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Ungebrochene Wallfahrtstradition

Foto: bip
Auch das zuweilen schlechte Wetter konnte den Pilgern nichts anhaben.

Ungebrochene Wallfahrtstradition

Von: Julia Fröder | 26. Mai 2019
Hillesheim/Koblenz:
Seit 175 Jahren pilgern Gläubige aus Hillesheim zu Fuß nach Koblenz zur Maria-Hilf-Kapelle. Anlässlich des Jubiläums begleitete Weihbischof Franz Josef Gebert die Wallfahrer in diesem Jahr auf ihrem letzten Wegstück.

Da das eigentliche Pilgerziel wegen Bauarbeiten aktuell nicht zugänglich ist, wurde der Abschluss mit einem Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Konrad in Koblenz-Metternich begangen. Dabei blickte Gebert zurück auf die politisch wie wirtschaftliche krisenhafte Zeit, in der die Wallfahrt ihren Anfang nahm. „Es waren schwere Zeiten. Doch die Menschen sind nicht in ihrem Elend hängengeblieben. Sie haben sich nicht selbst bemitleidet, sondern haben sich auf den Weg gemacht“, sagte der Weihbischof in seiner Predigt vor der rund 130-köpfigen Pilgergruppe.

Die traditionell von der Hillesheimer Bruderschaft Maria-Hilf organisierte Wallfahrt übt auch heute noch ein große Faszination aus – auch auf junge Menschen. Markus Geiermann aus Boos ist 27 Jahre alt und bereits zum fünften Mal dabei: „Die Gemeinschaft ist sehr schön. Man merkt, dass man als junger Mensch nicht alleine ist, wenn man religiös ist“, betont er. Auch Lars Suges lobt den Zusammenhalt der Gruppe. Der 40-Jährige aus Niederehe ist schon im neunten Jahr dabei, „um einfach mal Danke zu sagen“.

Robert Harings aus Lissendorf und Heinrich Bosecker aus Oberbettingen sind mit Gepäckwagen und Begleitfahrzeug seit 33 Jahren Teil der Prozession. Sie transportieren Rucksäcke, Wechselschuhe, Regenjacken und Wasserflaschen sowie den einen oder anderen Pilger, der sich auf der gut 90 Kilometer langen Gesamtstrecke ein wenig ausruhen möchte.
„Es ist wie eine Sucht!“, beschreibt Boseceker die Motivation, seit so langer Zeitdabei zu sein: Sein Kollege ergänzt: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen, da hilft das Pilgern.“

Gebert: Jeder Pilger trägt seine Verletzungen mit sich

Diesen Aspekt greift auch Gebert in seiner Predigt auf: „All die Verletzungen, die wir im Leben erfahren haben, gehören dazu, die brauchen wir nicht zu verstecken. “Musikalisch begleitet Anja Groß (46 Jahre) aus Zilsdorf die Gruppe an der Querflöte. Die Musikkapelle, die die Pilgerinnen und Pilger verstärkt, ist eine bunte Truppe, die nur einmal im Jahr zusammenkommt. Anja Groß ist dabei, „um mal aus dem Alltag auszubrechen, den Kopf frei zu bekommen und persönliche Anliegen mitzunehmen.“

Alfons Schwunn hat ein Auge auf die Mannschaft. Seit zwei Jahren ist er Vorsitzender der Bruderschaft; seit 35 Jahren nimmt er an der Wallfahrt teil. Die konstante Teilnehmerzahl zeige, dass es noch Interesse am Beten gebe. Aber man gehe auch mit der Zeit. So habe man die Wallfahrt von sechs auf drei Tage verkürzt, damit sie sich so für einige Teilnehmer leichter in den Alltag einbinden lasse. Stolz ist man, dass die Tradition auch zur Nazi-Zeit fortgeführt wurde – „trotz großer Gefahr“, weiß Schwunn. Denn Prozessionen waren verboten.

Zum Schlussgottesdienst stießen noch 80 Buspilger zur Gruppe – „ältere Menschen, die sich der Wallfahrt verbunden fühlen, aber nicht mehr gut zu Fuß sind“, sagen die Veranstalter. Der Pilgerwegführt von Hillesheim über Walsdorf, Dreis, Kelberg nach Mayen, Ochtendung und anschließend von Rübenach nach Metternich.

  • Info
    Im kommenden Jahr findet die Wallfahrt vom 11. bis 13. Mai statt. Nähere Auskünfte bei Alfons Schwunn, Telefon (0 26 07) 97 36 94, E-Mail alfonsschwunn@web.de



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