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Lernen:Lernen ohne Druck

Jeden Tag Stress und Streit, wenn die Kinder aus der Schule kommen und die Hausaufgaben anstehen? Die Mentorin Lisa Reinheimer will mit ihrem Ratgeber „Bye Bye Schulstress“ ein gutes Gelingen der Schulzeit ermöglichen.
Schüler sitzt am Computer und arbeitet an seinen Hausaufgaben.
Datum:
16. März 2026
Von:
Christiane Laudage

Das Kind kommt fröhlich aus der Schule nach Hause, macht seine Hausaufgaben und spielt dann glücklich mit anderen Kindern. So sollte es sein  – ist es aber nicht, sagt die ehemalige Lehrerin, Lerncoachin und Autorin Lisa Reinheimer. Schule sei vielmehr die Quelle von Stress, Streit, Sorgen und Unsicherheit in vielen Familien. Wie kommen Familien aus dieser Spirale wieder heraus?

Lisa Reinheimer will mit ihrem neuen Buch „Bye Bye Schulstress“ Eltern und Kindern helfen, die Schulzeit im Frieden miteinander zu überleben. Die Autorin kennt das System Schule als Lehrerin von innen, denn sie hat nach eigenen Angaben in einem Vorstadt-Vorzeigegymnasium gearbeitet, aber auch in einer Brennpunkt-Hauptschule. Seit 2018 ist Reinheimer als Mentorin tätig. Mit der Gründung von „klassenheld“ möchte sie Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder entspannt, positiv und ohne Leistungsdruck durch die Schulzeit zu begleiten.

Gelingende Schulzeit beginnt zu Hause

Was macht denn nach Reinheimers Erfahrungen am meisten Stress beim Thema Schule? Hausaufgaben bestimmten den Nachmittag, Noten beeinflussen die Stimmung. So entstehe schnell das Gefühl, Schule habe die Kontrolle über das Familienleben übernommen, wie ihr Eltern geschildert haben. Dabei beginnt nach ihrer Erkenntnis eine gelingende Schulzeit nicht im Klassenzimmer, sondern zu Hause, genauer gesagt bei den Eltern.
Viele Eltern erleben die Schulzeit ihres Kindes nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch durch die Brille ihrer eigenen Erfahrungen, so Reinheimer. Alte Gefühle von Leistungsdruck, Angst vor Fehlern oder der Wunsch, „gut genug“ zu sein, würden unbewusst reaktiviert. Reinheimer spricht in diesem Zusammenhang von „Kreidestaub“, der sich auf den Familienalltag lege und Stress verstärke. Sich dieser Zusammenhänge bewusst zu werden, sei kein Zeichen von Schuld, sondern von Verantwortung.

Reinheimer rät den Eltern, klar zu unterscheiden zwischen dem, was sie beeinflussen können, und dem, was außerhalb ihres Einflussbereichs liege. Lehrpläne, Notensysteme oder die Zusammensetzung der Klasse ließen sich kaum steuern, wohl aber Sprache, Reaktionen und Prioritäten im Familienalltag. Ein Kind, das erlebe, dass seine Eltern auch bei Rückschlägen ruhig blieben und Vertrauen ausstrahlten, entwickele mehr Selbstwirksamkeit und Lernfreude.

Stärken wahrnehmen  für Motivation von innen

Wenn Kinder vor allem über das definiert werden, was sie noch nicht können, entstehe Druck, sagt Lisa Reinheimer. Würden dagegen ihre Stärken wahrgenommen und benannt, wachse Motivation von innen heraus. Das bedeute nicht, so die Autorin, Schwierigkeiten zu ignorieren, sondern sie in Relation zu setzen und dem Kind zu vermitteln: „Du bist mehr als deine Note“. Damit das Geschrei und Türenschlagen bei den Hausaufgaben ein Ende findet, hat die Lerncoachin praktische Übungen für Eltern entwickelt und gibt ihnen zusätzlich elf „Gamechanger“ an die Hand. So kann nach ihren Erfahrungen Lernen emotional positiv besetzt und nicht als Drucksituation erlebt werden. Gleichzeitig können die Gamechanger Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit einüben.

Eltern dürfen dabei auch gut für sich selbst sorgen: Pausen, Gelassenheit und Mitgefühl mit den eigenen Grenzen sind Voraussetzung für eine stabile Begleitung, betont die Lerncoachin.

Service

Lisa Reinheimer, Bye Bye Schulstress. Verlag Beltz, Weinheim 2026, 217 Seiten, 20 Euro.