Zum Inhalt springen

Bischof Wiesemann:Nicht am Bischofsamt kleben

Der Speyerer Bischof Wiesemann ist mit 66 Jahren überraschend zurückgetreten. Nun erläuterte er seinen Amtsverzicht aus Gesundheitsgründen. Bischof Ackermann zollt der Entscheidung Respekt.
Bischof Wiesemann spricht in der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt als Bischof von Speyer am 20. August.
Datum:
30. Aug. 2026
Von:
KNA/jr

Einen Tag nach seinem Rücktritt als Bischof des Bistums Speyer hat Karl-Heinz Wiesemann seine Entscheidung näher erläutert. Sein Schritt sei „nicht aus Verdruss an der Kirche“ erfolgt und auch nicht aus einer resignativen Haltung heraus, sagte Wiesemann am 20. August in Speyer vor Journalisten. In den 18 Jahren seiner Amtszeit habe sich „die katholische Kirche massiv geöffnet“. Er wies damit Spekulationen zurück, dass sein Amtsverzicht auch mit einer Enttäuschung über mangelnde innerkirchliche Reformschritte zu tun haben könnte. Vielmehr habe er gemerkt, dass er das Bischofsamt mit den Kräften, die er heute habe, „nicht mehr stemmen“ könne. Nach seiner 2021 genommenen monatelangen Auszeit sei „dieselbe Leistungskraft von vorher nicht mehr da gewesen“. Unmittelbarer Auslöser für den Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik sei damals die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Speyer gewesen, die ihn tief erschüttert hätten.

Zugleich habe er nun registriert, dass die Herausforderungen bei der Strukturreform der Pfarreien in der Diözese „deutlich das übersteigen werden, was wir bisher hatten“. Hinzu komme, dass das Bistum 2027 in eine dreijährige Vorbereitung des Jubiläums 1000 Jahre Grundsteinlegung des Speyerer Doms eintrete, das 2030 gefeiert wird.

Wiesemann: Neuer Bischof mit Kraft und Leidenschaft

Der Speyerer Dom mit seiner herausragenden geistlichen und historisch-politischen Bedeutung habe es verdient, dass ein neuer Bischof „mit entsprechender Kraft und Leidenschaft“ präsent sei. Wiesemann betonte zudem: „Man darf nicht an seinem Amt kleben.“

Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann bedauerte den Rücktritt von Bischof Wiesemann. „Denn mit ihm verliere ich einen lieben Mitbruder aus dem Kreis der Diözesanbischöfe und einen guten Nachbarn. Da die Bistümer Speyer und Trier nicht nur auf der Ebene von Rheinland-Pfalz, sondern auch im Saarland eng kooperieren, gibt es zwischen ihnen eine besondere Verbundenheit.“ Bischof Ackermann sagte, er sehe die Entscheidung von Wiesemann mit großem Respekt. „Sie zeugt für mich auch von Mut. Bischof Wiesemann hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Aus persönlichen Gesprächen wusste ich, dass er sich mit der Frage trug, wie lange er die Herausforderungen und Belastungen des Amtes als Diözesanbischof noch schultern kann. Für die Zeit seiner Emeritierung wünsche ich ihm alles Gute und Gottes Segen und hoffe auf Gelegenheiten, zu denen wir uns auch in der Zukunft begegnen.“

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Münsteraner Bischof Heiner Wilmer nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns „mit Respekt und Bedauern“ zur Kenntnis. In einem Brief an Bischof Wiesemann schrieb Wilmer: „Für das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeutet Dein Rücktritt einen großen Verlust. Gleichzeitig empfinde ich Hochachtung vor Deiner Entscheidung, die Du lange im Herzen erwogen hast und die Dir nicht leichtgefallen ist.“

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer lobt den zurückgetretenen Bischof Wiesemann. 

Markus Magin ist nun Diözesanadministrator

Das Bistum Speyer wird nach dem überraschenden Rücktritt von Bischof Wiesemann seit dem 23. August übergangsweise vom bisherigen Generalvikar Markus Magin geleitet. Magin (61) wurde vom Speyerer Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt, wie das Bistum mitteilte. Als Übergangsverwalter leitet er die Diözese bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs.