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Taizé-Gebet:Gesang aus zwei Welten

Eine besondere Kombination: In der Kirche St. Josef in Riegelsberg haben die Chöre der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken und der Pfarrei gemeinsam gesungen und ein Taizé-Gebet gestaltet. Für die Gefangenen ging es an diesem Tag aber nicht nur um Musik.
JVA-Leiter Pascal Jenal, die ehemalige Chorleiterin Carmen Folz und der neue Chorleiter Jürgen Ringle (von links).
Datum:
24. Okt. 2026
Von:
Maximilian Fischer

Riegelsberg. Für ein Eis ist noch etwas Zeit. Kurz vor der Generalprobe hat sich der Chor der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken an einem warmen Herbsttag eine Abkühlung besorgt, dann trudeln die Gefangenen nach und nach in der Kirche St. Josef in Riegelsberg ein, um sich für ihr bald beginnendes Taizé-Gebet „einzusingen“. Insgesamt acht Lieder hat die Schola der JVA für die Veranstaltung, die die Frage nach Versöhnung und Hoffnung aufgreift, vorbereitet. Die Insassen singen aber nicht allein, sondern gemeinsam mit der Schola der Pfarrei, die gemeinsam mit der Chorleiterin Carmen Folz gerade schon ein paar Stücke geübt hat.

Folz ist schon seit Jahren die treibende Kraft hinter dem Chor der JVA, rief ihn im Jahr 2021 in ihrer damaligen Funktion als Gefängnisseelsorgerin sogar ins Leben und profitierte dabei von ihrem Hintergrund als gelernte Musikpädagogin. Mehrmals im Monat trifft sich seitdem eine feste Gruppe in der JVA zum gemeinsamen Singen. Prinzipiell kann jeder mitmachen, aber nicht jeder kann einfach so an Veranstaltungen wie dem Taizé-Gebet außerhalb der Gefängnismauern teilnehmen. „Da spielen beispielsweise Faktoren wie der Vollzugsstatus, die Schwere des Deliktes oder das Einhalten von bestimmten Vorgaben eine Rolle“, berichtet Folz. Zuvor wurde ein Antrag zur Teilnahme gestellt. „Gefangene dürfen nur zu bestimmten Zeiten raus und müssen auch wieder zu festen Zeiten zurück.“

Musik kann durch schwierige Zeiten tragen

Einige der anwesenden Insassen kennt Folz schon lange und musste sie damals zum Mitmachen im Chor nicht groß motivieren. Matthias D. ist von Anfang an dabei. Der frühere Messdiener ist seit 2020 in der JVA, spielt Gitarre und hatte vor dem Chor sogar eine Zweier-Band mit einem Mitgefangenen. Musik spielt für ihn eine große Rolle. Rico E., der eigentlich aus Thüringen kommt, hat laut eigenen Angaben dagegen zuletzt im Musikunterricht gesungen. Nach seiner Ankunft in der JVA im Jahr 2022 landet er aber dank Matthias schnell im Chor. Auch um etwas Abwechslung im Gefängnisalltag zu haben, wie er sagt. „Musik kann jemanden im Gefängnis durch schwierige Zeiten bringen“, erklärt Carmen Folz. Der Chor sei zudem auch ein Ort, an dem Leute nicht verurteilt werden. Das sehen auch Matthias und Rico so. Für beide, die voraussichtlich im kommenden Jahr aus dem Gefängnis entlassen werden, ist das heutige Taizé-Gebet aber nicht nur aufgrund der Musik ein besonderes Ereignis. Allein die Zeit in Freiheit kann beflügeln.

„Jede Minute draußen fühlt sich wie eine Stunde an“, erzählt Matthias lächelnd. Und Rico freut sich, seine Freundin in der Kirche sehen zu können: „Das ist etwas ganz anderes als in der JVA.“ Viele Angehörige sind zu dem Gebet nach Riegelsberg gekommen. Freunde, Familie, Bekannte und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt. Gemeinsam singen sie, bis es in der Kirche langsam dunkel wird und gar nicht mehr klar ist, woher all die Stimmen kommen und von wem. Nur das Licht von zahlreichen angezündeten Kerzen erleuchtet ab und an die Gesichter.

Glücklicherweise Nachfolger gefunden

Nach dem letzten Lied „Bleibet hier und wachet mit mir“ gehen die Lichter in der Kirche wieder an. Für Carmen Folz ist die gelungene Premiere des Taizé-Gebets gleichzeitig ein Abschied. Seit dem ersten Juni ist sie in Vollzeit die katholische Polizeiseelsorgerin für das Saarland. Zuvor wechselte die Seelsorgerin zwischen den Arbeitsplätzen bei der Polizei und der Justizvollzugsanstalt noch hin und her. Dass der Verlust die Gefangenen und Mitarbeitenden der JVA schmerzt, merkt man vor allem bei der Verabschiedung am Ende der Veranstaltung. Zum Glück bedeutet der Weggang von Carmen Folz aber nicht das Ende der Schola. Mit Jürgen Ringle wurde für die Betreuung des Chores schon ein Nachfolger gefunden, der an diesem Abend ebenfalls vor Ort ist. Als eine schon fast „göttliche Fügung“ bezeichneten die Beteiligten rund um JVA-Leiter Pascal Jenal das Auftauchen von Ringle. Der hatte sich nämlich nur zufällig genau in dem Zeitraum gemeldet, in dem der Weggang von Folz klar war. Der Chor der JVA kann also in Zukunft weiter singen und besondere Momente der Verständigung schaffen.