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„Man muss sich kümmern“

Foto: Sepp Spiegl
Pfarrer Klaus Bender (zweiter von rechts) mit den Menschen aus der Ukraine, die bei ihm in Kyllburg Zuflucht gefunden haben.

„Man muss sich kümmern“

Von: Brigitte Bettscheider | 15. Mai 2022
Dass Glaube und Religion sich nicht nur in der Kirche abspielen, sondern im Idealfall auch im persönlichen Leben zu erkennen sind, zeigt das Beispiel von Dechant Klaus Bender aus Kyllburg in der Eifel. Im Pfarrhaus sind ukrainische Flüchtlinge untergekommen.

Den Erstkommunionkindern erzählte Dechant Klaus Bender am Weißen Sonntag am Ende des Gottesdienstes in der Kyllburger Pfarrkirche, dass es auch bei ihm im Pfarrhaus gleich ein Festessen gebe. „Bei mir wohnen nämlich jetzt drei Frauen und drei Kinder aus der Ukraine. Sie sind vor dem Krieg geflüchtet. Und da heute in ihrem Heimatland Ostern ist, kochen sie was ganz Besonderes“, erklärte er. Und sagte noch, dass wegen des Unterschieds zwischen dem gregorianischen und dem julianischen Kalender das orthodoxe und das römisch-katholische Osterfest nicht immer auf den gleichen Tag fielen.

„Tatsächlich bog sich der große Esstisch im Pfarrhaus unter all der Vielfalt an Speisen, die meine Gäste zubereitet hatten“, berichtet der Dechant nun dem „Paulinus“. Und auch ein „Osterwässerchen“ habe nicht gefehlt: Nach einem Glas Wein aus dem Vorrat des Geistlichen sei Wodka aufgetischt worden.

Wenn der Dechant des Dekanats Bitburg und Pastor der Pfarreiengemeinschaft Kyllburg derzeit von seinen „Gästen“ spricht, sind Olga (43) und ihre Tochter Naskia (23) mit dem Baby Denara sowie Ilona (27) mit Sohn Micha (4) und dem Neffen Dimar (12) gemeint. Am 14. März sind die drei Frauen und drei Kinder zu ihm ins Pfarrhaus gezogen. Dort seien die Bedingungen günstig, meint Klaus Bender (69). Das Haus sei groß, es gebe Gästezimmer mit eigenem Bad im Obergeschoss, das Wohnzimmer und die Küche seien geräumig.

Die Pfarrsekretärinnen leisten Starthilfe

Das sei auch sein erster Gedanke gewesen, als er Anfang März von dem Aufruf des Vereins „MMS Humanitas“ erfuhr, ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen. Umgehend bot er dem Vereinsvorsitzenden Markus Schlickat (Seffern/Eifelkreis Bitburg-Prüm) das Pfarrhaus als Unterkunft.

Dass ausgerechnet an dem Tag der Ankunft der Ukrainer in der Benediktinerabtei Tholey im Saarland eine Exerzitienwoche begann, deren Leitung Klaus Bender übernommen hatte, machte dann schließlich gar nichts aus. „Die Pfarrsekretärinnen haben meine neuen Mitbewohner in Rittersdorf abgeholt und sie in den ersten Stunden betreut“, erklärt Dechant Bender. Am Abend sei er dann doch extra von Tholey zurückgekehrt, um sie persönlich willkommen zu heißen.

Dankbarkeit, aber große Sorge um die Ehemänner

„Inzwischen klappt die Verständigung mit der Übersetzungs-App, und das Zusammenleben funktioniert einwandfrei“, erzählt der Pfarrer. Und ergänzt mit Blick auf eines seiner Hobbys: „Wir bekochen uns gegenseitig.“ Er empfinde keinerlei Einschränkung. Vielmehr spüre er die Dankbarkeit der Frauen.

Das größte Problem seien die Ungewissheit und die Sorge um ihre Ehemänner, die in der Ukraine zurückbleiben mussten. „Diese Menschen bei sich aufzunehmen, bedeutet viel mehr, als ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben“, räumt Dechant Bender ein. „Man muss sich kümmern“, betont er. Wobei ihn wiederum seine Pfarrsekretärinnen großartig unterstützten, lobt der Geistliche. Inzwischen habe der vierjährige Micha einen Kindergartenplatz in Kyllburg. Dimar befinde sich noch im Home-Schooling, doch soll er möglichst bald in ein passendes Schulsystem integriert werden.

An Abwechslung scheint es auch nicht zu mangeln. Dechant Bender hat mit seinen neuen Mitbewohnern zusammen Ostereier gefärbt. Und an Gründonnerstag haben sie an dem ökumenischen, von dem Prümer Gospelchor „Kalimba Singers“ mitgestalteten Abendmahlgottesdienst teilgenommen.

Über Ostern waren zwei Freundinnen von Ilona zu Besuch. Die Patentante der kleinen Denara hat ein Wochenende im Pfarrhaus Kyllburg verbracht. Ilona hat eine Freundin besucht, die in der Jugendbildungsstätte der Salesianer in Jünkerath untergekommen ist.

Und wenn Naskia, die den Führerschein hat, zu einer der Hilfsgüter-Sammelstellen im Eifelkreis fahren möchte, um sich und die anderen mit Kleidung oder Sonstigem zu versorgen, stellt der Pastor ihr sein Auto zur Verfügung.



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