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Was Weihnachten 2021 bedeutet

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„Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit. Amen.“

Was Weihnachten 2021 bedeutet

Von: Georg Bätzing | 21. Dezember 2021
Was Weihnachten 2021 bedeutet: Die Nachrichten werden es uns sagen, etwa so: Beide großen Kirchen riefen in ihren Weihnachtsgottesdiensten zu Besonnenheit und Verständnis angesichts der andauernden Corona-Lage auf. In Rom forderte Papst Franziskus, Gott Aufmerksamkeit zu schenken, der sich in den vielen Menschen zeige, die in schwierigen Verhältnissen lebten. Die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland betonte, wie wichtig die Botschaft des Friedens sei in Zeiten von Krieg und Terror. Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz erinnerte daran, die Betroffenen der Flutkatastrophe an der Ahr und in Nordrhein-Westfalen nicht zu vergessen. In Trier, in Hanau, in Halle und andernorts wurde angesichts der heimtückischen Anschläge der jüngsten Zeit ein entschiedenes Auftreten gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtspopulismus angemahnt.

Weihnachten fordert Veränderung

So ähnlich werden wir es am Weihnachtsabend hören. Die Journalisten werden versuchen, die „Sache“ von Weihnachten auf den Punkt zu bringen, sozusagen den Summenstrich zu ziehen und die „Moral von der Geschicht“ zu benennen. Und sie haben recht: „Wär’ Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir: du bliebest doch in Ewigkeit verloren“, hat schon im 17. Jahrhundert der Schlesier Johannes Scheffler, besser bekannt als Angelus Silesius, gedichtet. Und ich überziehe wohl nicht, wenn ich es so deute: Weihnachten fordert Konsequenzen. Denn dieses Fest will die Welt verändern, die in all den vielen Facetten von Not, Unrecht und Zukunftsängsten nach Lösungen und nach Erlösung schreit. Wie sollte das anders gehen, als dass wir bei uns selbst anfangen.

Und doch empfinde ich bei dieser Nachrichtenlage eine gewisse Unruhe. Ist das unser Weihnachten? Mehr Pflicht als Fest? Mehr Gewissenserforschung als herzliche Freude? Mehr Mahnung als Ermutigung? Mehr Ansage als Frohe Botschaft? Ist das die zutreffende Übersetzung des Geburtsfestes Jesu ins öffentliche Bewusstsein hinein – in einen allgemeinen Verständnishorizont, den alle verstehen und alle teilen können, auch wenn sie nicht gläubig sind?

Ich zweifle. Ja, ich finde: das alles ist auch Weihnachten, aber Weihnachten ohne Glanz und ohne Reiz, weil das Eigentliche ungesagt blieb. Wer würde sich durch solche Nachrichten schon animieren lassen, mehr von Jesus und mehr über unseren Glauben erfahren zu wollen? So eher nicht.

Einen Menschen, der sucht und fragt, was es mit Jesus und seinem Geburtstag auf sich hat, dem rate ich gerne, neben der bekannten Weihnachtserzählung auch einmal den Anfang des Johannes- Evangeliums (Joh 1, 1–18) aufzuschlagen und ihn auf sich wirken zu lassen; den Evangelienabschnitt, der am Weihnachtstag selbst in den Gottesdiensten gelesen wird.

Ein Lied der besonderen Art

Denn dieser kunstvolle Text, mehr Lied als Prosa, mal hymnisch, mal erzählend, klingt so ganz anders als die Geburtsgeschichte des Evangelisten Lukas (Lk 2, 1–14), die unsere inneren Bilder von Weihnachten ebenso stark geprägt hat wie alle Weihnachtsmusik und die Krippendarstellungen. Der Prolog, mit dem Johannes sein Evangelium eröffnet, bleibt nicht bei den sichtbaren Ereignissen um die Geburt Jesu stehen. Er verfolgt seine Herkunft bis in die geheimnisvollen Tiefen Gottes hinein. Erst kurz vor Schluss klingt der Name „Jesus Christus“ an, um den sich alles dreht. Zuvor sind es Bilder, die beschreiben, wie einzigartig dieser Mensch ist, wie außerordentlich seine Stellung im Universum, wie zentral seine Bedeutung in der Geschichte für alle Zeiten und alle Menschen. Er ist „das Wort“, das Gott in seiner Weisheit ganz zu Anfang gesprochen hat, um aus dem Nichts eine wunderbar vielfältige Schöpfung hervorzulocken (vgl. Gen 1, 3). Er ist das Licht, ohne das kein Leben sein kann – und das uns den Weg und den Sinn unseres Daseins ausleuchtet. Er ist das Leben – alles Lebendige ist in ihm, durch ihn, aus ihm. Er ist der Sohn, der Einzige – er ruht am Herzen Gottes. Und er weiß, für wen dieses Herz schlägt.

