raum als Wendung und Moment des Innehaltens erlebt wird. 
Trotz der Unterschiede tragen beide Kirchen Holzmeisters unverkennbare Handschrift. Er dachte Architektur vom Gottesdienst und Menschen her. Licht, Raum und die Konzentration auf den Altar sind die zentralen Elemente.

Holzmeister, ein enger Freund von Filmstar Luis Trenker, war im Sakralbau ein Großer. Seine Kirchen zeigen, was ihn auszeichnete: die Fähigkeit, Tradition und Moderne so zu verbinden, dass daraus Orte entstehen, die bis heute weltweit Kirchenbesucher berühren.