Ehemalige Gotteshäuser:Mit vielen Emotionen verbunden

Trier. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz wurden in den vergangenen beiden Jahren bundesweit 112 katholische Kirchen dauerhaft aufgegeben. Doch was macht man mit solchen Gebäuden? Eine Frage, die offenbar viele Menschen umtreibt. Denn der Zuspruch bei der Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Trier, zu der die beiden Organisatoren Katharina Zey-Wortmann und Prof. Dr. Samuel Acloque den mit der Thematik bereits seit zehn Jahren vertrauten Innenarchitekten Felix Hemmers aus Gelsenkirchen eingeladen hatten, war sehr groß.
Tausende von Kirchen werden schließen müssen
Es ist ein Geschäftsfeld, das weiterwachsen wird. Besitzt doch allein die katholische Kirche hierzulande rund 24 000 Kirchen und Kapellen. Angesichts der demographischen Entwicklung werden davon immer weniger für ihren urspünglichen Zweck benötigt. Das Bistum Würzburg etwa plant, mittel- bis langfristig etwa jedes zehnte Gotteshaus zu schließen.
Anlässe wie Taufe, Kommunion, Heirat oder Tod, die untrennbar mit der Kirche verbunden sind, seien mit extrem vielen Emotionen verbunden, betonte der Gast aus dem Ruhrgebiet, – noch deutlich mehr als etwa Fußballstadien. Folglich sei auch die Profanierung einer Kirche „ein sehr emotionales Thema“, erklärte Hemmers. Doch obwohl Kirchen und ihre Ausstattungen zu den wichtigsten Zeugnissen des europäischen Kulturerbes gehörten, sähen sich die christlichen Gemeinschaften immer weniger dazu in der Lage, diesen wertvollen Bestand zu erhalten: Denn die Einnahmen aus der Kirchensteuer sinken, und die Zahl der Gottesdienstbesucher ebenfalls.
Das Thema habe in der jüngeren Vergangenheit eine starke Dynamik erfahren – „noch vor zwölf Jahren war es ein Nischenthema“. Katholische Gemeinden würden zu immer größeren Verbünden zusammengeschlossen, wodurch mehr und mehr Gotteshäuser nicht mehr genutzt und letztlich zum Verkauf angeboten würden. Für viele Gemeinden sei das auf den ersten Blick eher eine Last denn eine Chance.
Allerdings hätten gerade Kirchengebäude oftmals ein besonderes Identifikationspotenzial. In Nordrhein-Westfalen wisse er von Gotteshäusern, die eigentlich zum Abriss bestimmt gewesen seien. Das habe aber nicht geschehen können, weil spontan gegründete religionsübergreifende Initiativen es verhindert hätten. „Sie wollten die Gebäude baulich erhalten, weil sie als Zentren der jeweiligen Viertel wahrgenommen wurden, die als Orte der Identifikation erhalten werden müssten.“
Der hohen Zahl von Kirchenaustritten stehe auf der anderen Seite ein steigendes Bedürfnis nach Spiritualität gegenüber. Für diesen Zweck sind sakrale Gebäude mit ihrer hohen Bauweise ideal geeignet. „Man wird beim Betreten ruhig und findet zu sich“, erklärte Hemmers. Nicht zuletzt deshalb gelte es, bestehende Kirchen möglichst zu erhalten und sinnvoll umzunutzen, anstatt sie abzureißen.
Bei diesbezüglichen Überlegungen gelte es viele Faktoren zu bedenken – angefangen vom Denkmalschutz bis hin zur Nachbarschaftsfrage. „Alle Interessen müssen gebündelt werden.“ Hemmers räumte ein, dass oft ein erheblicher Sanierungsstau an den betreffenden Gebäuden vorliege, der große Investitionen erforderlich mache, weshalb eine wirtschaftliche Betrachtung unumgänglich sei und Lösungen in der Regel nicht ohne wirtschaftlich potente Partner zu bewerkstelligen seien.
Soziale und karitative Nutzung meist akzeptiert
Hemmers Fazit: „Bleibt die Gemeinde im Besitz und versucht zum Beispiel das Gemeindehaus in die Kirche zu integrieren, wird es weniger Kritik aus den eigenen Reihen geben.“ Auch eine Veräußerung an einen karitativen Träger mit anschließender Nutzung zum Beispiel als Altenheim sei in aller Regel noch erklärbar.