Paulinus - Wochenzeitung im Bistum Trier

Paulinus - Kopfbereich:

Paulinus - Inhalt:
Paulinus - Hauptinhalt:
„Wir gehen raus und holen rein“

Foto: Harald Oppitz/KNA
Paul (rechts) freut sich gemeinsam mit einer Betreuerin und deren Tochter über das Basteln in der Behinderteneinrichtung Sankt Vincenzstift in Rüdesheim.

„Wir gehen raus und holen rein“

Von: Hannah Schmitz | 14. April 2024
Im Sankt Vincenzstift im hessischen Rüdesheim am Rhein wird am 13. April die ökumenische „Woche für das Leben“ eröffnet. Mehrere Hundert Menschen mit Behinderungen lernen, leben und arbeiten hier. Ein Ortsbesuch.

Drei Tische sind in dem Raum vom Kinder- und Jugendtreff aufgestellt, an jedem wird gebastelt. Elaine, fast 14 Jahre alt, malt gerade einen Hasen auf ein Glasgefäß. Es soll eine Vase werden; die gelben und roten Rosen zum Befüllen hat Treff-Leiter Daniel Becker schon mitgebracht. „Ist der Hase ganz braun?“, fragt Elaine eine Übungsleiterin und schaut sie mit großen, geschminkten Augen an. Später malt sie dem Hasen noch einen weißen Bauch.

Am Nebentisch sitzt Paul in seinem Rollstuhl, den Speichenschutz zieren rote Ferraris. Die Begeisterung des Grundschülers ist ansteckend, etwa für die Kamera des Fotografen. Immer wieder schaut Paul sich um, bis er ihn neu entdeckt hat. Als der Fotograf einmal in die Knie geht, um mit ausgefahrenem Objektiv auf Augenhöhe ein Bild zu schießen, klatscht Paul in die Hände, lacht und zeigt auf ihn. Seine Freude ist mitreißend, auch ohne Worte.

Hier leben mehrere Hundert Menschen

Der Kinder- und Jugendtreff (KiJu) gehört zum Sankt Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen im hessischen Rheingau, mitten im Weinanbaugebiet. Hier leben mehrere Hundert Menschen mit Behinderungen – der jüngste ist zwei Jahre alt, der älteste 85 Jahre. Sie gehen auf dem weitläufigen Gelände in den Kindergarten oder in die Schule, wohnen und leben hier – oder arbeiten. Zum Beispiel in einer hauseigenen Wäscherei, in Werkstätten auf dem Gelände, im Dorfladen und auch auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt: So gibt es laut Stift einige Menschen mit Behinderungen, die als reguläre Kräfte im nahen Klostercafé der Benediktinerinnenabtei Sankt Hildegard tätig sind.

Am 13. April soll im Vincenzstift die „Woche für das Leben“ eröffnet werden, eine gemeinsame Aktion der katholischen und evangelischen Kirche. Sie wollen damit einen „Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens“ leisten, wie es etwas umständlich auf der Website heißt. Dieses Jahr lautet das Motto „Generation Z(ukunft): Gemeinsam. Verschieden. Gut“ und soll die Lebenswirklichkeiten Jugendlicher und junger Erwachsener mit Behinderungen in den Mittelpunkt stellen. Das Bistum Limburg, in dessen Bezirk auch das Stift liegt, lädt ein. Beide Kirchen erklären, dass das Stift als Eröffnungsort ausgewählt wurde, weil es das Leben von Menschen mit Behinderung eben in ganz besonderer Weise präge.
Caspar Söling, Sprecher der Geschäftsführung des Vincenzstifts, fällt noch ein anderer Grund ein: „Wir repräsentieren die Geschichte der ganzen Eingliederungshilfe: von der Fürsorge zu Beginn zum Anstaltsparadigma über das sonderpädagogische Zentrum bis zur Inklusion heute.“ Der Geschäftsführer ergänzt gleich, dass dazu auch die „Tiefen“ gehörten: Im Stift gab es zwischen 1945 und 1970 zahlreiche Fälle von Missbrauch bei den Heimkindern. „Noch heute melden sich Menschen, die uns davon berichten“, sagt Söling. Er war der erste, der Anfang der 2010er Jahre konsequent und auch gegen Widerstände anfing, aufzuarbeiten und es bis heute tut, heißt es in Rüdesheim.

Die „Eintrittskarte“ in das Stift, das 1885 zunächst für Waisenkinder gegründet wurde, sich aber schon 1893 für behinderte Menschen öffnete, ist eine geistige Behinderung. Die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner haben häufig eine Mehrfachbehinderung, sind zum Beispiel auch körperlich eingeschränkt. Manchen merkt man ihre Behinderung auf den ersten Blick hingegen gar nicht an.

