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Cascatelle):Wo ein Papst Fluten bändigte

Nahe Rom rauscht Wasser durch eine verwunschene Schlucht, führen Wege zu Grotten und Ruinen. Die Villa Gregoriana ist heute ein Naturparadies – zu verdanken einem Papst, der eigentlich ein anderes Problem lösen wollte.
Wasserfälle (Cascatelle), Höhlengänge und Grotten unterhalb der Villa Gregoriana in Tivoli.
Datum:
5. Okt. 2026
Von:
Severina Bartonitschek

Es sind nur wenige Stufen hinab bis ins kühle Grün der Villa Gregoriana. Nur das Rauschen der Wasserfälle durchbricht die Stille in der tiefen Schlucht unterhalb des Bergstädtchens Tivoli. Über gewundene Pfade und unter einem dichten Blätterdach erstreckt sich der wildromantische Naturpark mit seinen Grotten, Höhlen und Wasserspielen. Über 100 Meter stürzt sich der „Große Wasserfall“ ins „Höllental“.

Heute ist die Villa Gregoriana ein Ort der Erholung für Touristen und die Bewohner der rund 30 Kilometer entfernten Metropole Rom. Der Rundgang führt vorbei an antiken Tempeln, den Resten einer römischen Villa und kleinen Brunnen. Von verschiedenen Aussichtspunkten bietet sich ein spektakulärer Blick über das weite Tal und die umliegenden Berge. Entstanden aber ist die Anlage als Hochwasserschutzprojekt von Papst Gregor XVI. (1831–1846), dem Namensgeber des Parks.

Der Papst beauftragt die Flussumleitung

Der Aniene, ein Nebenfluss des Tiber, sorgte über die Jahrhunderte immer wieder für schwere Überschwemmungen in Tivoli. Nach einer verheerenden Flut in den 1820er-Jahren, die große Teile der Altstadt zerstörte, beauftragte das Kirchenoberhaupt eine Umleitung des Flusses. Ein neu geschaffener Tunnel durch den Berg Catillo führt den Aniene seither an der historischen Altstadt vorbei hinab ins Tal.

Der dabei entstandene künstliche Wasserfall ist mit mehr als 100 Metern Fallhöhe der zweithöchste Italiens – nach der 165 Meter hohen Cascata delle Marmore bei Terni, die ebenfalls auf einen päpstlichen Auftrag zurückgeht.

Doch rauscht es in der Villa gleich doppelt. Neben dem „Papst-Fall“ sind die „Cascatelle“ (wörtlich: Wasserfällchen) die eigentlichen Schönheiten des Parks. Auch sie werden vom Aniene gespeist. Unterhalb der antiken Tempel auf der ehemaligen Akropolis von Tivoli bahnen sich die kleinen Wasserläufe ihren Weg durch den porösen Travertin-Felsen. Sie schlängeln sich über Grotten und mehrere grüne Ebenen, bevor sie sich ins Tal ergießen.

Nach Fertigstellung des Projekts ließ Gregor XVI. 1835 den weitläufigen Park ganz im Sinne der Romantik gestalten. Es entstand eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wasserfällen, Höhlen, Schluchten, Waldgebieten und archäologischen Stätten. Weil das Naturerlebnis nicht nur den Reichen und Mächtigen vorbehalten sein sollte, machte Gregor XVI. die Villa Gregoriana für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Und die dankte es ihm: Viele Maler und Schriftsteller besuchten den magischen Ort nahe Italiens Hauptstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Villa Gregoriana an den italienischen Staat über. Seit Anfang der 2000er-Jahre wird sie von der Stiftung für Denkmalpflege und Naturschutz (FAI) betreut. Sie ließ das über die Jahrzehnte verfallene Gelände wiederherstellen und öffnete es 2005 für Besucher.

Ein großes Naturschauspiel entdecken

Von Februar bis Dezember können sie die reißenden Fluten des „Großen Wasserfalls“ bestaunen, ins malerische Tal hinabwandern, durch Höhlengänge in die Grotten steigen und die antiken Ruinen der einstigen Sommerresidenz eines wohlhabenden Römers besichtigen. Die Wege und Stufen säumen 74 verschiedene Baumarten; auf Bänken kann man sich vom anstrengenden Aufstieg erholen.

Um es mit Goethe zu sagen, der den Ort bereits 1787 besuchte, lange vor Gregors XVI. Großbauprojekt: „Diese Tage war ich in Tivoli und habe eins der ersten Naturschauspiele gesehen. Es gehören die Wasserfälle dort mit den Ruinen und dem ganzen Komplex der Landschaft zu jenen Gegenständen, deren Bekanntschaft uns im tiefsten Grunde reicher macht.“