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Auf den Spuren einer untergegangenen Abtei

Foto: Rolf Lorig
Vorsichtig legt Grabungsmitarbeiter Hubert Schmitz menschliche Überreste frei.

Auf den Spuren einer untergegangenen Abtei

Von: Rolf Lorig | 16. Mai 2021
Dort, wo sich heute das Freibad Trier-Nord befindet, stand über mehrere Jahrhunderte bis zur Säkularisierung durch Napoleon im 19. Jahrhundert eine große Benediktinerabtei. Grabungen haben jetzt zu neuen Erkenntnissen geführt.

Man weiß nur wenig über die Geschichte der Benediktinerabtei. Die Modernisierung des Freibades aber gibt dank der Unterstützung durch die Stadtwerke Trier (SWT) nun den Archäologen des Rheinischen Landesmuseums tiefe zeitgeschichtliche Einblicke. Dort, wo sich nach alten Aufzeichnungen die Südseite der Chorapsis der ehemaligen Klosterkirche befand, trägt Grabungsleiter Michael Reinert mit einem dreiköpfigen Team seit dem 1. März behutsam das Erdreich ab. Neben Mauer- und Kellerresten haben die Archäologen auch die sterblichen Überreste von 14 Menschen aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden.

Man merkt Joachim Hupe, er ist der Leiter der Landesarchäologischen Denkmalpflege, an, wie erfreut er über jeden noch so kleinen Fund an der Grabungsstelle ist.

Villenanlage, Kloster, Planschbecken

Auch Museumsdirektor Marcus Reuter zeigt sich begeistert: „Wenn man in Trier gräbt, stößt man unweigerlich auf Reste des römischen Lebens.“ Vermutlich wäre das auch bei dieser Grabung der Fall, mutmaßt er. Doch größere Funde – einige kleinere Scherben wurden geborgen – seien nicht zu erwarten, dafür müsse man noch wesentlich tiefer graben.

Und das wiederum wäre in diesem Fall kontraproduktiv. Denn die Vergangenheit, die bei dieser Grabung interessiert, beginnt mit dem Bau des Klosters im sechsten oder siebten Jahrhundert. So ganz genau weiß man das aber nicht. Denn die Ursprünge des Benediktinerklosters „Sancta Maria ad Martyres“ (St. Maria zu den Märtyrern) liegen laut Hupe „weitgehend im Dunkeln“.

Was der Leiter der Archäologischen Denkmalpflege aber wohl weiß: „Die Wahl des etwas abseits gelegenen Ortes an der Mosel war durch eine dortige römische Villenanlage begründet, an deren Gebäude man anknüpfte.“ Mauerreste und ein kleiner Keller, den man in etwa an der Stelle gefunden hat, wo sich früher das Planschbecken des Nordbads befunden hat, belegen dies.

Was man auch weiß ist, dass das Kloster eine der vier großen Trierer Benediktinerabteien war. Wobei sich die Größe vor allem auf die umbaute Fläche bezog. Denn laut den bisher bekannten Forschungen lebten dort immer nur zwischen vier und in der Spitze 18 Mönche.

Wirtschaftlich soll die Abtei dank der Stiftungen von Ländereien und Zuwendungen durch die Trierer Erzbischöfe im zehnten und elften Jahrhundert einen gewissen Wohlstand gehabt haben, was dann auch zu einer kulturellen Blüte führte. Einer klösterlichen Überlieferung zufolge, die Joachim Hupe aber mit größter Vorsicht betrachtet, sei das Kloster bis zur Fertigstellung des Kurfürstlichen Palais auch der Sitz der Erzbischöfe gewesen.

Was Hupe bedauert: „Über den Baubestand und das Aussehen der Klosteranlage im Früh- und Hochmittelalter liegen uns keine Informationen vor.“ Bekannt ist dagegen, dass die Abtei wegen ihrer exponierten Lage mehrfach bei kriegerischen Ereignissen gebrandschatzt wurde, weshalb man sie mit einer wehrhaften Mauer umgab, was ihr wiederum den Charakter einer Festung verlieh. Ein Gerichtsbild von 1589, das sich im Stadtmuseum Simeonstift befindet, zeugt noch heute von der damaligen Ansicht des Klosters.

Der Festungscharakter verlor sich laut Joachim Hupe erst im 18. Jahrhundert, als das Kloster zu einem repräsentativen Gebäudekomplex umgebaut wurde. Zu dieser Zeit lebten auch 18 Benediktinermönche an diesem Ort, außerdem wurde damals auch das noch heute bestehende Exzellenzhaus als Nebengebäude errichtet.





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