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Weiheämter:In „Tippelschritten“ ans Ziel

Die Benediktinerin Philippa Rath setzt sich seit Jahren für Weiheämter von Frauen in der katholischen Kirche ein. In Vorträgen in Wittlich und Trier hat sie von kleinen Fortschritten berichtet – und von der Hoffnung, die sie mit Papst Leo XIV. verbindet.
Die Benediktinerin Philippa Rath ist beim „Samstagabendgespräch“ zu Gast in der Autobahnkirche St. Paul in Wittlich.
Datum:
5. März 2026
Von:
Stefan Endres

Wittlich/Trier. Über einhundert Besucherinnen und Besucher haben das „Samstagabendgespräch“ in der Wittlicher Autobahn- und Radwegekirche St. Paul besucht. Das starke Interesse vieler Gläubigen zeige die Bedeutung der sogenannten „Frauenfrage“, die nach Einschätzung der Referentin zur „wesentlichen Zukunftsfrage unserer Kirche geworden ist“. Am nächsten Tag hielt Schwester Philippa Rath ihren Vortrag beim Theologischen Quartett in Trier mit ebenfalls großer Resonanz. 

Die fehlende Geschlechtergerechtigkeit kirchlicher Ämter sei für viele ein „Ärgernis“, das weltweit Frauen aus der Kirche treibe. Das Thema der „strukturellen Benachteiligung von Frauen“ habe deshalb – neben dem des sexuellen Missbrauchs – im Mittelpunkt des kürzlich beendeten Synodalen Wegs gestanden, berichtete Rath. „Heute, gut sechs Jahre nach dessen Start, bin ich mir sicher, dass sich der Einsatz gelohnt und sich sehr vieles geändert hat“, sagte die Ordensfrau aus der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. 

Bewusstseinswandel ist ein „beachtlicher Erfolg“

Trotz vieler Enttäuschungen auf diesem Weg sei der Bewusstseinswandel in Bezug auf die Frauenfrage ein „beachtlicher Erfolg“, meinte Schwester Philippa Rath, die als Vertreterin der Deutschen Ordensoberenkonferenz am Synodalen Weg und in dessen Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ mitwirkte. Zur Sensibilisierung in der für die Kirche „überlebenswichtigen Frauenfrage“ hätten auch ihre beiden vielbeachteten Bücher beigetragen. 

Das erste, 2021 erschienen, gibt die Bekenntnisse von 150 Frauen wieder, die von ihren Berufungen zur Priesterin oder Diakonin erzählen. Im zweiten Band mit dem Titel „Frauen ins Amt“ legen über einhundert Männer der Kirche ein Plädoyer für die Weihe von Frauen ab. „Nicht wenige Bischöfe bekennen sich heute offen zur Frauenweihe und setzen sich dafür ein“, resümierte die Hildegard-Expertin. 

Der Grundtext des Frauenforums für Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche habe 93 Prozent Zustimmung erhalten und sei inzwischen in aller Welt rezipiert worden. Konkrete Handlungstexte des Frauenforums – darunter jene zum „Diakonat der Frau“ und zu „Frauen im sakramentalen Amt“ – seien im Synodalen Ausschuss, dem Nachfolgegremium des Synodalen Wegs, verabschiedet worden. 

Auch die unter Papst Franziskus gestartete und „vom Synodalen Weg angestoßene“ Weltsynode der Jahre 2021 bis 2024 habe gezeigt, „dass die Fragen keine deutschen Sonderthemen sind, sondern weltweit als dringend notwendige Reformthemen betrachtet werden“, bemerkte die Theologin, Historikerin und Politikwissenschaftlerin. Das Abschlussdokument der Weltsynode bezeichne die Frage des Zugangs von Frauen zum diakonischen Amt als „offen“ und spreche von einem „Unterscheidungsprozess, der fortgesetzt“ werden müsse. 

Papst Leo weckt auch Hoffnung

Diese Ungewissheiten seien aber kein Dämpfer, sondern ein „Fortschritt“ und „Tippelschritte, die irgendwann zum Ziel kommen“. Papst Leo XIV. wolle zwar mit Blick auf die Ordination von Diakoninnen die Lehre der Kirche „derzeit“ und „auf absehbare Zeit“ nicht ändern. Er wecke aber auch Hoffnung, befindet die 70-jährige Ordensfrau. Nach Leos Worten bestehe das „Problem nicht darin, dass es keine Möglichkeiten“ für eine Frauenordination gebe, sondern in der Existenz „kultureller Hindernisse“ in der Weltkirche. 

Probleme und Erfolge thematisiert

„Das hat mich hoch erfreut“, erklärte Rath. Sie schließt daraus auf das Fehlen dogmatischer Hindernisse und hofft auf die Zulassung regional unterschiedlicher Wege in der Frauenfrage. „Die Kirche hat sich in den letzten fünf Jahren sehr geändert und wird es weiterhin tun“, erläuterte die Referentin mit einer Zuversicht, die mehrere Teilnehmende allerdings nicht teilen wollten. Thematisiert wurden im Publikum auch eine noch immer problematische männliche „Klerikalisierung“ – aber auch Erfolge, wie der vom Bistum Trier geduldete „Predigerinnentag“ für pastorale Mitarbeiterinnen.