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Jakobsweg:Pilgern für andere

Ivone Busch, seit 13 Jahren erwerbsunfähig, ist von Mayen aus 2500 Kilometer den Jakobsweg gelaufen. Dabei sammelte sie Spenden zugunsten hilfebedürftiger Menschen.
Ivone Busch bei ihrer Lesung im Caritashaus-Klösterchen in Mayen.
Datum:
28. Okt. 2026
Von:
Elvira Bell

Im Juni 2021 schnürte Ivone Busch (48) ihre Wanderstiefel für ein entbehrungsreiches Abenteuer. Zu Fuß machte sie sich von Mayen aus auf den Weg in das 2500 Kilometer entfernte Santiago de Compostela. Auf dem Rücken ein 23 Kilogramm schwerer Rucksack. Die ersten Kilometer legte sie nicht alleine zurück. Alfred Schomisch, der Anfang 2026 verstorbene Bürgermeister der Verbandsgemeinde Vordereifel, Mayens Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Treis, Heinz Schäfer, der damalige Brudermeister der St.-Matthias-Bruderschaft Mayen, sowie eine Mitpilgerin aus St. Johann begleiteten die Pilgerin aus Arft jeweils ein Stück ihres Weges. 

Fünf Monate war sie ohne Begleitung unterwegs

Danach ging es fünf Monate ohne Begleitung weiter. Busch, die seit 13 Jahren erwerbsunfähig ist, lief nicht für sich selbst. Es war kein egoistischer Trip der gelernten Maler- und Lackiererin. Vielmehr sammelte sie unter dem Motto „Pilgern für andere“ Spenden zugunsten von „RPR Hilft e. V.“ Durch ihren Glauben und den Zusammenhalt der Menschen, die ihr für jeden einzelnen Schritt die Kraft gaben, verbunden, fühlte sie sich ermutigt. Sie erlebte Gastfreundschaft, vom gereichten Glas Wasser über einen Zeltplatz bis hin zu weiteren Übernachtungsmöglichkeiten, die ihr angeboten wurden. 

Auch ihre Stimme wurde unterwegs gehört. In Dorfkirchen, an Wegkreuzen und in großen Kirchen sang die ehemalige Kirchenchorsängerin trotz Corona – für Menschen, denen sie noch nie zuvor begegnet war. So auch im Hohen Dom zu Trier, wo sie 2021 die Morgenmesse mit dem Ave Maria von Johann Sebastian Bach und Charles Gounod sowie dem Panis Angelicus von César Franck bereicherte. Begleitet wurde sie von Domorganist Josef Still an der Orgel, was diesen Moment für sie zu einem tiefen Erlebnis machte. „Es war einfach wunderbar“, schwärmte sie. 

„Tränen flossen und Fremde wurden auf der langen Strecke zu Weggefährten“, berichtet die aus Mittelfranken stammende Christin, die in der Klosterklause im  Caritashaus-Klösterchen in Mayen auf Einladung der Seniorenakademie kürzlich ihr Debütbuchprojekt mit dem Titel „Pilgern für andere“ vorstellte. Das Buch wird wahrscheinlich im November erscheinen. Wie die Autorin berichtet, ist es weit mehr als eine Reisebeschreibung. Das Buch richtet sich an Hilfesuchende, Menschen, die Ermutigung und Hoffnung brauchen, und jene mit spirituellem Interesse.

Reise der Begegnungen und Emotionen

„Ich erzähle von Begegnungen, Musik, Herausforderungen und der Kraft, die entsteht, wenn man sich dem Unbekannten öffnet. Mein Weg auf dem Jakobsweg von Mayen bis nach Santiago de Compostela war nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern eine Reise der Begegnungen und der vielen Emotionen. Es ist ein Blick hinter die Kulissen.“ 

Die Autorin berichtet auch davon, wie Maria, ein kleines Mädchen, ihr eine schlichte Folie entgegenstreckte. Busch dachte zuerst: „Aha, sie bringt mir jetzt vielleicht einen Brief. Und was für einen! Daneben blitzten zwei fünf Euro Scheine hervor und ein kleiner, unscheinbarer, aber wunderschöner Stein. Marla wollte mein Projekt unterstützen. Mit zehn Euro von ihrem eigenen Taschengeld! Dieser kleine Stein, den sie sehr schön bemalt hatte, und das Geld waren ihr bescheidener Beitrag zu einem größeren Ganzen, der für sie offensichtlich eine ganz besondere Bedeutung hatte“, sagt die Autorin. „Ich hatte Tränen in den Augen vor Rührung.“

Es wird auch ein Hörbuch entstehen, das sie selbst einsprechen werde. „Das erste Geld werde ich an die Trierer Tonpost des Bistums Trier, die blinde und sehbehinderten Menschen unterstützt, überweisen“, sagt Busch.

 

Info

730 Menschen standen Ivone Busch auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela, aber auch bei ihrem geplanten Buchprojekt auf irgendeine Weise bei.