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Auf der Suche nach mehr Nähe

Foto: KNA
Die Leichtigkeit und Unbeschwertheit früherer Jahre ist Geschichte, heute rücken die Krisen in der Welt näher und fördern das subjektive Empfinden von Einsamkeit.

Auf der Suche nach mehr Nähe

Von: Paula Konersmann | 14. Januar 2024
Ein Mensch mit wenigen Kontakten kann sich eingebunden fühlen, ein anderer mit riesigem Freundeskreis kann einsam sein. Einsamkeit erfährt verstärkte Aufmerksamkeit – dennoch sind weiterhin Missverständnisse verbreitet.

Eine Studie zur Klimakrise, die neuesten Katastrophenmeldungen aus dem Krieg im Nahen Osten – und dann ein Kochrezept. Diese Flut und auch dieser Mix auf Sozialen Medien „überfordert einfach“, sagt Maxi Gstettenbauer. Was der Comedian und Autor („Meine Depression ist deine Depression“) so auf den Punkt bringt, weist auf eine problematische Entwicklung hin: Einsame Menschen fühlen sich durch die Krisen in der Welt oftmals stärker herausgefordert. Und Einsamkeit nimmt zu, das zeigen verschiedene Studien.

Jede vierte Person in Deutschland fühle sich sehr einsam, geht aus einer Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention hervor. Für Nordrhein-Westfalen wurde jetzt eine Studie zur Einsamkeit unter jungen Menschen vorgestellt. Demnach fühlt sich jeder fünfte Jugendliche oder junge Erwachsene stark einsam – Tendenz seit der Corona-Pandemie steigend. Lange sei Einsamkeit hauptsächlich als Problem älterer Menschen missverstanden worden, hieß es.

Was trägt zu Einsamkeit bei?

Das bevölkerungsreichste Bundesland hat als erstes eine entsprechende Stabsstelle eingerichtet; die Bundesregierung hat im Juni eine Strategie gegen Einsamkeit vorgestellt. Ein Ziel ist, ebenso Faktoren zu erforschen, die zu Einsamkeit beitragen, wie auch Gegenmaßnahmen.

Maike Luhmann, Psychologin und Autorin der NRW-Studie, wirbt indes für Differenzierung. Einsamkeit sei eine Erfahrung, die zum Leben dazugehöre. Aber aus starker Einsamkeit kommen viele nicht mehr heraus. Es gehe also nicht um Menschen, die mit wenigen Sozialkontakten zufrieden seien und auch nicht um freiwilliges Alleinsein, sondern um ein „tiefes, schmerzhaftes Gefühl“.

In der Studie ging es sowohl um emotionale Einsamkeit – also ein Gefühl allgemeiner Leere – als auch um soziale Einsamkeit, also darum, ob Menschen fehlen, auf die man sich verlassen kann und ob man sich oft im Stich gelassen fühle. Als „stark einsam“ gelten diejenigen, die allen drei Aussagen zugestimmt haben.

Eine andere Studie warnt ebenfalls vor allzu groben Gruppierungen: So seien häufig Alleinlebende mit Menschen in Partnerschaften oder Familien verglichen worden, sagt Philipp Kersten, der an der Uni Jena die Chancen und Risiken des Alleinlebens untersucht hat. Ergebnis: Wer allein lebt, muss nicht einsam sein – besonders zufrieden zeigten sich diejenigen, die ein großes Netzwerk haben und täglich mehrere soziale Kontakte pflegen. Ein Viertel der Befragten berichtete dagegen von einem sehr kleinen Kreis, der überwiegend aus Familienmitgliedern bestehe.

Die Einsamkeit hat zugenommen

86 Prozent zeigten sich in der Studie der Stiftung Depressionshilfe überzeugt, dass heute mehr Menschen einsam seien als vor zehn Jahren. Eine Einschätzung, die Fachleute teilen: „Das Problem verschärft sich“, sagt die Psychologin Franca Cerutti. Zudem zögen sich psychisch erkrankte Menschen häufig zurück und würden dadurch einsam. Daraus könne ein „Kompetenz-Defizit“ entstehen insofern, als Betroffene sich irgendwann nicht mehr trauten, auf andere zuzugehen oder nicht mehr wüssten, wie sie Gesichtsausdrücke lesen könnten. Zugleich mahnt Andrea Lehmann, Projektreferentin beim Malteser-Projekt „Miteinander – Füreinander“, Einsamkeit nicht nur als etwas zu sehen, das es zu bekämpfen und zu verbannen gilt. „Sie kann ein Hinweis darauf sein, was uns fehlt.“ Wer ein Gefühl als solches Signal erkenne, könne auch Strategien entwickeln, um damit umzugehen.

Die Studie benennt auch Strategien, die Menschen gegen Einsamkeit ergreifen. Als besonders wirksam erlebten Befragte demnach Sport, Musik hören oder Kontakt mit Bekannten – auch online. Hier gelte es erneut, genau hinzusehen: So könne exzessive Mediennutzung problematisch werden; zugleich fühlten sich viele Menschen etwa über Messenger-Dienste mit anderen verbunden. Und im Netz lassen sich auch Gleichgesinnte finden. „Kontakt ist das Entscheidende“, sagt Gstettenbauer: „Zu sehen, dass man nicht der Einzige ist, der sich so fühlt.“



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