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Den Arbeitsmarkt in den Blick nehmen

Foto: Zeljko Jakobovac
Bischof Ackermann bei der zentralen Kundgebung des DGB zum 1. Mai in Trier.

Den Arbeitsmarkt in den Blick nehmen

Von: Zeljko Jakobovac | 1. Mai 2012
Es war ein außergewöhnlicher, möglicherweise gar historischer Moment: Darin waren sich alle einig, als der Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann, am 1. Mai auf der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Rheinland-Pfalz zum Tag der Arbeit  im Trierer Palastgarten das Wort ergriff. „In Rheinland-Pfalz ist es das erste Mal, dass ein katholischer Bischof auf der zentralen Maikundgebung spricht, möglicherweise sogar bundesweit“, hatte zuvor der Trierer DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz erklärt. Natürlich gebe es an einigen Stellen unterschiedliche Auffassungen, so Schmitz, „aber so wie in den Gewerkschaften gibt es auch in der Kirche viele, die soziale Missstände benennen und gegen Ausbeutung kämpfen.“

 
Auch Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen hob in seinem Grußwort die inhaltlichen Parallelen zwischen Gewerkschaften und Kirchen hervor. Als Beispiele nannte er die Verbesserung der Lebensbedingungen und die Minimierung von Not, Angst und Unfreiheit. In Trier hätten auch immer wieder wichtige Vertreter dieser Positionen gewirkt, sagte Jensen. Er nannte den Jesuiten Friedrich Spee, der im 17. Jahrhundert gegen die Hexenprozesse gekämpft habe, Karl Marx, der die Unterdrückung angeprangert habe, und den Nestor der katholischen Soziallehre und Ehrenbürger der Stadt, Oswald von Nell-Breuning, der schon in seiner Promotionsarbeit zur Börsenmoral 1928 die heutige Entwicklung erkannt habe

„Schaff-Rock“ beweist: Wallfahrt inhaltlich stark

Ob es nun ein historischer Moment sei, dass er hier spreche, sei nicht sicher, sagte Bischof Ackermann zu Beginn seiner Rede. „Aber es ist sicher ein historischer Moment, dass Gewerkschaftsvertreter am Tag der Arbeit  ihre Reden von einem Pult aus halten, das sonst als Ambo bei Gottesdiensten dient“, meinte er. Schließlich werde die Bühne im Palastgarten derzeit für Gottesdienste, Konzerte und andere Veranstaltungen zur Heilig-Rock-Wallfahrt genutzt. „Dass die Gewerkschaften das heute nutzen können, freut mich“, betonte er. Auch Bischof Ackermann sprach die unterschiedlichen Auffassungen zwischen Gewerkschaften und Kirchen an, gerade im Arbeitsrecht, wo die Kirchen einen eigenen Weg gehen wollten. „Das bedeutet aber, dass wir unter Beweis stellen müssen, dass es diesen Weg auch tatsächlich gibt.“ Ansonsten sei es überhaupt nicht so weit hergeholt, dass ein Bischof von Trier auf der Maikundgebung der Gewerkschaften spreche. So habe sein Vorgänger Bischof Hermann Josef Spital die Aktion Arbeit ins Leben gerufen, den Arbeitslosen-Solidaritätsfonds des Bistums Trier. Und sein direkter Amtsvorgänger, der heutige Kardinal  Reinhard Marx, habe sich dafür eingesetzt, dass die Aktion Arbeit auch arbeitsmarktpolitisch auftrete, zum Beispiel mit der Forderung nach einem öffentlich geförderten dritten Arbeitsmarkt. Ackermann betonte noch einmal, dass es ihm von Anfang an wichtig gewesen sei, die Heilig-Rock-Wallfahrt nicht „im blutleeren Raum“ stattfinden zu lassen, vielmehr sollten aktuelle Entwicklungen, auch auf dem Arbeitsmarkt, in den Blick genommen werden. Dafür stehe beispielhaft der Schaff-Rock der Aktion Arbeit auf dem Platz vor der Konstantin-Basilika.


Jesus lebte von der eigenen Hände Arbeit

Schon am Vormittag hatte Bischof Ackermann im Pontifikalamt anlässlich des Domweihfests, das auf die am 1. Mai 1196 erfolgte Weihung des Hochaltars zurückgeht, den Tag der Arbeit thematisiert. Jesus habe als Handwerker die meiste Zeit seines Lebens von der eigenen Hände Arbeit gelebt und die Nöte der Menschen kennengelernt, sagte er in seiner Predigt. Und mit Blick auf den Heiligen Rock: „Vor uns liegt kein Gewand aus Gold, sondern ein brüchiges Untergewand.“ Er kritisierte die Rahmenbedingungen der gegenwärtigen Leistungs- und Informationsgesellschaft: „Der ideale Mensch ist ständig online und multitaskingfähig. Das ist aber kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt.“ Viele Menschen litten darunter, dass sie diesem Tempo nicht mehr standhalten könnten. Der Bischof forderte, es müsse möglich sein, „dass Menschen Leistung reduzieren, sich Zeit nehmen und Anderes ausblenden dürfen, dass sie die Chance haben, sich auf eine Tätigkeit konzentrieren zu können“. Die Wochen der Heilig-Rock-Wallfahrt seien eine Unterbrechung im Alltag. „Es ist gut, dass es in dieser funktionalen Gesellschaft Räume wie den Dom gibt, wo wir zur Ruhe kommen und uns auf das Wesentliche konzentrieren können: Die Botschaft Jesu Christi.“


Solidarisch mit Arbeitslosen

Auch Ministerpräsident Kurt Beck und eine Delegation des DGB mit dem Landesvorsitzenden Dietmar Muscheid an der Spitze hatten an dem Pontifikalamt teilgenommen. Auf dem Weg zur DGB-Kundgebung im Palastgarten machten sie Halt am Schaff-Rock der Aktion Arbeit vor der Konstantin-Basilika und bekundeten ihre Solidarität mit Langzeitarbeitslosen, indem sie ein „A“ aus Metall daran anbrachten. Muscheid sprach von einem „hohen Maß an Gemeinsamkeiten“ zwischen Gewerkschaften und Kirche. Und Ministerpräsident Kurt Beck hob die internationale Bedeutung von Wallfahrt und Gewerkschaftsarbeit hervor: „An einem Tag, an dem tausende Pilger aus Europa und der ganzen Welt hier aufeinandertreffen, ist es gut zu wissen, dass Menschen weltweit füreinander einstehen und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen“, befand der Ministerpräsident.


Bischof Ackermann zur Situation auf dem Arbeitsmarkt

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