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Papst Leo XIV.:Was die Erkrankung aussagt

Im Nachhinein erscheinen die sechs Tage von der Ankündigung der Lungen-OP des Papstes über die Krebs-Diagnose bis zu seiner frühen Rückkehr in den Vatikan wie ein Fiebertraum.
Papst Leo XIV. und der Arzt Stefano Margaritora
Datum:
25. Okt. 2026
Von:
Sabine Kleyboldt

Sein Umgang mit dieser Ausnahmesituation offenbart einiges über Robert Francis Prevost, seit 8. Mai 2025 Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden Katholiken. Nicht nur, dass er seine Operation vor Tausenden beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz ankündigte, ist ein Novum in der Krankengeschichte der Stellvertreter Christi auf Erden. Darin spiegelt sich die gelassene Rationalität des studierten Mathematikers, gepaart mit dem Gottvertrauen des Priesters, der seit fast 50 Jahren Augustinermönch ist.

Auch seine Einlieferung ins Krankenhaus gestaltete er mit maximaler Transparenz: Vor den Augen Hunderter Menschen schritt er lächelnd und winkend über den Haupteingang in die Klinik. Und genauso hielt er es bei seiner Entlassung. Viele Patienten im Rollstuhl oder mit Infusionsständern warteten im Vorraum; er nahm sich Zeit, mit einigen zu sprechen und Hände zu schütteln. 

Das, was über ihn aus dem streng bewachten Klinikbereich nach außen drang, rundet das Bild ab. Anders als Leos Vorgänger Franziskus sei der gebürtige Chicagoer ein folgsamer Patient, so sein Freund, der Augustiner Alejandro Moral Anton. Von seinen Ärzten war zu hören, der Papst lasse sich Diagnosen und Therapien detailliert und ohne Tabus erklären, bringe Interesse und eine gewisse technische Sachkenntnis mit. 

„Papst Leo war ein idealer Patient“

Geradezu ins Schwärmen über den päpstlichen Patienten gerät sein Thorax-Chirurg Stefano Margaritora. Ihm kam es zu, zum ersten Mal einem Papst einen bösartigen Tumor zu entfernen. „Der Papst hat sich im Rahmen seiner postoperativen Genesung mit Leib und Seele eingesetzt, wie es die motiviertesten Menschen nach solchen Operationen tun“, sagte er Vatikanmedien. Leo habe ein enormes Charisma, sei ein sehr bescheidener und fröhlicher Mensch, „immer gelassen, immer lächelnd, kaum Klagen angesichts von Schmerzen, die ein Mensch trotz aller Maßnahmen sicherlich empfindet“. Sein Fazit: „Papst Leo war ein idealer Patient. Er ist wieder auf die Beine gekommen und hat immer sogar ein bisschen mehr getan, als von ihm verlangt wurde.“

Genau das erweckte bei manchen jedoch eine gewisse Skepsis. Schon ab dem Tag nach seiner OP begann Leo wieder zu arbeiten, stand am Altar, traf Personalentscheidungen und forderte in einem persönlichen Telefonat mit Putin einen Waffenstillstand für die Ukraine. Handelt es sich hier um „Aktionismus“? 

Wie auch immer es nun weitergeht mit dem Kirchenoberhaupt, die neue Situation verändert vieles. „Ich glaube, dass die Krebserkrankung des Papstes weiter dazu beiträgt, dass der Papst stärker als Mensch als als Institution wahrgenommen wird“, sagte der Religionspsychologe Lars Allolio-Näcke der KNA. Diese Entwicklung habe schon Benedikt XVI. (2005–2013) angestoßen, als er vorzeitig vom Amt zurücktrat. „Das ermöglicht auch nicht-konfessionellen Menschen, an der Krankheit des Papstes teilzuhaben und Anteil zu nehmen.“ Dafür sprechen Genesungswünsche aus aller Welt; selbst von US-Präsident Donald Trump, der erklärtermaßen kein Fan seines Landsmanns Leo ist.

Bei Mittagsgebet regelrecht gefeiert

Wie beliebt der Papst ohnehin schon ist, zeigte sich nicht nur bei seinem ersten Mittagsgebet auf dem Petersplatz, wo er regelrecht gefeiert wurde. Der Mann, dem insbesondere bei seinen Auslandsreisen in den Libanon und vier Länder Afrikas, in Monaco, San Marino, Spanien und zuletzt Frankreich regelrecht die Herzen zuflogen, wirkt zugewandt, menschlich und nahbar. Das könnte sich nun auch bald in Südamerika zeigen.