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Theologischen Quartett :Begegnung auf Augenhöhe

Unter dem Titel „Koran trifft Bibel“ hat Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik, in Trier beim Theologischen Quartett gesprochen.
Mouhanad Khorchide hält seinen Vortrag beim Theologischen Quartett Trier.
Datum:
2. Apr. 2026
Von:
Kathrin Schmitt

Trier. Mouhanad Khorchide hat selbst schon sehr viel Hass erfahren. Seine Großeltern mussten aus Palästina in den Libanon fliehen. Seine Eltern zogen von dort weiter nach Riad in Saudi-Arabien, wo Khorchide mit zwei Geschwistern aufwuchs. Als Ausländer durfte er dort nicht studieren. Er lernte Deutsch, um später in Deutschland die Universität besuchen zu können. Doch als Staatenloser erhielt er kein Visum und entschied sich für Österreich.  

Wenn ich Menschen frage, wer Mohammed gewesen ist und ob er noch lebt, können viele mir diese Fragen gar nicht beantworten.

Mouhanad Khorchide

Heute ist der 54-Jährige Universitätsprofessor in Münster. Das Theologische Quartett Trier (TQT) hatte den Leiter des Zentrums für Islamische Theologie und Professor für Islamische Religionspädagogik eingeladen, über das Thema „Koran trifft Bibel. Wie kommen wir miteinander aus?“ zu sprechen. Am Abend vorher war er in der Autobahn- und Radwegekirche St. Paul in Wittlich zu Gast.

Unter den fast 100 Besuchern des Vortrags im Palais Walderdorff war kein Vertreter einer islamischen Gemeinde, stellte der Referent fest. „Das finde ich schade, es ist aber fast die Regel“, kommentierte er diesen Umstand. Aber: Eine Streife der Polizei Trier sorgte für die Sicherheit des Publikums und des Referenten.

Entscheidend für den Dialog zwischen Christentum und Islam ist für den Wissenschaftler das Gottesbild. „Wenn ich jemanden liebe, weil er ein schönes Auto oder schöne Haare hat, dann ist es keine echte Liebe“, sagt er. So verhalte es sich mit Gott, der bedingungslos liebt und barmherzig ist. Das verbinde beide Religionen. 

Im Islam setze sich allerdings häufiger das Bild eines restriktiven Gottes durch. Nehme man den Koran als Quelle, so müsse man diesen immer im Kontext seiner Zeit verstehen. „Aber wer liest wirklich im Koran?“, hinterfragt Khorchide kritisch. Damit spricht er einen wesentlichen Punkt an: „Wenn ich Menschen frage, wer Mohammed gewesen ist und ob er noch lebt, können viele mir diese Fragen gar nicht beantworten.“ 

Im Rahmen des Programms „Demokratie erleben – Achtung und Toleranz in unserer vielfältigen Gesellschaft“ in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen kümmerte sich der Professor eine Zeit lang neben seinem Hauptberuf um radikalisierte Häftlinge in Justizvollzuganstalten, um diese zu „deradikalisieren“. Oft stecke hinter deren Straffälligkeit ein Narrativ, weiß der Referent. Die jungen Menschen würden durch anti-westliche Erzählungen angesprochen und identifizierten sich durch dieses Feindbild mit dem Islam. 

Häufig seien es junge Menschen mit Migrationshintergrund, die sich weder in ihrem Herkunftsland noch in Deutschland beheimatet fühlten. Dabei betont Khorchide, dass es wohl kaum ein Land gebe, „das uns Muslime unsere Religion so frei ausleben lässt, wie Deutschland. Wir haben mehr als 2000 Moscheen hier. Aber Islamisten fokussieren sich lieber auf Negatives, obwohl es viel Positives gibt“. So werde in Gefängnissen etwa auf den Ramadan Rücksicht genommen oder ein Gebetsteppich zur Verfügung gestellt.  

Um in Zukunft den Narrativen zu begegnen und so der Radikalisierung junger Menschen vorzubeugen, verweist Khorchide auf die Vermittlung von Medienkompetenz. Nur dadurch werde ein differenziertes Urteilsvermögen gefördert. Werde Religion nur genutzt, um Hass zu verbreiten, sei der Glaube keine Ressource, sondern ein Instrument der Macht. 

Den musikalischen Rahmen gestaltete eine Abordnung des Uniorchesters. Das Theologische Quartett lädt regelmäßig zur Sonntagsmatinee mit Gästen aus Kirche und Gesellschaft ein. Unter www.tqt-trier.de ist voraussichtlich ab Juni das neue Programm im Internet zu finden.