Geschäftsführer des Caritasverbands Westeifel:Spaß daran, Dinge zu gestalten

Seit 1993 ist Winfried Wülferath Geschäftsführer des Caritasverbands Westeifel. Herausforderungen gab es in dieser Zeit genug. Als sich zum Beispiel in der ländlichen Eifel 2010 Schwierigkeiten abzeichneten, Pflegefachkräfte für die Caritas-Sozialstationen zu finden, machte er Personalentwicklung zur Chefsache – das war für das Gelingen des Projekts entscheidend. Als Wülferath 1993 seine Arbeit bei der Caritas aufnahm, war er für 60 Leute verantwortlich, heute sind es über 600.
In seiner Freizeit engagiert sich Wülferath in der Kommunalpolitik und zählt in der CDU zu den prägenden Gerolsteiner Kommunalpolitikern. Als Mitglied des Stadtrats sowie als Vorsitzender und Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion gestaltete er die Lokalpolitik. Im März wurde Wülferath mit 75,8 Prozent der Stimmen zum Stadtbürgermeister von Gerolstein gewählt. Im April trat er das Amt an und übernahm neben seiner beruflichen Aufgabe die Leitung der Stadt.
Wülferath weiß um die wachsende Politikverdrossenheit, in der er zunehmend eine Gegenbewegung gegen die Komplexität der Gesellschaft sieht. Umso wichtiger ist ihm, dass man dem entgegenwirkt. Stadtbürgermeister sein heißt auch, nah am Menschen zu sein. Was wiederum Zeit erfordert. Wie geht das bei einer Vollzeit-Beschäftigung?
70 Prozent Caritas, 50 Prozent Stadt
In seinem Fall schuf eine Neuorganisation des Caritasverbandes die Möglichkeit dazu. „Wenn ich nächstes Jahr ausscheide, übernehmen meine beiden Stellvertreterinnen mein Amt. Womit eine Stelle eingespart wird.“ Wülferath räumt ein, dass bis dahin noch ein knappes Jahr überbrückt werden muss. „Für diese Zeit musste ich halt meine Arbeitszeit reduzieren“. Auf die Frage, in welchem Maße er bis dahin seine Arbeitskraft splittet, antwortet er mit einem Lächeln: „70 Prozent Caritas, 50 Prozent Stadtbürgermeister.“
Ja, auch er habe wie seine Vorgängerin den ehrenamtlichen Zeitaufwand unterschätzt, gesteht er freimütig. Trotzdem will er noch einige Dinge zu Ende bringen, die er als Caritasdirektor angeschoben habe: „Das sind vor allem zwei große Bauprojekte, eines in Bitburg und eines in Daun.“
Bauprojekte werden ihn auch in seiner Aufgabe als Stadtbürgermeister begleiten. Das zentrale Projekt in Gerolstein ist der Neubau der Hochbrücke, über die die Bundesstraße 410 führt. Aber auch sonst ist bei Wülferath keine Langeweile angesagt. Denn als Stadtbürgermeister ist er für rund 100 Beschäftigte verantwortlich.
Wenn der scheidende Caritasdirektor ab dem 1. Juli 2027 seine Arbeitskraft ausschließlich auf das Amt des Stadtbürgermeisters fokussiert, befindet er sich im Rentenalter. Seine restliche Amtszeit beträgt dann noch knapp vier Jahre. Als Caritasdirektor hat er in seiner Amtszeit Einfluss auf die Verbesserung und Bewahrung der sozialen Lebensbedingungen in Gerolstein genommen. Als Stadtbürgermeister wird er davon profitieren – nicht zuletzt aufgrund seiner persönlichen Kontakte zu den Entscheidungsträgern. Er habe noch Spaß daran, Dinge zu gestalten und zu entwickeln. „Wenn die Wähler das dann auch so sehen, dann können wir das noch ein bisschen machen.“
Politikentscheidung trägt Ehefrau mit
Bleibt abschließend die Frage, wie seine Frau auf seine Entscheidung reagiert hat. Das sei keine einsame Entscheidung gewesen, kommt die Antwort mit einem Lächeln. Zudem sei seine Gattin selbst noch einige Jahre berufstätig. Und wisse als aktive Kirchenmusikerin zudem auch die repräsentativen Termine wie Konzertbesuche zu schätzen.