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Papstreise:Schöne Bilder, klare Worte

Während die EU ein neues Asylsystem in Kraft setzt, verneigt sich der Papst auf den Kanaren vor der Würde von Migranten. Auch dieses Thema seiner Spanienreise geht er differenziert an – und beeindruckt.
Ein Kleinkind auf dem Arm der Mutter und der Papst
Datum:
21. Juni 2026
Von:
Sabine Kleyboldt

Leicht befangen stehen die jungen Afrikaner vor ihren einheitlich bezogenen Stockbetten. Einer nach dem andern reicht dem Papst die Hand. Der lächelt jeden kurz an, während er durch das Zelt des Zentrums „Las Raíces“ auf Teneriffa schreitet. Hier erhalten Menschen einen Schlafplatz, die es über die riskante Atlantikroute aus Afrika auf die Kanaren und damit nach Europa geschafft haben.

Jedes Leben, das auf diesen Routen verloren geht, ist ein Versagen der Menschheitsfamilie.

Papst Leo XIV.

Just an dem Tag, als sich die EU mit einem einheitlichen Asylsystem gegen irreguläre Zuwanderung wappnet, würdigt Leo XIV. am Hotspot Kanaren Migranten und jene Menschen, die ihnen bei Aufnahme und Integration helfen. Seine erste Visite auf den beliebten Urlaubsinseln nutzte der Papst für klare politische Botschaften. Bei den Begegnungen in Gran Canaria und Teneriffa forderte er, Migranten so aufzunehmen, dass „der Fremde von gestern der Bruder und Nachbar von heute sein kann“.

Umgekehrt appellierte Leo XIV. an die Männer und Frauen aus Westafrika sowie aus Lateinamerika oder von den Philippinen, keine Parallelgesellschaften zu bilden: Sie sollten die Sprache lernen, Gesetze respektieren, am gemeinsamen Leben teilnehmen und ihre Talente einbringen.

„Versagen der Menschheitsfamilie“

„Jede Aufnahmegesellschaft hat Pflichten gegenüber den Ankommenden; und wer aufgenommen wird, entdeckt seinerseits, dass die als Recht anerkannte Würde dann zur Entfaltung kommt, wenn sie zu Verantwortung und zum aufrichtigen Wunsch wird, gemeinsam mit den anderen etwas aufzubauen“, sagte der Papst.
Zuvor hatte er an mehreren Orten Berichte von oft erschütternden Migrantenschicksalen gehört. Von Zwangsprostitution, von Ausbeutung durch Menschenhändler – die er mit besonders scharfen Worten geißelte und zur Umkehr aufrief.

Auch dürften Politik und Gesellschaft angesichts der vielen ertrunkenen Migranten nicht gleichgültig bleiben, betonte der Papst. „Jedes Leben, das auf diesen Routen verloren geht, ist ein Versagen der Menschheitsfamilie.“ Nach UN-Angaben starben seit Jahresbeginn über 1270 Migranten auf dem Seeweg nach Europa. Im Andenken an sie warf Leo XIV. am „Hafen der Schande“ auf Gran Canaria ein Blumengebinde in die Wellen.
In Katalonien, wo er zur Freude der Katalanen immer wieder die Regionalsprache nutzte, weihte Leo XIV. den höchsten Kirchturm der Welt ein – den 172,5 Meter hohen Christusturm der Sagrada Família. Bei dem feierlichen Gottesdienst in Barcelona am 100. Todestag von Baumeister Antoni Gaudí erlebte der Papst eine Show aus Licht, Musik und Feuerwerk, von der man noch bis zur Fertigstellung der Kirche in vielleicht zehn Jahren sprechen mag.

Papst gewinnt an Sicherheit und Kraft

In die Höhe zog es ihn auch, als er im historischen Bergkloster Montserrat ein Rosenkranzgebet hielt. Bei einem Abendgebet mit 40 000 jungen Erwachsenen im Olympiastadion von Barcelona schließlich wurden vor ihm achtstöckige „Menschentürme“ errichtet, eine akrobatische Meisterleistung, bei der sich jeder Kletterer auf den andern verlassen muss, während man in schwindelerregende Höhen steigt.

Wo immer Leo XIV. auftauchte, ertönte die Hymne des Papstbesuchs „Alzad la mirada – hebt den Blick nach oben“. Auch der seit 13 Monaten amtierende Papst drehte nach einem eher verhaltenen Amtsbeginn sichtlich auf, gewann an Sicherheit und Kraft. Viele beeindruckte er durch offene Herzlichkeit, ohne anbiedernd zu wirken, eine Diplomatie, die niemals nichtssagend bleibt, eine Klugheit, die nicht belehrend wirkt, und eine Frömmigkeit, die Andersdenkende nicht ausschließt.