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Kardinal Hollerich:Es braucht Zuhören und persönliche Antworten

Er hat Wort gehalten: Nach zwei notwendigen Verschiebungen hat Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich beim „Forum Bürgerkirche“ über aktuelle Herausforderungen für Kirche und Christsein gesprochen.
Zwei Männer sitzen auf einer Bühne und unterhalten sich
Datum:
22. März 2026
Von:
Christine Cüppers

Trier. Nicht zuletzt die „sehr gute Nachbarschaft“ zwischen Luxemburg und Trier habe ihn gerne die Einladung annehmen lassen, über „Herausforderungen für Kirche und Christsein in der heutigen Gesellschaft“ zu sprechen. Dies er widerte Jean-Claude Kardinal Hollerich auf die herzliche Begrüßung durch Bernhard Kaster, Vorsitzender des Kuratoriums Markt- und Bürgerkirche St. Gangolf.

Kontakt zu jungen Menschen halten

Um „meine Zeit verstehen zu können“, bemühe er sich besonders, Kontakt zu jungen Menschen zu halten. „Viele von ihnen fühlen sich unsicher und ängstlich, haben den Sinn des Lebens verloren“, fasste der Erzbischof In halte und Eindrücke aus Gesprächen zusammen. Während die Kirche in seinem Heimatland Luxemburg schon für tot erklärt worden war, sei „gerade bei jungen Leuten eine neue Nachfrage nach Sinn, nach Gott und Religion zu beobachten. Als Kirche müssen wir diese Menschen begleiten können und unsere ureigenste Glaubenserfahrung teilen“.

Unsere Hoffnung ist Gott. Diese Hoffnung müssen wir der Welt vermitteln.

Kardinal Hollerich

Sehr deutlich betonte Hollerich: „Da braucht es persönliche Antworten, nicht solche aus theologischen Büchern.“ Die Kirche müsse sich mit den Menschen auf deren Lebenswege wagen und sich auch unbequemen Fragen stellen. Urwesen der Kirche sei schließlich die Begegnung mit Gott und der Dialog mit einander. „Dabei geht es zuallererst um das Zuhören“, sagte der Jesuit und bekannte, wie schwer das „für uns Pfarrer ist, die wir gewohnt sind, immer Antworten zu wissen“.

Zuhören müsse von Empathie und dem Gernhaben des Gegenübers getragen sein. „Christus tut gerade das“, wenn er etwa Kranken oder der Ehebrecherin begegne. „Da brauchen wir eine Bekehrung der Kirche“, sieht Hollerich als eine der Herausforderungen. Und wenn er Kirche sage, „meine ich uns alle“. Zusammen Kirche zu sein bedeute, „zusammen zu entdecken, wie wir gemeinsam auf dem Weg sind“.

Prägende Zeit in Japan

Über Stationen seines Weges in und mit der Kirche sprach der Kardinal im Dialog mit Markus Leineweber, Diplom-Theologe und Mitglied des Kuratoriums. Be sonders prägend sei die Zeit in Japan gewesen. Dort habe die Suche nach Harmonie den obersten Wert. Eine Erfahrung, von der er besonders in der Aufgabe als Generalrelator (Moderator) bei der Weltsynode profitiert habe.

Angesprochen auf die Spannungen innerhalb der Weltkirche benutzte Hollerich das Bild des Zeltes, das eben nur gehalten wer de, wenn es unter Spannung auf gebaut ist. „Wir sollten diese Spannungen als Chancen sehen“, regte er an. Zur Rolle von Frauen in der Kirche sagte der Erzbischof unter Beifall der Zuhörenden, es seien „große Anstrengungen nötig, damit Frauen spüren, dass sie in der Kirche voll dabei sind“.

In Rom, so stellte er dar, habe sich viel verändert. Er vertraue auf den Heiligen Geist, mit dessen Hilfe noch vieles zu verändern ist. „Unsere Hoffnung ist Gott. Diese Hoffnung müssen wir der Welt vermitteln.“ Mit Blick auf Peter Szemere, Vertreter der jüdischen Gemeinde, appellierte Hollerich, „uns als Christen zu unseren jüdischen Geschwistern zu bekennen“. Antisemitismus in Europa dürfe es nicht geben. Der Abend mit hoffnungsvollen Impulsen für Kirche und Glauben endete mit dem Dank von Pfarrer Markus Nicolay und persönlichen Gesprächen.