Benefizaktion:Kraftakt für die „stillen Helden“

Wadern/Saarbrücken. Genau 3150 Euro lautete am Ende die Summe auf dem Scheck, den Scherer einige Wochen nach dem Rennen bei einem Besuch in der Zentrale des Kinderhospiz- und Palliativteams in Saarbrücken an Koordinatorin Ruth Dalstein überreichte.
Die Einrichtung, bei der mehrere katholische Träger der Hospizarbeit im Saarland zusammenarbeiten, liegt dem freiwilligen Feuerwehrmann schon länger am Herzen: „In unserem Ehrenamt erleben meine Kameraden und ich immer wieder, wie zerbrechlich das Leben ist. In manchen Momenten braucht es Menschen, die einfach da sind – wie die Mitarbeiter des Kinderhospiz- und Palliativteams. Sie begleiten Familien mit schwerkranken Kindern – mit Herz, Zeit und offenen Ohren. Sie sind da, wenn Worte fehlen, wenn die Hoffnung schwindet und der Schmerz überwiegt“, erklärt Scherer.
„Es war eine mentale und körperliche Prüfung. Aber ich wusste, für wen ich das tue, und das hat mir geholfen.“
Hagen Scherer
Die Fachkräfte der Einrichtung seien für ihn „stille Heldinnen und Helden“, die den betroffenen Kindern und Jugendlichen nicht nur Zeit und Aufmerksamkeit schenkten, sondern ihren Familien in schwerster Zeit auch einen Raum für Trauer, Gespräche und Zusammenhalt. „Diese Arbeit ist alles andere als selbstverständlich, aber von unschätzbarem Wert. Daher war es mir wichtig, ein Zeichen der Solidarität zu setzen und auf das Schicksal der schwerkranken Kinder und ihrer Familien aufmerksam zu machen“, sagt Scherer. Das Engagement des Kinderhospiz- und Palliativteams zu unterstützen sei ihm eine Ehre.
Ein Feuerwehrkamerad war auf dem Fahrrad mit dabei
Beim Stadtlauf im Juni war Scherer die zehn Kilometer lange Strecke bei drückender Hitze von mehr als 34 Grad in kompletter Schutzausrüstung gelaufen, die allein rund zehn Kilo wiegt. Begleitet wurde er während des Rennens von seinem Feuerwehrkameraden Michael Hoff, der auf dem Fahrrad mitfuhr: „Michael hat während des gesamten Laufs darauf geachtet, dass meine Sicherheit gewährleistet war, und mich immer wieder zum Weitermachen motiviert.“
Durch die Hitze und die schwere Ausrüstung sei die körperliche Belastung enorm gewesen. „Es war eine mentale und körperliche Prüfung. Aber ich wusste, für wen ich das tue, und das hat mir geholfen.“ Der Gedanke an die Kinder und Familien, die tagtäglich mit den schwersten Krankheiten zu kämpfen hätten, sei die größte Motivation gewesen. „Ich habe gelitten, aber ich wusste, dass ich nur einen Bruchteil des Schmerzes ertragen muss, den diese Menschen täglich erleben. Das hat mir die Kraft zum Durchhalten gegeben.“
Der Lauf war Teil einer umfassenden Spendenkampagne, die Scherer über die Internetplattform „Goodcrowd“ ins Leben gerufen hatte. Außerdem hatte er vor dem Stadtlauf in Wadern rund 5000 Hinweiszettel verteilt, um dabei auch persönlich mit Menschen in Kontakt zu kommen und sie auf die Aktion aufmerksam zu machen. Über „Goodcrowd“ kamen 2745 Euro zusammen. Die ersten 1000 Euro verdoppelte Scherer aus eigener Tasche, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Später stockte er den Betrag zusätzlich auf, um das angestrebte Ziel von 3000 Euro zu erreichen. Weitere 150 Euro gingen direkt an das Kinderhospizteam – so erklärt sich die etwas krumme Gesamtsumme auf dem Spendenscheck.
In Kanada in voller Montur 57 Stockwerke hochgerannt
Die Benefizaktion war nicht die erste des sportlichen Waderners: Unter anderem nahm er bereits an Wettkämpfen teil, bei denen Feuerwehrleute in voller Montur samt brutal schwerer Atemschutzausrüstung die Treppen von Wolkenkratzern hochsprinten – wie erst vor wenigen Wochen im kanadischen Calgary, wo er in 27 Minuten rund 1400 Stufen und 57 Stockwerke hochrannte. Das gesammelte Geld war dort für krebskranke Feuerwehrkameraden bestimmt.