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Willi-Graf-Empfang:Haltung gegen Rassismus stärken

Der Empfang des Katholischen Büros Saarland mit Ministerpräsidentin Rehlinger, Bischof Ackermann und 250 weiteren Gästen ist von der Debatte um Demokratie und Haltung geprägt gewesen.
Jörn Didas, Dr. Stephan Ackermann, Anke Rehlinger und Markus Magin diskutierten unter der Moderation von Louisa Schlang (von links).
Datum:
20. Sept. 2026
Von:
Ute Kirch

Was können Kirche, Politik und Gesellschaft Rassismus und Ausgrenzung entgegensetzen? Diese Frage stand im Zentrum des Willi-Graf-Empfangs, zu dem auf Einladung des Katholischen Büros Saarland 250 Menschen aus Politik, Gesellschaft, Kirchen, Wirtschaft und Medien in die Kirche der Jugend „eli.ja“ in Saarbrücken kamen. 
Im Mittelpunkt stand ein Anti-Rassismus-Projekt der Saarbrücker Kirche der Jugend „eli.ja“, das mit Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule am Rastbachtal in Saarbrücken sowie dem Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel umgesetzt wurde. Die Jugendlichen schilderten anonym ihre Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung. Künstlerinnen aus dem Ahrtal übersetzten die Aussagen in Kunstwerke, aus denen ein Kurzfilm entstand, der den Gästen vorgestellt wurde. 

In einer Diskussion sprachen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, der Beauftragte gegen Rassismus der Landesregierung, Jörn Didas, Bischof Dr. Stephan Ackermann sowie Diözesanadministrator Markus Magin (Bistum Speyer) über die Frage, wie Haltung gegen Rassismus und Ausgrenzung gestärkt werden kann. 

Benachteiligungen auch in Behörden erlebt

Konkrete Beispiele aus seiner Arbeit brachte Jörn Didas ein. Er berichtete von einem jungen Angestellten, dessen Kollegin in seiner Anwesenheit Affengeräusche vom Handy abgespielt habe. „Er traute sich zunächst nicht, das anzusprechen, weil er dachte, er sei das Problem.“ Auch in Behörden erlebten Menschen Benachteiligungen. So habe ein junger Mann bei seiner Krankenkasse wiederholt kein Gehör gefunden. „Als ich dann anrief, war das Problem in einer Stunde gelöst.“

Hier sei die Politik in der Verantwortung, betonte Ministerpräsidentin Rehlinger. So habe die Landesregierung das Amt des Beauftragten gegen Rassismus als unabhängige Anlaufstelle etabliert. Darüber hinaus fördere sie Bildungs- und Demokratieprojekte sowie zivilgesellschaftliches Engagement. „Der Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung ist nicht nur eine staatliche, sondern unsere gemeinsame Aufgabe als Gesellschaft. Wir sind froh, dass sich auch andere, darunter die Kirchen, diesem Gedanken verpflichtet fühlen“, sagte sie. Sie nehme in persönlichen Begegnungen wahr, dass Menschen, die sich stark gegen Rassismus engagieren, an persönliche Grenzen stoßen: „Es darf niemand Angst haben, nur weil er Haltung zeigt“, sagte Rehlinger.

„Wir tragen als Kirche als großer Akteur in der Zivilgesellschaft Verantwortung“, sagte Bischof Ackermann. Er verwies auf die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, wonach völkischer Nationalismus und Christentum unvereinbar sind. Es sei Aufgabe der Kirche, mahnend die Stimme zu erheben und gleichzeitig positive Orte zu schaffen, in denen die Integration und das Miteinander gelebt und möglich werden. 

Ökumenischer Schulterschluss für Wahl

Besorgt zeigten sich Ackermann und Magin über verbale Angriffe auf den Magdeburger Bischof Gerhard Feige durch die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt. Magin warnte zudem vor einer Vereinnahmung des christlichen Glaubens durch die Partei: „Die AfD stellt sich gerne als die wahren Christen dar und spricht den Kirchen ab, ,richtige Christen‘ im Sinne der Bibel zu sein. Wir müssen hier klar Position beziehen und uns dagegen wehren, wenn kirchliche Positionen vereinnahmt werden.“ Mit Blick auf die Landtagswahl im Saarland am 18. April 2027 rief er zu einem ökumenischen Schulterschluss auf: „Wir müssen aufstehen für Demokratie und Menschenwürde und vor den Gefahren warnen.“