Zum Inhalt springen

Nikolaus von Kues:Eine wichtige Gestalt am Übergang zur Neuzeit

Der große Gelehrte, Theologe und Kardinal Nikolaus von Kues wurde im Jahr 1401 geboren. Seine Heimatstadt an der Mosel hat den berühmten Sohn und sein Erbe zum Jubiläum mit einem Festprogramm gewürdigt.
Weihbischof Jörg Michael Peters zelebriert den Festgottesdienst zum Cusanus-Jubiläum zusammen mit Rektor Leo Hofmann (rechts) und Pfarrer Georg Moritz (links).
Datum:
29. Aug. 2026
Von:
Stefan Endres

Bernkastel-Kues. Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete ein Pontifikalamt mit Weihbischof Jörg Michael Peters in der Kapelle des St.-Nikolaus-Hospitals. Peters würdigte den Gelehrten und Diplomaten (1401–1464) für sein Eintreten für die Einheit und die Erneuerung der Kirche sowie seine Auseinandersetzung mit dem Islam. Dabei sei „die göttliche Weisheit für Cusanus das, woran menschliche Weisheit, Vernunft und Erkenntnis ihr Maß finden sollten, ja finden müssen“, sagte er in seiner Predigt. 

Dem Theologen sei das Streben nach dem „Wissen über Gott“ das Größte und „das Wort Gottes über alles wichtig“ gewesen, wovon seine – auch in moselfränkisch gehaltenen – Predigten bis heute zeugten. In ihnen habe Nikolaus, wie er selbst sagte, das Wort Gottes „wie ein guter Bäcker“ zubereitet, um es „möglichst allen schmackhaft“ zu machen. Cusanus sei ein großer Denker und zugleich „den Menschen zugewandt“ gewesen, bemerkte der Weihbischof über den Reformtheologen, dessen „Impulse für einen interreligiösen Dialog bis heute Vorbildcharakter“ besitzen. 

Den festlich gestalteten Gottesdienst zelebrierten Rektor Leo Hofmann, der die Stiftsbewohnerinnen und -bewohner, Mitarbeitenden und Gäste begrüßte, und Pfarrer Georg Moritz gemeinsam mit dem Weihbischof.
Wolfgang Port, Vorsitzender des Verwaltungsrates des Cusanusstifts, hieß anschließend die Festgäste im Innenhof des Nikolaus-Hospitals willkommen. Er würdigte das Wirken des „bedeutendsten Kirchenpolitikers“ an der Schwelle zur Neuzeit als „Brückenfigur“. In seinem Denken habe Cusanus Tradition und Fortschritt verkörpert. Zeugnis seines sozialen Wirkens vor Ort bleibe bis heute die im Jahr 1458 gegründete Stiftung, durch die seitdem das St.-Nikolaus-Hospital ununterbrochen als Senioreneinrichtung betrieben wird. 

Die Festrede hielt die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig. Auch sie betonte die Bedeutung des Universalgelehrten, der neben Guten-berg und Hildegard von Bingen die „Rangliste“ der wichtigsten Gestalten am Übergang zur Neuzeit aus dem heutigen Rheinland-Pfalz anführe. Als „früher Europäer“ mit kosmopolitischem Horizont habe der Philosoph und Humanist Denkgrenzen überwunden. Dabei seien viele seiner zentralen Gedanken aktueller denn je: so beispielsweise die Erkenntnis der Endlichkeit des Verstandes als Mittel gegen einfache Lösungen und Fanatismus und als Appell für demokratische Dialoge. Er sei ein Pionier der Ökumene gewesen und eingetreten für eine „Einheit in Vielfalt“, die Kriege im Namen des einen Gottes als „Missverständnisse“ deute. Ein abschließendes Grußwort für die kommunale Familie sprach Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Ergänzt wurden die Feierlichkeiten von zahlreichen Veranstaltungen, die bis zum 15. August einige Facetten des cusanischen Wirkens beleuchteten. Dazu zählten Vorträge von Studierenden der Universität Trier und des Cusanus-Instituts zum Thema „Der Laie im Denken des Nikolaus von Kues“ (Bibliothekar Simeon Hüttel) und zu „Historischen Gärten“ (Dr. Barbara Mikuda-Hüttel). Es gab ein Sommerfest mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Cusanusstifts, Livemusik, Führungen, ein Abendlob und eine Eucharistiefeier zum Abschluss. 
15 Bewohnerinnen und Bewohner legten im Rahmen der Festtage eine „Karateprüfung“ ab. Sie hatten – teils länger als ein Jahr – wöchentlich an einem altersgerechten Training mit Karateka Jörg Baumgarten teilgenommen und sich auf die Prüfung vorbereitet. Zum Abschluss erhielten alle den weiß-gelben Gürtel.