Theologisches Quartett:„Brauchen eine Kultur der Mitmenschlichkeit“

Trier. Die Anglistin und Ägyptologin, deren Vater Theologieprofessor war, hatte gemeinsam mit ihrem 2024 verstorbenen Mann Jan den Bestseller „Gemeinsinn. Der sechste soziale Sinn“ geschrieben. Das Ehepaar wurde mit etlichen Auszeichnungen geehrt, darunter 2018 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Als sich die ehemalige Forscherin der Universität Konstanz und ihr Mann 2020 mit dem Begriff Gemeinsinn zu beschäftigen begannen, hielten die Uni-Kollegen diesen für „altbacken“. Doch Assmann ist es wichtig, „dem Begriff neues Gewicht in der Gegenwart zu verleihen“. Er sei kein Fachterminus, sondern für jeden verständlich und frei zugänglich, erklärte die 78-Jährige. In der heutigen Kultur stehe „das autonome Ich“ im Mittelpunkt. Dabei sei die Annahme, als Mensch autonom zu sein, eine Utopie. „Wir sind eine alternde Gesellschaft und brauchen eine Kultur der Mitmenschlichkeit“, betonte Assmann. Mit Sorge blickte sie auf die aktuell bedrohte Demokratie. Neben der Rechtsstaatlichkeit bilde die Gesellschaft eine wesentliche Säule zu ihrer Aufrechterhaltung.
Sie selbst habe „immer schon mitreden“ wollen, was als Mutter von fünf Kindern nicht immer einfach und selbstverständlich gewesen sei. Durch die Möglichkeiten der Veröffentlichung, Verbreitung und Vervielfältigung sei das „Mitreden“ von jedermann ins Unermessliche gesteigert. Das Problem an der Sache sei nur: „Das Gute geht nicht viral.“
Sich nicht nur empören, sondern auch etwas tun
Wenn Assmann sagt, dass der Gemeinsinn wieder modern werden sollte, ist ihr bewusst, dass nicht alle über diesen „sechsten Sinn“ Bescheid wissen: „Es geht um das, was wir einsammeln könnten – die Potentiale des Gemeinsinns.“ Dazu gehöre auch, dass man etwas tue und sich nicht nur empöre.
Für die Professorin war der Aufenthalt in Trier etwas Besonderes. „Es löst in mir ein Glücksgefühl aus, wenn ich in einer Stadt bin, die eine europäische Ausrichtung hat.“ Auch das Publikum habe bei ihr einen „sehr lebendigen Eindruck“ hinterlassen. „Das hat richtig Spaß gemacht“, erklärte sie.
Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag durch eine Abordnung des Trierer Uni-Orchesters.
Das Theologische Quartett lädt über das Jahr verteilt zu Sontagsmatineen ins Palais Walderdorff ein. Aktuell besteht es aus 35 Mitgliedern und freut sich über Interessierte, die sich engagieren und dazukommen möchten.