Düfte:Verbindung zwischen Heil- und Duftkraft

Die Naturapotheke der heiligen Hildegard von Bingen ist legendär. Ihre Rezepturen begründen die sanfte Medizin und tragen dazu bei, die Selbstheilungskräfte in uns zu wecken, zu bündeln und neu zu orientieren.
Als Apotheker mit ausgeprägter naturheilkundlicher Ausrichtung kennt Georg Schmitz-Remy die in den Pflanzen schlummernden Geheimnisse der Natur und ist davon überzeugt, dass auch deren Düfte eine stille Kraft in sich bergen, die dem Menschen von Nutzen sein kann. Über eine lange Zeit hat er zu diesem Thema geforscht. Seine Ergebnisse finden sich nun in dem Buch „Die stille Kraft der Düfte – Von Heilpflanzen, Erinnerungen und der Sprache der Aromen“, das soeben neu erschienen ist.
„Es gibt Düfte, die uns ein Leben lang begleiten“, ist sich der Autor sicher. Manchmal genüge ein einziger Atemzug, „und längst vergessene Erinnerungen sind wieder lebendig“. Als Beispiel verweist er auf den warmen Duft von Vanille, der an unbeschwerte Kindheitstage erinnere. Ihn habe interessiert, „wie Düfte und Aromen Menschen berühren: so wie Zimt Erinnerungen an Weihnachten und Kindheit wachruft; wie Lavendel, Weihrauch, Rose oder Orange innere Räume öffnen; wie Gewürze, ätherische Öle und Heilpflanzen uns helfen können, achtsamer, sinnlicher und dankbarer wahrzunehmen“, sagt der in Billerbeck lebende Autor mit Trierer Wurzeln. Sein christlicher Glaube stehe dabei nicht als Thema im Vordergrund – „aber er prägt meine Haltung: Ehrfurcht vor der Schöpfung, Dankbarkeit für die Sinne und Respekt vor der Heilkraft der Natur“.
Dieser Respekt erschließt sich den Leserinnen und Lesern bei der Lektüre des Buches, das die Verbindung zwischen Heilkraft und Duftkraft, Wirkstoff und Wohlgefühl, Naturheilkunde und Sinnlichkeit aufzeigen will. „Die Chemie kann Düfte komponieren – doch die Melodie schreibt die Natur“, befindet der Autor. Schmitz-Remy ist sich sicher: „Düfte und Gewürze tun etwas, was Tabletten und Tinkturen nicht können: Sie sprechen direkt mit unserem limbischen System. Bevor wir überhaupt denken können ‚Das riecht gut!‘ hat unser Körper bereits entschieden, ob uns ein Duft beruhigt, erregt, verzaubert, warnt oder sogar abschreckt.“
Der Autor nimmt seine Leser mit auf einen globalen Exkurs durch die Welt der Düfte, dringt ein in ihre Symbolik und lässt dabei natürlich auch nicht ihre pharmazeutische Wirkung außer Acht. Ein eigenes Kapitel widmet sich Duft-Ritualen für den Alltag, die dabei helfen sollen, die Welt der Düfte zu verstehen, sie gezielt anzuwenden und als stille Begleiter in den Tag zu integrieren.
Ein lesenswertes und hochinformatives Buch, das auf 196 Seiten genügend Lesestoff für ruhige und besinnliche Momente bereithält.