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Auf den Spuren von St. Paulinus

Foto: Stefan Endres
Die Wissenschaftler Wolf-Rüdiger Teegen, Nicole Reifarth und Jens Amendt (von links) berichten von ihrer spannenden Spurensuche.

Auf den Spuren von St. Paulinus

Von: Stefan Endres | 28. Januar 2024
Trier:
Unter der Überschrift „Eine Fliege, ein heiliges Haupt und sehr viel Seide“ sind im Rheinischen Landesmuseum in Trier interdisziplinäre Forschungserkenntnisse über den heiligen Trierer Bischof Paulinus vorgestellt worden.

Bei einem gemeinsamen Vortrag stellten Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Teegen (München), Prof. Dr. Nicole Reifarth (Köln) und Prof. Dr. Jens Amendt (Frankfurt) den aktuellen Stand in ihren Fachdisziplinen vor. Ausgangspunkt der Kooperation war die Trierer Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ im Jahr 2022.

Die Archäologin und Restaurationswissenschaftlerin Nicole Reifarth untersuchte Textilien, Balsamierungsrückstände, Pflanzenbeigaben und menschliche Überreste, die bei der Graböffnung des Heiligen im Jahr 1883 entnommen worden waren. Im Zentrum des Forschungsprojekts mit Studierenden der Technischen Hochschule Köln standen die zahlreichen erhaltenen Textilfragmente.

Einzige textile „Werkstatt-Marke“ der Antike

Bei dem Vortragsabend auf Einladung der „Gesellschaft für nützliche Forschung“ führte Reifarth in die Zeit des sechsten Bischofs von Trier, der im Jahr 358 in der Verbannung im kleinasiatischen Phrygien (heute Anatolien) starb. Mit der Überführung des Leichnams gegen Ende des vierten Jahrhunderts gelangten mit dem Sarkophag zahlreiche Spuren nach Trier, die nun mit modernster Technik erneut erforscht wurden. Im Zentrum stehen Überreste von sechs Seidendamast-Geweben – darunter ein spektakuläres Fragment mit eingestickter lateinischer Inschrift, die als einzige textile „Werkstattmarke“ der Antike gilt.

Wo wurden die kostbaren Stoffe hergestellt, wo und wann gelangten sie in die Lade, und welche Funktion hatten sie? War ein Teil von ihnen gar um die Lade gewickelt? Trotz des großen Erkenntnispotenzials der Gewebe – die Hälfte aller spätantiken Seidendamast-Funde stammt aus den Gräbern von St. Maximin sowie der Paulinus-Lade und damit aus Trier – blieben der Forschung offene Fragen, resümierte Reifarth.

Wolf-Rüdiger Teegen, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität, ging vor allem auf die 2021 gemachten Untersuchungen am „gut bis sehr gut erhaltenen“, mit rötlichem Harz präparierten Schädel ein, der im Jahr 1402 bei einer ersten Graböffnung als Reliquie entnommen wurde.

Die unter anderem makroskopische und computertomographische Untersuchung ermöglichten Aussagen über Krankheitssymptome des Schädels, der den Anzeichen nach zu einem „40 bis gut 50 Jahre alten Mann“ gehöre. Abgeheilte Nasenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen, keine Karies, aber Zahnstein und Zahnfleischbluten zählen zum Befund eines „insgesamt guten Gesundheitszustands“. Die Radiocarbondatierung der Knochen passe zu den tradierten Lebensdaten. „Beweise, dass es sich um Paulinus handelt, sind dies aber nicht“, sagte Teegen, der auch keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod fand.

Larvenhülle gibt Hinweis auf den Ort des Todes

Das spektakulärste Ergebnis der interdisziplinären Forschung, das auch bereits im Museum am Dom präsentiert wurde, erläuterte der Biologe und Insektenkundler Jens Amendt. Eine im Schädel entdeckte etwa 1600 Jahre alte Larven-Hülle („Puparium“) gehört zu einer wärmeliebenden Schmeißfliegen-Art, „die damals in Anatolien den Körper besiedelt haben könnte“, erklärte der an der Rechtsmedizin Frankfurt tätige Forscher – für ihn ein „starker Hinweis“ auf den Sterbeort. Ein animierter dreidimensionaler Scan des Pupariums ermöglicht Blicke ins Innere einer „archäologisch spannenden Spur“, sagte Amendt, die nun zur Geschichte des Heiligen gehöre.




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