Bevor der Verfasser, wie er selbst schreibt, Zeichen sammelt und aufschreibt, die Jesus vor den Augen seiner Jünger getan hat, „damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20, 31), komponiert er eine Ouvertüre und erzählt vom Ursprung des göttlichen Wortes, von seinem Geschick in der Welt und schließlich von seiner Menschwerdung in Fleisch und Blut und seiner Aufnahme bei uns.

Auf goldenem Grund

Niemand soll die folgende Sammlung von Worten und Zeichen Jesu im Evangelium missdeuten, darum schreibt der Evangelist seinen Prolog und lässt keinen Zweifel daran, um wen es sich bei Jesus, dem Christus, handelt.

Mir kommt ein Vergleich in den Sinn: Bevor ein Ikonenschreiber die Gestalt Christi oder eine Szene aus seinem Leben zeichnet, legt er den Grund mit Gold aus. Dann malt er mit Farben. Nur so wird es ein Christusbild. Was wir heute und jedes Jahr als Evangelium des Weihnachtstages hören, das ist wie der Goldgrund einer Ikone – ganz „grund-legend“, um Jesus zu verstehen, um Gott zu verstehen, der seinen Sohn als Mensch unter Menschen gesandt hat. In der alten Liturgie der Heiligen Messe wurde wohl aus ähnlichem Grund ganz am Ende der Johannesprolog als „Schlussevangelium“ gelesen. Niemand sollte die Feier der Eucharistie bloß als Menschenwerk missdeuten, darum gab es den Hinweis: Hier ist Gott am Werk, du hast es mit Gott zu tun!

Hier wird Geschichte geschrieben

Für mich ist das der Glutkern von Weihnachten und der eigentliche Anlass, dass wir fröhlich feiern. Hier wird nicht eine von vielen Promi-Geburtsgeschichten erzählt, um abzulenken von der Trivialität unseres Alltags: Hier wird Geschichte geschrieben. Hier geht es nicht um einen Anfang, wie alles anfängt; denn dann könnten wir auch bereits ahnen, wie es endet: Hier beginnt eine neue Zeit. Hier bekommen wir keine Vorgabe zur Nachahmung, keine Aufforderung, unser Leben zu ändern, damit es endlich auch weltweit erträglicher zugeht: Hier wird uns wahrhaftig ein Aufatmen geschenkt. Hier wird nicht mehr oder weniger aufdringlich ein Wegweiser aufgestellt, damit wir richtig laufen und ordentlich leben: Hier wird uns die Mitte gezeigt, die alles zusammenhält und in der wir uns sammeln und Frieden finden. Hier geht es nicht um alles Menschenmögliche: Hier tut Gott sein Möglichstes. Hier ist nichts zu schaffen, zu reparieren, voranzubringen: Hier darf ich glauben, vertrauen, Ruhe finden und sicheren Halt. Heute ist nicht Leistung angesagt, heute ist alles Geschenk.

Solche Nachrichten werden nicht via Tagesthemen, Heute- Journal, über die Landesschau oder den Aktuellen Bericht unter die Leute gebracht. Das können nur wir selber tun; wir, die im Feiern begreifen lernen, was Weihnachten ist. „Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit“ (GL 392, 5. Strophe: Joachim Neander 1680). Mir kamen diese bekannten Verse in den Sinn, als ich über Weihnachten nachgedacht habe. Ich glaube, in diesem Jahr ist das mein Weihnachtslied und mein Gebet, wenn ich an einer der schönen Krippen stehe: „Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lob ihn in Ewigkeit.“ Und ein „Amen“ – gebetet und gelebt – gehört selbstverständlich dazu.

  • Info
    Unser Autor Dr. Georg Bätzing ist Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.



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