Ministerbesuch:Nur zwei Gleise und ein Schild

Wer den im vergangenen Jahr reaktivierten Haltepunkt Trier-West in Richtung Mosel verlässt, passiert zu seiner Rechten das Benedikt-Labre-Haus. In diesem bietet der Caritasverband Trier schon seit Jahrzehnten wohnungslosen Männern eine Unterkunft, die Möglichkeit, sich und die eigene Kleidung zu waschen und Verpflegung an. Am 13. März, besuchten die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Maria Welskop-Deffaa, und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) das Haus, das sich im alten Bahnhofsgebäude befindet, und ließen sich die Einrichtung von innen und von außen zeigen.
Nicht nur große Knotenpunkte betrachten
Der Besuch war Teil des Caritas-Projektes „Sozialraum Bahnhof“, mit dem die Caritas einen Beitrag zu sichere ren und saubereren Bahnhöfen leisten will. Das von der Stiftung Mercator finanziell unterstützte Projekt läuft seit März des vergangenen Jahres für insgesamt drei Jahre an 15 Standorten in ganz Deutschland. Welskop-Deffaa erklärte, man wolle das Thema nicht nur an den großen Knotenpunkten angehen, sondern auch dort, „wo nur zwei Gleise den Bahnhof markieren und ein Schild“. Dies sei der Grund, warum man sich für diesen Termin gerade das Benedikt-Labre-Haus als Beispiel ausgesucht habe. Auch solch kleine Bahnhöfe wirkten sich auf den umliegenden sozialen Raum aus.
Wir schauen, dass die Menschen zumindest einen warmen, trockenen Platz zum Schlafen haben.
Einrichtungsleiter Martin Hintz
Nach einer kurzen Begehung des neuen Haltepunktes gab es ei ne Führung durch einige der Räumlichkeiten des Hauses. Besonders eindrücklich für die Arbeit vor Ort waren die Ausführungen von Martin Hintz, Leiter des Benedikt-Labre-Hauses. „Alle Betten sind belegt, und die Menschen, die zusätzlich hier sind, schlafen auf dünnen Matratzen auf dem Boden in dem Raum, in dem wir gleich essen“, beschreibt Hintz die Situation im Haus. „Wir machen das, damit wir niemanden abweisen müssen. Wir schauen, dass die Menschen zumindest einen warmen, trockenen Platz zum Schlafen haben.“ Im Winter seien es durchgängig mehr als dreißig Männer gewesen, die versorgt werden mussten. Dennoch gebe es Personen, die man nicht aufnehmen könne. Gründe dafür seien aggressives Verhalten, psychische Erkrankungen, Drogenkonsum oder auch extreme hygienische Probleme.
Einzelnotlager in Planung
In einem weiteren Raum, den Hintz der Caritaspräsidentin und dem Minister zeigte, sollen sogenannte ENOLA (Einzelnotlager) entstehen. Diese werden künftig über einen separaten Eingang erreichbar sein und genau denjenigen eine Unterkunft bieten, die das Haus bisher abweisen musste. „Die einzige Bedingung, die wir für die ENOLA haben werden, ist, dass die Menschen allein in diesen Kabinen sind“, so Hintz. „Sonst gibt es keinerlei Vorgaben in Richtung Verhalten. Ob jemand drinnen trinkt oder Drogen konsumiert, was man sonst im Haus nicht darf, all das wird in den ENOLA erstmal nicht verboten sein, damit wir keine Hürden haben.“
Minister Schnieder würdigte die Arbeit der Helferinnen und Helfer des Projektes „Sozialraum Bahnhof“ und der Bahnhofsmissionen in ganz Deutschland. Er betonte, dass man auch bei der Deutschen Bahn erkannt habe, dass Bahnhöfe nicht nur Teil der Infrastruktur seien. „Bahnhöfe sind für Millionen von Reisenden jeden Tag der erste Kontaktpunkt mit der Bahn und Ausgangspunkt ihrer Reise – egal ob in den Urlaub oder täglich zur Arbeit“, so der Minister. „Für viele Menschen sind Bahnhöfe aber auch eine Endstation, wenn das Leben sie auf das falsche Gleis gelenkt hat.“