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Redemptoristenkloster:Ein Gesamtkunstwerk

Der Orgelbauverein Saarlouis hat eine Vortragsreihe organisiert, die sich dem Architekten und Maler György Lehoczky widmet. Dabei stand vor Kurzem das ehemalige Redemptoristenkloster in Bous im Mittelpunkt.
Die Fenster im Chorumgang zeigen einen besonderen Farbverlauf. Die Farbe ändert sich von lionks nach rechts schrittweise von rot nach gelb.
Datum:
15. Aug. 2026
Von:
Sarah Andre-Schött

Bous. Rund 40 Interessierte waren gekommen, um den Ausführungen von Kunsthistoriker Dr. Bernhard Wehlen zu lauschen – aber sicher auch, um zu erfahren, wie es mit dem Gebäudekomplex weitergehen soll, den der Orden 2009 aufgegeben hatte. Dazu war neben den Organisatoren und Wehlen auch Udo Konstroffer vor Ort, Repräsentant der Victors-Unternehmensgruppe, die das Ensemble 2017 für über eine Millionen Euro erworben hatte. „Wir planen ein Aus- und Weiterbildungszentrum für Altenpflegeberufe“, klärte Konstroffer auf. Ähnliche Einrichtungen betreibt die Gruppe bereits in Quierschied und in Friedenweiler im Schwarzwald. Das Gebäude, aber auch die Kirche bleiben dabei dem Victors-Vertreter zufolge erhalten. „Wir haben schon einige Fenster restaurieren lassen, die beschädigt waren. Wir können uns vorstellen, in der Kirche später zum Beispiel Kulturveranstaltungen auszurichten.“  

„Wir haben einen wunderbaren Schatz an Kultur hier bei uns. Viele kennen die Werke, aber nicht den Künstler“

 Jörg Sonnet, Vorsitzender des Orgelbauvereins Saarlouis

Bis es so weit ist und auch die Ausbildungseinrichtung den Betrieb aufnimmt, werde es aber noch dauern. Nun hatten die Besucher erst einmal Gelegenheit, sich mit Kunsthistoriker Wehlen die Arbeit Lehoczkys anzuschauen. 1901 in Ungarn geboren kam dieser 1947 ins Saarland, hatte zunächst aber keine Arbeitserlaubnis als Architekt. Rund fünf Jahre später habe er mit Bous eines seiner ersten Projekte dieser Größenordnung im Saarland umgesetzt. In seiner ungarischen Heimat dagegen habe er bereits zuvor an ähnlichen Komplexen gearbeitet und dort Kirchen und Fabriken errichtet. „Er ist ein breit aufgestellter Künstler und sehr bemerkenswert, was die Qualität angeht“, erklärte Wehlen. Das Bouser Kloster bezeichnete der Experte als „Gesamtkunstwerk“, während er eine kurze Einführung zu Lehoczky gab, der auch das etwas jüngere Kloster Heilig Kreuz in Püttlingen geplant hat.

Besonders hob Wehlen hervor, dass die Klosterkirche erst im September 1951 gebaut und bereits im Dezember 1952 geweiht wurde. „Innerhalb eines Jahres steht dieses Gebäude. Das ist heute eine Fantasiezahl.“ Bei der Ausstattung, die teilweise später dazukam, habe Lehoczky auch mit befreundeten Bildhauern, etwa Nikolaus Simon, zusammengearbeitet, von dem beispielsweise die Mariensäule vor der Kirche stammt.  

Viele der Teilnehmenden verbanden bei dem Rundgang persönliche Erinnerungen mit dem Kloster. So berichtete eine Teilnehmerin, dass ihr Mann früher in der Schule des Klosters als Lehrer gearbeitet habe. Wieder ein anderer Teilnehmer erzählte von seiner Schulzeit bei den Ordensmännern.  

Besonders an Lehoczky sei auch, so Wehlen, dass er für katholische wie evangelische Kirchen tätig gewesen sei. „In den 1960er-Jahren hat sich dann der Zeitgeist verändert und Lehoczky wurde weniger modern. Ende der 1960er hat er die letzten Fenster gestaltet, dann hat er bis zu seinem Tod 1979 nur noch gemalt.“  Die beiden Klöster Bous und Püttlingen seien aber sein Hauptwerk und eine Art Vermächtnis, „weil sie seine Fähigkeiten als Architekt und Maler vereinen“. 

Die Faszination für die Arbeiten Lehoczkys war es auch, die den Orgelbauverein dazu animiert hat, die Vortragsreihe ins Leben zu rufen. „Wir haben einen wunderbaren Schatz an Kultur hier bei uns. Viele kennen die Werke, aber nicht den Künstler“, erklärt Vereinsvorsitzender Jörg Sonnet. Dem wollen die Veranstalter entgegenwirken. Der große Wunsch: Die Reihe soll 2029 in eine größere Lehoczky-Ausstellung münden. 

Info

Im nächsten Teil der Reihe geht es am 7. November in die Stiftskirche St. Arnual. Infos zum Orgelbauverein und den Veranstaltungen gibt es unter www.orgelbauverein-saarlouis.de im Internet.