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Einheit von Körper und Geist

Foto: KNA
Neurowissenschaftler setzen sich dafür ein, dass sich bei einer ärztlichen Behandlung der Blick auf die Einheit von Körper und Geist richtet.

Einheit von Körper und Geist

Von: Angelika Prauß | 14. April 2024
Blutdrucksenker, eine Spritze gegen Hexenschuss, Schmerztabletten – es gibt viele Medikamente, die bei Beschwerden Linderung verschaffen. Das wichtigste „Medikament“ ist für einen Neurowissenschaftler jedoch ein anderes.

Professor Brinkmann aus der „Schwarzwaldklinik“ oder aktuell „Der Bergdoktor“ verkörpern im Fernsehen einen Typ Mediziner, wie sich viele ihren Arzt wünschen: Zugewandt, zuhörend und mit viel Zeit haben sie den ganzen Menschen im Blick, nicht nur dessen Blutwerte oder Röntgenbilder. Im realen Praxis-Alltag können Patientinnen und Patienten davon oft nur träumen. Das ärgert den Neurowissenschaftler Tobias Esch. Er setzt sich dafür ein, bei der Therapie den ganzen Menschen – dessen Körper, Geist und Seele – anzusprechen, wie er in seinem neuen Buch „Wofür stehen Sie morgens auf?“ darlegt.

Die Kraft der Patienten nutzen

Als vierte Dimension baut der Gesundheitswissenschaftler zudem auf die mentale Kraft des Patienten. In den USA hat Esch als Arzt über die sogenannte Mind-Body-Medizin geforscht, die den Einfluss psychologischer, emotionaler, sozialer und spiritueller Faktoren auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden berücksichtigt.

Hierzulande sei das noch weitgehend Neuland, gehe die Medizin noch immer von der Trennung von Körper und Geist aus, bedauert Esch. Er ist Professor für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der privaten Universität Witten/Herdecke. Häufig habe er Patienten erlebt, die nach dem gängigen, dreidimensionalen Gesundheitsbegriff nicht krank waren. „Und doch konnte ich sehen: Es ging ihnen gar nicht gut, sie waren fraglos krank.“ Hinter den Beschwerden musste aus seiner Sicht etwas anderes stecken.

Die Frage nach dem individuellen Lebenssinn kann dabei eine große Rolle spielen. Er ist überzeugt: „Menschen werden auch krank, weil sie den Sinn in ihrem Leben verloren haben oder nicht erkennen.“

Viele seiner Patienten hätten sich selbst verloren, sich in der Welt nicht mehr zurechtgefunden, seien nicht mehr zu Hause in ihrem Leben gewesen. Werde dieser Sinn im Leben wiedergefunden, zeigten sich Veränderungen in Richtung Heilung. Menschen fühlen sich dann laut Esch wieder verbunden „mit sich selbst, mit ihrer Welt, den Mitmenschen, auch mit etwas Höherem“.

So werde etwa ein Burnout oft als Folge äußerer, belastender Verhältnisse und Lebensumstände gesehen. Dabei gebe es dabei auch einen inneren Anteil. Esch definiert Burnout als „Unglücklichkeitserkrankung“; er sieht dahinter „eine geminderte Resonanz, ein Aus-dem-Leben-Fallen, eine fehlende Passung zwischen dem gefühlten Innen und dem Außen“.

Vierte Dimension der Medizin

Die von Esch aufgeworfene „vierte Dimension“ der Medizin blickt auf das Erleben von Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens sowie auf ein Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen und der Welt. Unglückliche Menschen erlebten meist einen „Mangel an Bedeutung und Bedeutsamkeit“. Dabei brauche jeder das Gefühl, einen Sinn im Leben zu haben, eine Aufgabe. Dieser Sinn ist für Esch „eines der wichtigsten ,Medikamente‘, das wir als Menschen besitzen“.

Für Esch sollte ein Mediziner mit ehrlichem Interesse herausfinden, was den einzelnen Patienten glücklich macht, was für ihn zu einem erfüllten Leben gehört und woraus er Kraft schöpft. Denn individuelles Glück und Zufriedenheit beeinflussten auch die Widerstandskraft. Diese subjektive Dimension der mentalen Kraft und inneren Haltung macht für ihn einen großen Unterschied dabei, wie eine Person durch eine Krankheit gehe.

Aus seiner Erfahrung schlummern in jedem Erkrankten auch gesunde Anteile. Es gelte, diesen „inneren Arzt“ – die Ressourcen jeder Patientin und jedes Patienten – zu aktivieren und bei der medizinischen Behandlung einzubeziehen. Dann können aus seiner Sicht äußerer und innerer Arzt erfolgreich zusammenarbeiten.

Esch wirbt für echte Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Arzt und Patient – keine Halbgötter in Weiß. Ein Mediziner sollte Erkrankte als Gegenüber ernst nehmen, ergründen, was sie bewegt, und Ressourcen entdecken. Dann könne er erkennen, dass ein Patient nicht nur ein Problem mitbringt, sondern auch eine mögliche Lösung. Von seiner Zunft wünscht sich der Neurowissenschaftler, dass sie sich mehr auf den „Innenraum“ der Erkrankten einlassen: Solche Begegnungen könnten zu einem wahren „Therapie-Booster“ führen.



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