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Optimismus:Optimismus kann man trainieren

Das menschliche Gehirn erinnert sich vorwiegend an negative Erfahrungen. Eine Psychologin erklärt, warum das so ist und wie sich Optimismus dennoch trainieren lässt.
Eine Frau schaut zufrieden auf den Monitor ihres Notebooks.
Datum:
9. März 2026
Von:
KNA

Optimismus kann man trainieren – davon ist Psychologin und Resilienz-Coach Mareike Makosch überzeugt. „Unser Gehirn ist darauf trainiert, sich auf negative Dinge zu konzentrieren, weil es für unsere Vorfahren überlebenswichtig war, Gefahren sofort wahrzunehmen und sich Fehler gut zu merken“, sagte sie in einem in der „Augsburger Allgemeinen“ veröffentlichten Interview. Das Gehirn folge diesem Mechanismus noch heute. „Wir müssen aktiv dagegenhalten, um diese automatische Verzerrung zumindest auszugleichen.“ Makosch äußerte sich angesichts des International Optimist Day am 5. Februar.

Die Psychologin empfahl dafür ein Dankbarkeitstagebuch: „Jeden Abend schreiben wir drei Dinge auf, für die wir an diesem Tag dankbar sind. Was gelang uns besonders gut, worauf sind wir stolz, welche schönen Begegnungen hatten wir heute?“ Wichtig sei, die Hürde niedrig anzusetzen: „Heute Morgen hatte ich einen leckeren Kaffee, ein Mann hat mich in der Bahn angelächelt, mein Kumpel brachte mich zum Lachen. Es geht nicht um die nächste Beförderung oder den Heiratsantrag.“

Wer morgens schon wisse, dass man sich abends solche Dinge notieren wolle, gehe ganz anders durch die Welt und beginne, die Umgebung nach positiven Dingen zu scannen, sagte Makosch. Dadurch nehme man die Welt positiver wahr. Wenn man sich positive Dinge bewusst mache, gehe es einem besser. Eine Grenze sei aber dort, wo Optimismus zur Belastung werde – etwa durch Social-Media-Trends wie „Good Vibes Only“. „Davon bin ich kein Fan. Denn solche Trends suggerieren: Wenn es dir schlecht geht, hast du versagt. Dabei sind all unsere Gefühle wertvoll und haben ihre Berechtigung.“

Auch kulturelle Angebote könnten zum Glücklichsein verhelfen, fügte die Psychologin hinzu: „Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir wollen eingebunden sein in eine Gesellschaft, in eine Familie. Wir wollen das Gefühl haben, wertvoll zu sein.“ Zudem sei es falsch, dass auf der Welt alles schlechter werde, auch wenn viele Menschen diesen Eindruck hätten: „Betrachtet man aber objektiv die Fakten, dann hat sich die Weltlage in den vergangenen zehn Jahren in vielen Punkten verbessert. Weniger Kinder sterben, weniger Menschen leiden Hunger, die Lebenserwartung steigt.“