Krautwisch:Kräuter mit göttlichem Segen

Das Heilkräuter-Sammeln durch Frauen und damit verbundene Rituale haben vorchristliche Wurzeln. Das erläuterte Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung der Katholischen Erwachsenenbildung auf dem Hof Haardt bei Altrich (Kreis Bernkastel-Wittlich).
Wie in vielen anderen Fällen sei auch hier ein heidnisches Brauchtum früh mit einem christlichen Fest verbunden worden. Viele Marienbilder brächten die Gottesmutter mit Pflanzen in Verbindung – etwa als „Königin der Blumen“, „Rose ohne Dornen“, „Kornmutter“ oder „Traubenmadonna“, erklärte die Referentin. Dabei sei die Praxis, gesegnete (nicht „geweihte“) Krautwische etwa als Schutz vor Blitzeinschlag aufzuhängen, auch ein wenig „magisch“, gab Schartz zu bedenken. „Mich erinnert der Strauß das Jahr über daran, dass uns von Gott Heil versprochen ist. Dadurch ist er für mich heilig“, sagte sie mit Blick auf die symbolische Bedeutung der heilbringenden Wirkung von Kräutern.
Christlicher Brauch und heilkundliche Wirkungen
Die anschließende Wanderung bot Gelegenheit, nicht nur den christlichen Brauch, sondern ganz praktisch die Kräuter der Region, ihre Bestimmung und heilkundlichen Wirkungen kennenzulernen. Kräuterfachfrau und Naturerlebnispädagogin Beate Stoff aus Osburg führte die zehnköpfige Gruppe. Sie erläuterte die Wirkung der Pflanzen und ihre Verwendung in der Küche.
Ganz unterschiedliche Gewächse finden Eingang in den Krautwisch – viele Heilpflanzen, essbare Kräuter, Ähren, Gräser und auch Blumen. „Wir dürfen uns freuen über das Schöne“, erläuterte Barbara Schartz, denn die aus den Blumen sprechende Lebensfreude sei Ausdruck von Gesundheit und Heil. Und auch Bitterkräuter wie der Beifuß hätten ihren Platz im Strauß. Sie könnten Zeichen dafür sein, dass auch Bitteres heilsam sei – in der Heilkunde und im übertragenen Sinne.
Während einige der – ausschließlich weiblichen – Teilnehmenden hauptsächlich das Wissen um die Kräuter und ihre Verwendung interessierte, war anderen auch der religiöse Aspekt des Brauchtums wichtig. „Ich finde es eine sehr schöne Tradition“, sagte Kerstin Staudt aus Longkamp. Sie arbeitet in einer Senioreneinrichtung in Ürzig, in der jedes Jahr Krautwische gebunden und im Gottesdienst gesegnet würden. Privat hänge sie einen Strauß im Heustall auf und stelle einen Wisch zum häuslichen Marienaltar. „Den Brauch habe ich von meiner Oma übernommen.“
Zurück auf dem Hof, wurden Krautwische gebunden. Dazu hatten einige Teilnehmerinnen Pflanzen aus ihren Gärten mitgebracht, da die „Erträge“ an den Altricher Wegesrändern aufgrund der Hitzeperiode eher spärlich waren. Viele Kräuter blühten mittlerweile früher oder kämen mit den klimatischen Bedingungen schwer zurecht, informierte Beate Stoff.
Bevor alle an einem vorbereiteten „Kräuterbuffet“ auch manch Ungewohntes wie Brennnessel-Samen und kleingehackte Douglasien-Nadeln verkosten konnten, wurden die Krautwische gesegnet. In der Kapelle des ehemaligen Himmeroder Hofs der Familie Benz sprach Schartz eine Meditation und ein Gebet zur Kräutersegnung. Mit zwei Marienliedern ehrten die Teilnehmenden die Gottesmutter an Mariä Himmelfahrt.