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Nicht einfach den Stecker ziehen

Foto: KNA
Für das Verständnis ist es wichtig zu wissen, weshalb das Kind gerade dieses Computerspiel so gerne spielt.

Nicht einfach den Stecker ziehen

Von: Lisa Konstantinidis | 21. Januar 2024
In fast zwei Drittel der Kinderzimmer in Deutschland wird gezockt und gedaddelt. Wollen Eltern ihr Kind zum Beenden eines digitalen Spiels bewegen, ist das Konfliktpotenzial aber hoch. Was sie tun könnten.

Die Szene könnte Eltern bekannt vorkommen: Der Nachwuchs sitzt vor der Konsole und zockt konzentriert – die Kopfhörer sitzen, die Freunde sind online mit von der Partie. Gemeinsam wird gebuddelt, gekämpft und durch fremde Welten manövriert – und bei neuen Spielen, die vielleicht unter dem Weihnachtsbaum lagen, ist die Faszination besonders groß. Wollen Eltern ihr Kind zum Aufhören bewegen, birgt das ein ganz eigenes Konfliktpotenzial. Nicht selten endet ein solcher Versuch mit Wut, Tränen und in einem ausgewachsenen Streit.

Ohne gemeinsame Absprachen geht es nicht

Muss das sein? Nein, sagt Nina Franz. Sie ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und berät unter anderem Familien zum Thema Videospiele und wie sich diese harmonisch in den Alltag integrieren lassen. Für sie ist klar: Konflikte lassen sich beim Thema Gaming nicht gänzlich vermeiden – ebenso wenig wie in anderen Lebensbereichen. „Wo Regeln sind, wird es auch kleinere Zusammenstöße geben, das ist normal“, sagt Franz. Eltern sollten diese nötigen Regeln und Absprachen jedoch immer gemeinsam mit ihrem Kind aufstellen, betont sie auch in ihrem Buch „Computerspiele“.

Laut der 2022 erstellten Kim-Studie, die das Medienverhalten junger Menschen untersucht,  scheint es diesbezüglich in Familien viel Redebedarf zu geben. 60 Prozent der sechs- bis 13-Jährigen spielen demnach regelmäßig am Computer, ein knappes Viertel sogar täglich. Größere Unterschiede gibt es zwischen dem Spielverhalten bei Jungen und Mädchen. Während beispielsweise 20 Prozent der Jungen jeden Tag auf Konsolen spielen, sind es bei den Mädchen nur sechs Prozent. Hinzukommt: Je älter Kinder werden, desto häufiger zocken sie.

Bei der täglichen Nutzung hat zwar das Smartphone die Nase vorn, aber auch Spiele für Konsolen und Computer sind beliebt. Unter den von der Studie ermittelten Lieblingsspielen der Kinder und Jugendlichen finden sich vor allem bekannte Titel wie das Open-World-Spiel „Minecraft“, der Fußballsimulator „FIFA“ und das Überlebensgame „Fortnite“.

Die eine perfekte Strategie im Umgang mit Video- und Computerspielen in der Familie gibt es jedenfalls nicht, sagt Franz: Was in einer Familie gut funktioniere, eigne sich möglicherweise nicht für eine andere. Einige Verhaltensweisen sollten aber grundsätzlich vermieden werden: „Ziehen Eltern den Stecker einer Konsole oder eines Computers, ist das die effektivste Methode, um die Situation zu eskalieren“, erklärt die Therapeutin. Ihrer Erfahrung nach sei das in den meisten Fällen ein Ausdruck von Hilflosigkeit der Eltern. Sie wüssten nicht, wie sie reagieren sollen, wenn der Nachwuchs ein Spiel nicht beenden will.

Nur wenige Eltern haben Interesse am Thema

Ein weiterer Aspekt, von dem Eltern Abstand nehmen sollten: das Gaming-Hobby ihres Kindes schlechtzureden. „Sprechen Eltern als wichtige Bezugspersonen nur negativ über ein Spiel, werten sie damit das Interesse ihres Kindes ab. Das verletzt das Kind oder den Jugendlichen“, betont Franz. Laut der Kim-Studie haben aber nur zwölf Prozent der Erziehungsberechtigten selbst ein Interesse am Thema Gaming.

„Eltern fragen leider oft nicht, warum ihr Kind ein Spiel gerne spielt. Oder wieso es mit dem Einhalten der vereinbarten Regeln nicht geklappt hat“, bedauert Franz. Ohne diese Informationen sei es allerdings schwierig, neue Konflikte zu verhindern. Ein rundenbasiertes Online-Spiel mit Freunden könne beispielsweise nur schlecht mitten in einer Runde beendet werden. Wüssten Eltern über solche Eigenheiten Bescheid, könnten Gaming-Regeln in der Familie entsprechend angepasst werden.

„Eltern müssen keine Experten beim Thema Medien und Technik sein“, erläutert Psychotherapeutin  Franz. Meist reiche schon ein Interesse an dem aus, was die eigenen Kinder spielen. „Die Kinder kennen ihr Spiel oft recht gut und möchten auch darüber erzählen.“ Auch das sei Teil einer Strategie, damit Familien einen entspannten Umgang bei dem Thema Gaming erreichen.



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