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Wenn die Freude zurückkehrt

Foto: B. Bettscheider
Pater Justin zeigt den Schülern an einem Stuhl, wie schmal Schächte zum Abbau von Coltan sind.

Wenn die Freude zurückkehrt

Von: Brigitte Bettscheider | 15. Juni 2014
Neuerburg: Missio-Gast Pater Justin aus dem Kongo hält einen Vortrag vor Schülern.

"Habt Ihr schon mal Coltan gesehen?", fragt Pater Justin (45) in die Runde der Neuntklässler der Neuerburger Realschule plus. Auf das Kopfschütteln der Schüler hin legt der Geistliche aus dem Ostkongo einem Schüler ein fingernagelgroßes Stück in die Hand. Das wegen seiner hohen Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit vor allem für Mobiltelefone und Laptops benötigte Erz werde in seiner Heimat auch "Blutmetall" genannt, erklärt er. Auf Einladung des Internationalen Katholischen Missionswerks "Missio" war der kongolesische Pater Justin Nkunzi Baciyunjuze zu Besuch im Bistum Trier, unter anderem am 27. Mai an der Realschule plus Neuerburg.

"Mein Vortrag soll keine Kampagne gegen Handys sein, sondern ein Appell zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen", betont der Pater. Der Rohstoffabbau sei mit schwerer körperlicher, gefährlicher Arbeit verbunden, erklärt er mit Blick auf die unzulängliche Ausrüstung und den Mangel an Schutzkleidung.

Auf die Frage eines Schülers, wie breit die Schächte seien, hebt Pater Justin einen Stuhl in die Höhe und deutet auf die Sitzfläche: "Nur so breit, dass man sich mit angewinkelten Armen und in gebückter Haltung darin fortbewegen kann." Er berichtet, dass die Rebellen die Einwohner ganzer Dörfer zur Arbeit in den Minen zwingen würden. Ein Kilo Coltan bringe 300 Dollar. Ein Arbeiter erhalte aber nur einen Dollar am Tag, sagt der Pater – "und manchmal gar nichts." Die Kinder und Jugendlichen müssten das geförderte Material in Körben auf dem Rücken zu einer Sammelstelle tragen und könnten daher nicht zur Schule gehen. "Das bedeutet wiederum, dass sie sehr schlechte Zukunftsperspektiven haben", erklärt Pater Justin. Dann gerieten sie leicht ins Räuber- und Drogenmilieu oder schlössen sich Rebellengruppen an. Sie seien häufig selbst Vergewaltigungsopfer oder würden gezwungen, jemanden zu töten oder zu vergewaltigen. "Dann dürfen sie nicht mehr zurück in ihr Dorf, sie werden verstoßen", erklärt der Pater.

Zentren zur Versöhnungsarbeit

Aber es gebe auch Hoffnung: zum Beispiel in den von "Missio" geförderten zwölf Traumazentren, in denen Sozialarbeiter, Psychologen und Geistliche sich um Betroffene kümmern und mittlerweile auch 80 Schulplätze eingerichtet haben. "Ich habe selbst erlebt, wie die Freude in die Menschen zurückkehrt", sagt Pater Justin, der die Beratungs- und Versöhnungsarbeit dieser Zentren im Ostkongo koordiniert.

"Es ist gut, dass 'Missio' den Pater zu uns geschickt hat. Wir werden informiert und können auch selbst etwas tun", erklärt der Neuntklässler Jimmy Wehr. Wie die Neuerburger Schüler den Gleichaltrigen im Ostkongo helfen, beschreibt Nadine König (16): "Wir sprechen das Thema in dem Gottesdienst zu unserer Entlassung an, sammeln Geld und spenden es." Insgesamt nahmen 200 Schüler an dem bebilderten Vortrag des Paters teil. Neben Neuerburg besuchte Pater Justin auch Prüm und Saarlouis. An allen drei Orten hatte vor einigen Wochen der Missio-Truck "Menschen auf der Flucht" Halt gemacht. Mit dem Vortrag solle die Thematik vertieft werden.



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