Burgfestspiele:Kirchengelände als neue Heimat auf Zeit

Mayen. „Heimat! Los!“ heißt das Motto der diesjährigen Spielzeit, das eine doppelte Bedeutung habe, wie Oberbürgermeister Dirk Meid bei der Vorstellung im Lukashaus der Pfarrei erklärte. Einerseits seien die Festspiele für voraussichtlich zwei Jahre ihre angestammte Heimat auf der Burg los, anderseits stehe das Leitwort für Identität und Verwurzelung, wofür auch die imposante Kirche Herz Jesu stehe. Und „Los!“ symbolisiere zugleich Bewegung, Veränderung und den Mut, neue Wege zu gehen.
Intensive Zusammenarbeit mit der Pfarrei St. Lukas
Mit dem Ortswechsel der Burgfestspiele kommt es zu einer intensiven Zusammenarbeit der Festspiele mit der Pfarrei St. Lukas. Dekan Jörg Schuh betonte im Beisein von Marek Jost und Dr. Thomas Peter Fößel, die wie er dem Leitungsteam des Pastoralen Raums angehören, dass man sich freue, „als Kirche den Burgfestspielen für einige Monate eine Heimat geben zu können“. Fößel habe mit Festspiel-Intendant Alexander May auch Angebote mit der Katholischen Erwachsenenbildung erdacht, die gut in das Konzept hineinpassten.
Schuh glaubt, dass es mit der neuen Spielstätte gelungen sei, aus der Not eine Tugend zu machen. „Es hat auch logistisch etwas Gutes, das wir hier unser Lukashaus, unsere zentrale Begegnungsstelle der Pfarrei und des Pastoralen Raums, für die Monate der Burgfestspiele mit zur Verfügung stellen und auch den Menschen hinter den Kulissen eine Heimat geben können.“
Dennoch gehe die Kooperation auch mit einem Opfer einher: „Dieses Haus und ein Stück weit die Kirche herzugeben, schränkt uns ein. Aber wir spüren, da ist auch eine gewinnbringende Zusammenarbeit über die Pfarreigrenzen hinaus und auch mit der Stadt, die uns Ersatzräume zur Verfügung stellt.“ Theologe Fößel erklärt:. Für den Zeitraum der Veranstaltungen, die Ende Mai beginnen, stelle man mehrere kirchliche Gebäude sowie Außenflächen zur Verfügung. Darunter auch das Lukashaus, den Eingangsbereich der Herz-Jesu-Kirche sowie die angrenzenden Parkplatzflächen.
Enge Abstimmung mit kirchlichen Terminen
„Die Räumlichkeiten dienen unter anderem als Proben- und Veranstaltungsorte sowie zur organisatorischen Abwicklung der Festspiele“, erklärt Fößel. Die Überlassung erfolge jeweils für die Zeiträume April bis August der beiden Jahre 2026 und 2027; die Nutzung der Außenflächen habe bereits im März begonnen, als auf dem Platz vor der Kirche etliche Container aufgestellt wurden.
Ein zentraler Bestandteil der Kooperation ist eine enge Abstimmung des Spielplans mit kirchlichen Terminen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass vor allem Gottesdienste wie Taufen und Hochzeiten vom Veranstaltungstrubel unberührt bleiben. Der Betrieb der Glocken wird während der Vorstellungen flexibel geregelt. Während der Aufführungen kann der Glockenschlag von der Festspielleitung ausgesetzt und danach wieder aktiviert werden.
Bereichert werden die Festspiele durch die Reihe „Talk Kirche: Gott – Ich – Welt“, die der Pastorale Raum gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz veranstaltet. Sie soll im Sinne der Beschlüsse der Bistumssynode über den klassischen Kirchenraum hinaus in einen offenen Austausch mit Gesellschaft und Kultur treten.
Gesprächsreihe über „Gott – Ich – Welt“
„Talk Kirche: Gott – Ich – Welt“ beschäftigt sich nicht zuletzt mit christlichen und humanistischen Werten, gerade mit Blick auf Menschen am Rande, sowie mit den Themen individuelle Sinngebung (Heimat), positiver Rückzug (Resilienz) und persönliches Engagement für Gerechtigkeit und Frieden. Inhaltlich knüpft auch diese Reihe an das Festspielmotto „Heimat. Los!“ an.
Daniel Schmidt erzählt am 7. Juni unter dem Motto „Zwischen Hölle und Hoffnung“ von einem bewussten Blick auf Menschen, die keine (bürgerliche) Heimat haben. Tobias Haberl bringt am 5. Juli den christlichen Glauben als Kulturform und persönliche Haltung in einer säkularen Zeit ins Gespräch: Glaube als verlorene und wiedergefundene Heimat.
Teilnahme kostenlos – aber Tickets erforderlich
Am 2. August gibt es eine schauspielerische und musikalische Performance von Verena Rentroff, die sich mit weltzugewandter innerer Resilienz befasst. Sie wird von dem Kirchenmusiker Markus Busch begleitet. Im Anschluss gibt es Raum für Austausch und Gespräche mit der Künstlerin.
Um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen, sind die drei Veranstaltungen in der barrierefreien Spielstätte „Altes Arresthaus“ kostenfrei, setzen aber die Buchung von Tickets voraus.