So wie Ali, mit einer großen Brille auf der Nase, der heute eine Vase für seine Mutter bastelt. „Die hat im Mai Geburtstag“, erklärt er. Als er mit seiner ersten Vase fertig ist – er hat kräftig Salzteig um das Glas gewickelt und Glassteine angedrückt – zeigt der Neunjährige sie seinem Kumpel: „Pauli, alles gut? Schau mal, mein Glas!“ Paul macht deutlich, dass er jetzt auch unbedingt mit Salzteig basteln will. Gemeinsam mit Treff-Leiter Becker rührt er eine neue Portion an.

[…]




Paulinus - Marginalinhalt:

Im Blickpunkt

„Paulinus“-Leserreise 2024

Die nächste „Paulinus“-Leserreise führt vom 28. September bis 5. Oktober nach Kroatien. Die dalmatinische Küste Kroatiens zählt zu einer der malerischsten Europas. Unzählige vorgelagerte Inseln, herrlich verträumte Buchten, ein kristallklares Meer sowie die einzigartigen Städte Dubrovnik, Split und Trogir (deren Altstädte stehen unter dem Schutz der Unesco) werden Sie verzaubern.


Lebensberatung im Paulinus

An dieser Stelle beantworten regelmäßig Lebensberaterinnen und -berater aus den Einrichtungen des Bistums Trier Fragen zu verschiedenen „Problemfeldern“ des Lebens, zum Beispiel aus den Bereichen Erziehung, Ehe oder Familie. Wenn Sie zu einem Problem Beratung oder Antworten suchen, können Sie sich entweder an die „Paulinus“-Redaktion, Postfach 3130, 54221 Trier, oder direkt an die Lebensberatungsstellen im Bistum Trier wenden. Viele Paulinus-Beiträge aus der Praxis der Lebensberater finden Sie im Paulinus-Archiv/Lebensberatung.


Einfach Leben

Ein eigenes Haus, ein Auto, regelmäßiger Urlaub, Fernreisen, ein möglichst gut gefülltes Bankkonto. So sah lange Zeit der Traum vom Wohlstand aus. Doch immer mehr setzt sich heute die Erkenntnis durch: „Viel haben“ heißt noch nicht „gut leben“, und „weniger ist vielleicht mehr“. In Zusammenarbeit mit Barbara Schartz vom Themenschwerpunkt Schöpfung bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum beleuchten wir das Thema in einer lockeren Serie und stellen Menschen vor, die für Veränderung eintreten oder anders leben.


Synode im Bistum Trier

Die Synode wurde am 29. Juni 2012 von Bischof Ackermann ausgerufen. Die Trierer Bistumssynode hat ihr Abschlussdokument „heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ am 30. April 2016 verabschiedet.



Video

  • Priesterweihe 2024
    Am 18. Mai wird Bischof Dr. Stephan Ackermann um 10 Uhr im Hohen Dom zu Trier drei Diakone zu Priestern weihen. Einer davon ist Adrian Sasmaz. Im Video erzählt er, warum er Priester werden möchte und worauf er sich nach der Weihe besonders freut (Video: Sarah Schött).
  • Miss Germany im Kloster Püttlingen
    Früher war es ein reiner Schönheitswettbewerb, heute gehe es mehr und mehr um Inhalte, erklärt Kira Geiss. Die 21 Jahre alte „Miss Germany 2023” hat im Kloster Heilig Kreuz in Püttlingen im Rahmen der Veranstaltung „Miss Germany meets Jesus“ über ihren Lebens- und Glaubensweg berichtet. Der Abend stand unter dem Motto „Wofür brennst Du?“ (Video: Sarah Schött)
  • Neues Domkreuz
    Rechtzeitig zum Jubiläum der Wiederweihe des Trierer Doms ist es an Ort und Stelle: das neue Kreuz auf der Heiltumskammer.
  • Alois Peitz über die Domrenovierung
    Wer Erinnerungen an die Domrenovierung sucht, sollte unbedingt mit Alois Peitz sprechen. Der Architekt sprudelt nur so über von Fakten und Geschichten. Als Geschäftsführer der Dombau-Kommissionen hatte er große Verantwortung (Video: Christine Cüppers).
  • Forum Engagement
    Zusammen haben sie das Forum Engagement als "Zugabe" zu den Heilig-Rock-Tagen organisiert: Marianna Barachino, Michaela Tholl, Elke Müller, Dr. Thomas Fößel, Melanie Engelmann und Stefan Nober (von links) freuen sich auf viele interessierte Gäste am 27. April (Video: Christine Cüppers).
  • Weitere Videos
    Weitere Videos des Paulinus finden sich auf www.youtube.com/PaulinusTrier




Paulinus - Fuss: