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„Tautropfen“ :„Wenn einer aus der Reihe tanzt“

Passend zu seinem Jubiläum hat Franz von Assisi im Zentrum eines Gottesdienstes gestanden, der von der Gruppe „Tautropfen“ mitgestaltet wurde.
Der heilige Franziskus, hier als Bildnis vor dem Altar, steht im Zentrum der Feier, die von den „Tautropfen“ mitgestaltet wird.
Datum:
3. Okt. 2026
Von:
Stefan Ernst

Treis-Karden. Weiß getüncht strahlt sie in der Sonne, bei blauem Himmel wirkt sie besonders imposant. Die Stiftskirche St. Castor in Karden, einem Ortsteil der Doppelgemeinde Treis-Karden an der Mosel, wird wegen ihrer Doppeltürme und der besonderen Form auch gerne „Dom von Karden“ genannt.
Sie lud am 27. September zu einem besonderen Gottesdienst ein: Der heilige Franziskus, der als Franz von Assisi  vor 800 Jahren in Italien wirkte und dort für allerlei Aufruhr sorgte, wurde wie jedes Jahr von der franziskanischen Gemeinschaft „Tautropfen“ in einer Eucharistiefeier auf besondere Weise geehrt. Die personell stark aufgestellte Gemeinschaft der Gemeinde ist bereits seit rund 30 Jahren aktiv, hat den heiligen „ Querulanten“ der damaligen Zeit schon seit jeher in den Mittelpunkt ihres Wirkens gestellt und nimmt sich nicht nur seiner Person, sondern auch seiner Passion an. 

340 000 Euro seit Gründung gesammelt

In zahlreichen Veranstaltungen, Touren und Gottesdiensten sammeln sie im Namen des heiligen Franziskus Spenden, die sie jahresaktuell einem Projekt zukommen lassen. So sammelten sie im vergangenen Jahr rund 11 000  für die Lebensmittel- und Arzneimittelversorgung im afrikanischen Togo, in diesem Jubiläumsjahr gehen die gesammelten Spenden ( gesetztes Zeil sind 8000 Euro) an ein Versorgungsprojekt in Äthiopien und die Erdbebenopfern in Venezuela. Beachtliche 340 000 Euro hat die Gemeinschaft seit ihrer Gründung 1992 zusammengesammelt. 

Aber zurück zum Gottesdienst. Die eher zurückhaltend ausgestattete Stiftskirche ist gut besucht, das Fest zu Ehren des heiligen Franziskus kann beginnen. Musikalisch wunderbar eingeleitet von der Querflötistin Andrea Valerius und dem Organisten Johannes „Jo“  Ibald wurde in Lied und Predigt von Pastor Hermann-Josef Floeck und der „Chefin“ der Tautropfen, Dietlinde Schmidt, das besondere Wirken des heiligen Franziskus bedacht. 

Wer aus der Reihe tanzt, braucht Mut

„Wenn einer aus der Reihe tanz!“ thematisierte das „unbequeme“ Wirken des Franz von Assisi, seine anfänglich gesellschaftliche Ächtung sowie seine Beharrlichkeit, die ihm am Ende viele „ Follower“ einbrachte. 

Dass man in einem Gottesdienst zu Gott oder Heiligen spricht, ist eigentlich nichts Besonderes. Neu und ungewöhnlich jedoch, wenn man auch direkt eine Antwort bekommt. So trugen Aktive  der Tautropfen ihre Ängste, Nöte, Skepsis und Fragen in das Kirchenschiff, die sofort mit der Stimme von Ewald Schneider als Franz von Assisi beantwortet wurden. Ein Dialog, der so in einem Gottesdienst eher selten vorkommt. 

Die Stimme aus dem „Off“ wirkte so echt, so mahnend und beruhigend, wie es kaum eine Beichte oder eine Predigt vermag. Eine gelungene Aktion. „Wer aus der Reihe tanzt, braucht Mut, Kraft, Persönlichkeit und vor allem ein reines Herz!“, so die sonore Stimme des Heiligen. Im Hall der Stiftskirche ein besonderes akustisches Erlebnis. Auf die bange Frage nach der aktuellen Entwicklung der Welt in Kriegen, Ausbeutung und Profitgier, antwortete Franz belehrend: „Die Menschheit hat den Bezug zur Schöpfung verloren. Macht euch die Erde Untertan ist wohl falsch verstanden worden. Jeder sollte sich fragen, was er/sie selbst für den Erhalt der Schöpfung getan hat und beitragen kann!“ 

Worte verfehlen Wirkung nicht

Vor allem Dinge wie Liebe und Vertrauen könne man nicht kaufen, die bekomme man geschenkt. Man müsse diese Geschenke aber auch annehmen und ausbauen. Mahnende Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Ewald Schneiders, der Franziskus seine Stimme geliehen hatte, äußerte sich beim anschließenden Franziskusfest sehr positiv. „Schon seit Bestehen der Gemeinschaft gestalten wir die Messe mit Schauspiel, Aktionen oder setzen besondere Akzente!“  Die 11-jährige Sophia Kowacevic, zweifellos die jüngste Besucherin des Gottesdienstes mit muslimisch/christlicher Abstammung, zeigte sich auch begeistert. Sie besuche recht oft die Messen in Karden oder Beilstein. Marita Brandt aus Klotten wechselt gerne zwischen Messen ihres Heimat-Moseldorfes Klotten, Pommern oder Karden und beschreibt ihre Eindrücke der Messe mit dem heiligen Franz kurz und knapp mit „wunderschön gemacht! Die Stiftskirche und auch die Messen, die von den Tautropfen organisiert werden, sind immer einen Besuch wert“.

Pfarrer Floeck lud im Anschluss an die Messe ins Pfarrheim ein, um hier ein zweites Mal an diesem Tag das Brot zu teilen. Dazu wurden zweierlei Suppen, Kaffee und Kuchen gereicht, um dem gesetzten Ziel von 8000 Euro für Äthiopien und Venezuela möglichst näher zu kommen.