Priesterseminar:Antworten für die heutige Zeit

Bevor Thomas Hufschmidt seinen Dienstin Trier angetreten hat, war er fünf Jahre lang Jugendpfarrer in der Kirche der Jugend eli.ja in Saarbrücken. Auf diesem Posten hatte der gebürtige Völklinger viel Freude – und eigentlich die Idee, insgesamt mindestens zehn Jahre dort zu verbringen. „Ich hätte mich nie auf die Stelle als Regens beworben“, gibt er zu. Den noch freue er sich auf die Aufgabe, auch weil es ihm Freude mache, Dinge zu gestalten, Menschen zu begleiten „und jetzt an diesem neuen Ort hier Kirche mitzuentwickeln“.
Die neue Aufgabe gut machen wollen
Nichtsdestotrotz war er von der Anfrage des Bischofs überrascht. Zum einen, weil der 36-Jährige, der selbst während seiner Ausbildung im Priesterseminar in Trier gelebt hat, das Amt des Regens mit eher älteren und damit auch erfahreneren Priestern verbindet. Zum anderen, weil er sich in eli.ja noch nicht an einem Punkt gefühlt hat, an dem es Zeit für Veränderung im Leben wird. Dennoch hat er die Anfrage des Bischofs positiv beantwortet – auch wenn die Entscheidung länger reifen musste als zunächst vereinbart, wie Hufschmidt erzählt. „Aber ich musste erst mal alles sacken lassen, das ganze durchdenken und das Gespräch mit ein paar vertrauten Menschen suchen.“
Seit September hat er nun sein neues Büro bezogen, die offizielle Amtseinführung erfolgt am 4. November. Dann ist Thomas Hufschmidt ganz offiziell der jüngste Regens in Deutschland, wie Dr. Dirk Gärtner, Vorsitzender der Regentenkonferenz, auf Nachfrage des „Paulinus“ bestätigt.
Ich war in Saarbrücken unglaublich gerne Netzwerker. Das möchte ich hier auch sein, aber es wird sicher anders.
Regens Thomas Hufschmidt
Er gehe mit Respekt an seine neue Aufgabe, so Hufschmidt. „Nicht, weil ich Angst davor habe, sondern weil ich sie gut machen möchte.“ Dabei sei auch klar, dass er eine andere Rolle einnehmen muss, als es in eli.ja der Fall war. Vom Jugendpfarrer, der in der Freizeit auch mal mit kurzer Hose mit den Jugendlichen auf Augenhöhe unterwegs ist, hin zum Regens, der in der Hierarchieebene eben doch über den Seminaristen steht.
Hufschmidt ist froh, dass er bei diesem Rollenwechsel nicht alleine gelassen wird. Neben guter Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen im Bischöflichen Generalvikariat, die ihm den Ein stieg erleichtern, und einem, wie er selbst sagt, „Top-Team“ im Priesterseminar kann er auf die Fortbildung „Ausbildung für Ausbilder“ zurückgreifen. Diese bietet die Regentenkonferenz, also der Zusammenschluss der Priesterseminar-Regenten in Deutschland, gemein sam mit der Ordensoberenkonferenz an. „Mein Vorgänger Tim Sturm hatte da eigentlich einen Platz, den konnte ich zum Glück übernehmen.“ Anderthalb Jahre heißt es in mehreren Kurswochen nun: Supervision, Praxisgruppen, Austausch und voneinander so wie miteinander führen lernen.
Netzwerker bleiben – aber anders
Dennoch wird Hufschmidt seine alte Arbeitsstätte vermissen. Vor allem „das Gewusel“, wie er sagt. Gefallen hat ihm das „Mittendrin-Sein“, das Spontane. „Ich war in Saarbrücken unglaublich gerne Netzwerker. Das möchte ich hier auch sein, aber es wird sicher anders. Und die unmittelbare Begegnung in der Seelsorge, das fehlt mir hier auch noch. Da wer de ich mir noch Möglichkeiten suchen müssen.“
Netzwerken ist also eine von Hufschmidts Stärken. Was sieht er an sich selbst noch als Stärke? „Ich bin zielorientiert. Wenn ich ein Ziel sehe, verfolge ich es auch. Außerdem bin ich ein konzeptionell denkender Mensch. Und andere bezeichnen mich immer wieder als empathisch.“ Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten – und wo Stärken sind, sind auch Schwächen. Auch da kann der neue Regens etwas ausmachen: „Ich bin ungeduldig, mit mir selbst und anderen. Da muss ich schauen, dass ich weder mich noch andere überfordere. Außerdem brauche ich meistens Fristen, damit Aufgaben erledigt werden – das führt ab und an zu Stress. Und ich bin nicht gut darin, selbst Pause zu machen. Aber da sehe ich schon, dass ich das ändern muss. Denn ich habe eine Vorbildrolle als Regens.“
Und in der möchte Hufschmidt auch dafür sorgen, dass die Priesteramtskandidaten „milieuüber greifend sprachfähig“ werden. „Es bringt nichts, wenn wir uns absondern. Es braucht die ständige Konfrontation mit der Welt. In der eigenen Blase zu bleiben, bringt die jungen Männer nicht nach vorne. Es gilt, einen Blick für die Lebensrealität der Menschen zu entwickeln“, so der 36-Jährige. In seiner eigenen Seminarzeit habe er manchmal das Gefühl gehabt: Es muss im Priesterseminar immer alles weiterlaufen, wie es läuft. „Das haben wir überwunden, und da möchte ich auch nicht hin zurück. Ich möchte im Dialog mit den jungen Männern schauen, was die Antworten für die Zeit von heute sind.“