Martinusweg:Neuer Anlaufpunkt für Martinus-Pilger in Trier

Trier. „Haus am Baum“ ist der Name des Neubau am Anfang der Trierer Ausoniusstraße. Zusammen mit dem historischen Kern des Martinsklosters bildet der 2022 in Betrieb genommene Bau Wohnraum für Studenten. Am Haupteingang des Wohnheims haben der Geschäftsführer des Studierendenwerks Trier, Andreas Wagner, und Horst Drach, Vorsitzender des Vereins der „Förderer und Unterstützer des Europäischen Kulturwegs St. Martin von Tours im Raum Trier“, eine silberfarbene Hinweistafel enthüllt. Sie kennzeichnet das Foyer-Museum im „Haus am Baum“ als Wegpunkt des Martinusweges.
Dass der Name „Martinskloster“ nicht aus der Luft gegriffen ist, die Geschichte um St. Martin sich nicht auf Folklore und die Legende vom geteilten Mantel beschränkt, wird in dem Foyer-Museum eindrücklich dargestellt. Laut diverser Quellen machte der heilige Martin kurz vor der Kirchgründung mehrfach Station in Trier. Ob Martin selbst oder sein großer Verehrer, der Trierer Bischof Magnerich, die Kirche in Trier gründete, bleibt eine historische Ungewissheit.
Von einer kleinen Kirche entwickelte sich das wohl im 6. Jahrhundert gegründete Kloster um das Jahr 1000 zum Zentrum ottonischer Buchkunst. Im weiteren Verlauf beherbergte es im 18. Jahrhundert eine Porzellanmanufaktur, bevor es zum modernen Studentenwohnheim wurde.
Seit September 2022 veranschaulicht das im Gebäude des ehemaligen Martinsklosters angesiedelte öffentlich zugängliche Foyer-Museum mit einem Zeitstrahl, der Ausstellung diverser Exponate und einem durch Schauspieler des Trierer Stadttheaters erstellten Film die bewegte Geschichte des Ortes. Als jetzt offiziell gelisteter Anlaufpunkt für Pilger des Martinuswegs kann das Martinskloster mit seiner dazugehörigen Dauerausstellung auf regen Zuspruch des christlichen Wanderpublikums hoffen.
275 Kilometer des Wegs führen durch das Bistum
2005 initiierte der Europarat den insgesamt 2500 Kilometer langen Martinusweg als Kulturroute. Sie startet im ungarischen Szombathely, dem Geburtsort des Heiligen, und führt über Trier hin zu Martins Wirkungs- und Grabstätte im französischen Tours.
Horst Drach und seine Kollegen vom Trierer Ableger des Fördervereins kümmern sich um die Instandhaltung und Bewerbung der rund 275 Kilometer langen Strecke im Gebiet des Bistums Trier. Diese Etappe des Martinuswegs erstreckt sich von Wasserbillig über Trier bis nach Guldental bei Bad Kreuznach, wo die Kulturroute im Bistum Mainz fortgesetzt wird. Entlang der historischen Wegpunkte des Heiligen und ihm gewidmeten Sakralbauten verbindet der Abschnitt in der Diözese Kunst und Kultur mit der Weinberglandschaft der Region.
Auch das Pilgern einer kurzen Strecke erfüllt der Homepage des Vereins zufolge seinen Sinn. Man könne dabei „Martinsorte mit ihren sozialen und kulturellen Einrichtungen“ kennenlernen, die Christen darin bestärken, auch „heute im Sinne des heiligen Martin zu wirken“.
Im Vordergrund der Arbeit des Vereins steht daher auch die Orientierung am konsequenten Eintreten Martins für Solidarität und den Wert des Teilens, die er aus seinem christlichen Glauben ableitete. So kann der ehemalige Bischof von Tours laut Drach als „der Heilige“ für die Idee eines geeinten Europas gelten. In Zeiten multipler Herausforderungen für die Christenheit fordert der Verein daher: „Die Welt braucht mehr Martinus!“.