Mission:Religiöse und kulturelle Impulse

Mehring. In der Kulturkapelle St. Nikolaus skizzierte der emeritierte Hochschullehrer zunächst die Ausgangslage der frühen Kirche im römischen Reich vor der irischen und angelsächsischen Missionierung im Raum Rhein-Mosel-Maas. Die in feste Strukturen eingebundene Bischofskirche geriet mit dem Niedergang des Reichs im Westen in eine jahrhundertelange Transformationsphase. Sie war geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Glauben einwandernder Stämme und Gruppen, zu der eine erfolgreiche „Goten“-Mission, aber auch die Bedrohung durch die heidnisch-fränkische Glaubenswelt gehörten.
Taufe Chlodwigs als Basis des christlichen Abendlands
Mit der Taufe des fränkischen Königs Chlodwig I. um 500 nach Christus wurde laut Schneider das Fundament für die Christianisierung der Franken und das „christliche Abendland“ geschaffen. Die Jahrhunderte dauernde Missionierung des Frankenreichs sei durch die monastisch geprägten „Iro-Schotten“ – „zu denen vielleicht auch irische Nonnen gehörten“ – sowie Angelsachsen aus Großbritannien gefördert worden. Dabei hätten die irischen Mönche durch ihren Aufbruch in die Fremde und die Askese nicht zuerst die Mission, sondern das eigene Heil im Blick gehabt. Durch ihre von den Reichsstrukturen losgelösten Klöster setzten sie aber indirekt starke religiöse und kulturelle Impulse. Obwohl sie sich nicht im Trierer Raum niederließen, förderte der iro-schottisch beeinflusste Trierer Bischof Numerian (ab 646/47) ihr Wirken – zum Beispiel durch das Kloster Stablo-Malmedy in den Ardennen.
Die ab dem späten siebten Jahrhundert von der britischen Hauptinsel kommende Mission habe sich – im Gegensatz zur irischen – mit dem Papst abgestimmt, politischen Rückhalt gesucht und erfolgreiche Festlandsmissionare wie die Heiligen Willibrord (um 658–739) und Bonifatius (um 673–754) hervorgebracht.
Jahrhundertelange Phase der Inkulturation
Mit dem Ende des Römischen Reichs habe im vierten bis achten Jahrhundert eine lange „Inkulturation“ der christlichen Religion in eine neue Gesellschaft stattgefunden – mit irischen sowie britischen Missionseinflüssen und „teils weitreichenden Konsequenzen“, wie Schneider erklärte. Er nannte beispielsweise eine strikte Trennung von Klerus und Laien, einen Wandel im Liturgie- und Eucharistieverständnis, eine „Dämonisierung“ des Alltags mit kirchlichen Gegenmaßnahmen, einen Wandel der Ethik, die aufkommende Heiligen- und Reliquienverehrung samt Wallfahrten oder die private Bußpraxis mit festem „Bußkatalog“. Aber auch die Sonntagsruhe und eine bessere Armenfürsorge hätten dazugezählt.