„Aktion Osternest“ :Über Religionsgrenzen hinweg

Wittlich/Bernkastel-Kues. Insgesamt 65 Gruppen aus dem Landkreis haben vom 18. Februar bis zum 18. März rund 250 Kisten voller Lebensmittel für die von der Caritas getragene Wittlicher „Tafel“ gesammelt. „Vor allem Kitas und Schulen, aber auch eine Reihe von Gruppen aus den Pfarrgemeinden haben sich an der erstmals durchgeführten Aktion beteiligt“, berichtet Engagemententwicklerin Gabriele Centurioni vom Pastoralen Raum Wittlich.
Für weniger Geldsorgen zu Ostern und am Zuckerfest
Gemeinsam mit dem Pastoralen Raum Bernkastel-Kues, dem Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück und Mitgliedern der Wittlicher Ahmadiyya-Moschee haben vier Kooperationspartner die Fastenzeit und den in diesem Jahr parallelverlaufenden Fastenmonat Ramadan für ihre Sammelaktion gewählt. Mit den Lebensmitteln wollen die Organisatoren möglichst vielen Kundinnen und Kunden der Tafel ermöglichen, „ohne finanzielle Sorgen mit ihren Familien das Osterfest beziehungsweise das muslimische Zuckerfest zu feiern, das nach Abschluss des Fastenmonats begangen wird“.
Bis zu dieser Aktion wusste ich gar nicht, dass es in Wittlich so viele Menschen gibt, die zur ,Tafel‘ gehen müssen – das finde ich traurig.
Eine Realschülerin
Bei einer der Aktionen haben Schülerinnen und Schüler von zwei fünften Klassen der Wittlicher Clara-Viebig-Realschule-plus vor dem Globus-Markt 50 Kisten mit Lebensmittel gesammelt. Innerhalb ihrer Schule kamen weitere 20 Kisten hinzu. „Ich möchte, dass auch andere Kinder, deren Eltern wenig Geld haben, ein schönes Osterfest feiern können“, sagte einer der Jugendlichen über seine Motivation. Ein anderer freute sich darüber, „dass auch die muslimischen Familien mit der Aktion unterstützt werden und ihr Zuckerfest feiern können“.
Eine Realschülerin zeigte sich nachdenklich: „Bis zu dieser Aktion wusste ich gar nicht, dass es in Wittlich so viele Menschen gibt, die zur ,Tafel‘ gehen müssen – das finde ich traurig.“ Laut Ilona Justen von der Wittlicher Einrichtung können derzeit 1200 Personen als Kundinnen und Kunden aufgenommen werden. „Aber es gibt jede Woche mehr Anmeldungen. Die Aktion hilft dabei, dass wir den Neuanmeldungen zusagen können, dass sie zu uns kommen dürfen“, sagt die Koordinatorin.
Die Aktion soll zu einem dauerhaften Projekt werden
Es gebe zudem viele Menschen im Landkreis, die sich ihrer Armut schämten und deshalb gar nicht erst zur Einrichtung gingen. „Gerade ältere Menschen brauchen diese Unterstützung aber häufig, weil sie von ihrer Rente die Lebenshaltungskosten nicht mehr finanzieren können“, erklären die Projekt-Organisatoren. Die „Aktion Osternest“ soll deshalb zu einem dauerhaften Projekt werden, das helfen soll, die Not vieler Menschen in der Region zu lindern. „Wir sind froh und dankbar, dass die Aktion von so vielen Menschen unterstützt wird – generationsübergreifend und sogar interreligiös“, sagen die Kooperationspartner über das Sozialraum-Projekt. Im Vorfeld hatten sie mit Briefen an Kindergärten, Schulen, Pfarreien, Vereine und Bürgermeister dazu eingeladen, sich zu beteiligen. Der Zuspruch belegt nach Auffassung der Verantwortlichen, „dass das Thema Solidarität, Mitmenschlichkeit und Teilen für die Menschen im Kreis kein Fremdwort ist“.