Hoffnung, Resilienz und innere Haltung:Kunst, Kirche und Kichererbsen

Mayen. Kirche ist weit mehr als Liturgie und Orgelspiel. Seit Jahrtausenden sind Glaube und Kultur untrennbar verwoben. Sie atmen denselben Geist. Ob in der Sprache, der Malerei oder der Musik – die Kunst prägt das kirchliche Leben überall, wo Menschen nach frischen Ausdrucksformen für ihre Sehnsüchte suchen. Wie brandaktuell, experimentell und inspirierend dieses Zusammenspiel sein kann, bewies Verena Rendtorff Anfang August auf der Kleinen Bühne der Burgfestspiele, die in diesem Jahr eng mit dem Pastoralen Raum kooperierten.
Mit einer immensen Präsenz, die den gesamten Innenhof des Alten Arresthauses einnahm, kraftvollem Gesang und unermüdlicher körperlicher Choreografie zog die Künstlerin – wie schon voriges Jahr in der Herz-Jesu-Kirche – das Publikum in ihren Bann. Ihre ästhetisch-spirituelle Performance mit dem Titel „DENNOCH ZUVER:SICHT“ wurde zu einer hautnahen Begegnung zwischen Bühne und Zuschauerraum.
Das Format „Talk Kirche: Gott. Ich. Welt.“ versteht sich als offener Dialograum. Die hochenergetische Schauspielerin, Sprecherin und Sängerin spürte auf ihrer von Kirchenmusiker Markus Busch kongenial begleiteten „Text- und Songreise“ grundlegenden Themen des Menschseins nach. In einer 21 Szenen umfassenden Collage ging es um die Fragen: Was gibt uns Orientierung in Krisenzeiten? Wo finden wir Halt? Wie können Vertrauen und Hoffnung wachsen? Rendtorff lieferte keine fertigen Antworten. Sie machte das Suchen und Finden künstlerisch, unter anderem mit Kichererbsen, mit allen Sinnen spürbar.
Unkonventionelle Wege für den Glauben ebnen
Das Publikum erlebte eine Verknüpfung aus Texten und Gedanken von Poeten wie Hartmut Rosa, Ernst Bloch, Mascha Kaléko, Dietrich Bonhoeffer, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler und Viktor Frankl. Gepaart wurde diese literarische Tiefe mit moderner Musik. Der Nachmittag war ein Beispiel dafür, wie moderne Kunst unkonventionelle Wege für den Glauben ebnen kann.
Das begann schon bei der Interaktion: Zu Beginn bat die Künstlerin die Zuschauer, anonym „Hoffnungsbotschaften“, also ein „gutes Wort“, für jemanden auf kleine Zettel zu schreiben. Später packten einige Zuschauer mit an, als es galt, von Rendtorff beschriftete Blätter aufzuhängen. Busch, der im Pastoralen Raum als Organist tätig ist, steuerte am Keyboard sonnige Improvisationen bei und war in zahlreichen Szenen aktiv mit eingebunden.
Im Laufe der Performance flatterten Blätter und Wäschestücke an gespannten Seilen über den Köpfen des Publikums, dichte Musikteppiche legten sich über den Innenhof. Songs wie „Schall und Rauch“ von Tim Bendzko, „Echo“ von Pink Floyd, das emotionale „Nature Boy“ (King Cole Trio) und der Reggae-Klassiker „Three Little Birds“ von Bob Marley gaben den Rhythmus vor. Musik und Bewegung griffen perfekt ineinander.
Zum Finale hängte Rendtorff den letzten Zettel auf: Es trug das entscheidende Wort „Zuver:sicht“. „Wie können wir von morgen träumen, wenn die Welt langsam vergeht – und wir im Wandel sind?“, fragte die Künstlerin. „Wir passen uns an, doch haben Angst, Veränderungen zuzulassen.“
Am Ende stand die tröstliche Erkenntnis: Zuversicht ist eine zentrale menschliche Eigenschaft, an der wir im Wandel der Zeit unbedingt festhalten sollten.
Pastoraler Raum und KEB bei der Reihe mit an Bord
Die Reihe „Talk Kirche: Gott. Ich. Welt.“ ist eine Kooperation des Pastoralen Raums, der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Koblenz, der Burgfestspiele sowie der Stadt Mayen und ein Zeichen dafür, was Gemeinschaft bewegen kann. Zu Beginn hatten Thomas Fößel vom Leitungsteam des Pastoralen Raums, Festspiel-Intendant Alexander May sowie Thomas Becker (KEB) das Publikum begrüßt. Die Veranstaltungsreihe sei ein schönes Beispiel, „wie Kirche, Kultur und Stadtgesellschaft gemeinsam etwas Wertvolles für die Menschen vor Ort schaffen können – ganz im Sinne unserer Bistumssynode“, wie Thomas Fößel eingangs hervorhob.